Den "Master" im Blick

TRIER. Während die FH Trier bereits die neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master anbietet (der TV berichtete), tritt der Umstellungsprozess an der Universität Trier in die entscheidende Endphase. Zum Wintersemester 2007/2008 werden auch dort die gestuften Abschlüsse eingeführt, was für Hochschule wie Studenten tief greifende Veränderungen bringt.

Als "vielleicht bedeutendste europäische Reform im Hochschulsektor" bezeichnete Staatsminister Jürgen Zöllner jüngst auf einer Tagung in Trier die Einführung von Bachelor- und Masterabschlüssen. Der Bologna-Prozess, benannt nach dem Ort seiner Vereinbarung, wird bis 2010 in über 40 Ländern Europas umgesetzt, mit dem Ziel, mehr, jüngere, besser und praxisnäher ausgebildete Absolventen auf einen immer globaleren Arbeitsmarkt entlassen zu können. Das einheitliche System soll internationale Vergleichbarkeit, Anerkennung und Mobilität fördern. Namhafte deutsche Unternehmen haben sich im Positionspapier "Bachelors Welcome" zustimmend geäußert. "Eine große Chance, Wettbewerbsfaktoren wie Qualität von Lehre und Forschung sowie Kreativitäts- und Innovationspotential zu steigern" sieht Wissenschaftsminister Zöllner. Er hat aus Wettbewerbs- und Qualitätssicherungsgründen für Rheinland-Pfalz verfügt, dass nur akkreditierte, das heißt von unabhängigen Agenturen überprüfte, Studiengänge an den Start gehen dürfen. Trier bereitet derzeit die zur Begutachtung erforderlichen Unterlagen vor. Für die Universität mit ihrer interdisziplinären Ausrichtung, Haupt- und Nebenfächern, ist der Umstellungsprozess komplex, zumal er Abschied von jahrzehntealten Strukturen bedeutet. "Hier wird nicht einfach umetikettiert, es ist ein Systemwechsel", sagt Uni-Präsident Peter Schwenkmezger. Um diesen möglichst gut gestalten und aus Erfahrungen von Vorreitern lernen zu können, habe man sich bewusst Zeit gelassen. Ab dem Wintersemester 2007 werden die bisherigen Studienabschlüsse in allen Fächern, außer Jura, abgeschafft. Stattdessen gibt es, nach einer verkürzten Regelstudienzeit von drei bis höchstens vier Jahren und einer sechswöchigen Prüfungsarbeit, den berufsqualifizierenden Bachelor vom Rang eines Fachhochschuldiploms. Vertiefendes Aufbaudiplom

Ein vertiefendes Aufbaustudium von ein bis höchstens zwei Jahren und eine einsemestrige Arbeit führen zum Master, der mit dem bisherigen Universitätsdiplom oder -magister gleichwertig ist. Das Studium besteht aus Modulen, deren vorgegebener Arbeitsaufwand, in Punkte umgerechnet, vom ersten Semester an in die Endbewertung fließt. Jedes Modul endet zudem mit einer benoteten Prüfung. Akademische Freiheit gehe verloren, sind sich Studentenvertreter und Dozenten einig. "Die Studenten müssen mit einer 40-Stunden-Woche und verplanten Semesterferien rechnen. Prüfungs-, Betreuungs- und Verwaltungsaufwand werden um ein Vielfaches steigen", prognostiziert der Bologna-Koordinator der Universität, Professor Gerd Hurm. Er, wie auch die Hochschulleitung, sieht eins der Hauptprobleme in der Vorgabe der Ressourcenneutralität, mit der die Umstellung und der gestiegene Aufwand danach bewältigt werden sollen. "Kein Unternehmen kann ohne massive zusätzliche Investitionen ein neues Produkt entwickeln und am Markt einführen", sagt Hurm. Was auf Studenten und Lehrende zukommt, wie potenzielle Arbeitgeber reagieren, und welche Fragen noch offen sind, lesen Sie in weiteren Folgen der TV-Serie.

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