Ehrenamtler : Älteren Menschen Zeit schenken

In Trier-Nord ist das Team „Lebendige Nachbarschaft“ seit fast zwei  Jahren aktiv. Die Frauen und Männer kümmern sich ehrenamtlich um Senioren und möchten etwas gegen deren Vereinsamung unternehmen.

 Viele ältere oder beeinträchtigte Menschen leben noch selbstständig  in ihrer eigenen Wohnung, haben aber wenig Besuch oder können nicht ohne Begleitung das Haus verlassen, weil sie sich unsicher fühlen, wenn sie einen Rollator nutzen müssen. Für diese Menschen bietet der Bürgerhaus Trier-Nord  einen Besuchsdienst an. Ehrenamtlich tätige Mitbürger verbringen so mit Menschen, die häufig alleine sind, gemeinsame Zeit.

Uschi Swoboda vom Pflegestützpunkt Stadt Trier-Nordost und Bernd Weihmann vom Bürgerhaus Trier-Nord  entwickelten dieses Projekt.  „Die Idee entstand während unserer  täglichen Arbeit und in den Gesprächen mit Betroffenen:  Ein ehrenamtlicher Besuchsdienst, das wäre was. Den Bedarf haben wir in unserer  täglichen Arbeit  festgestellt“, sagt Uschi Swoboda. Der Besuchsdienst sei so organisiert, dass etwa einmal in der Woche  Männer und Frauen ehrenamtlich ältere Menschen besuchen, um mit ihnen spazieren zu gehen, einen Kaffee zu trinken oder einfach nur einen Plausch zu halten“, ergänzt Bernd Weihmann vom Bürgerhaus Trier-Nord.

Dabei geht es in erster Linie um die Geselligkeit und den sozialen Kontakt. „Wir stellen keine Putzhilfe“,  betont Swoboda. Das Projekt läuft bereits seit eineinhalb Jahren. Und es werden immer noch Ehrenamtliche gesucht. „Wir sind mit unseren Akteuren am Limit und sind auf weitere Unterstützung angewiesen“, sagt Bernd Weihmann.  Für den aktuell angemeldeten Bedarf könne man durchaus noch mindestens vier weitere Freiwillige gebrauchen. Deshalb werbe man mit Flyern und Infoständen für die Initiative.

Erika Nafziger ist eine der drei Ehrenamtlichen. Sie kommt sogar extra von außerhalb, um zu helfen. „Ich habe bereits in Igel Nachbarschaftshilfe geleistet und deshalb nehme ich hier in Trier-Nord am Projekt teil. Es ist interessant, vom Leben älterer Menschen zu hören und zu erfahren, wie das Leben früher war. Leider sind viele Senioren nicht so gut versorgt. Mein Motiv war es, den Menschen etwas zu geben und ich wünsche mir das natürlich auch für später, wenn ich selbst älter bin“, sagt Nafziger.

Andrea Blanc ist noch berufstätig, findet aber dennoch Zeit, in der Nachbarschaft zu helfen. Sie war  von Anfang an dabei: „Ich besuche seit eineinhalb Jahren einen älteren Herrn und eine ältere Dame, die in der Nachbarschaft allein leben, aber ihre Wohnung nicht mehr allein verlassen können. Wir gehen spazieren, telefonieren manchmal und ich helfe ihnen gerne. Das ist schon mal lustig, aber manchmal auch traurig. Das sind in der Woche zwei, drei Stunden, die ich gerne investiere.“

Auch Agnes Willems, die erst vor kurzem nach Trier ins Mehrgenerationenhaus gezogen ist,  ist gemeinsam mit ihrem Mann im Einsatz: „Ich kenne es von zu Hause, da hatten wir die Eltern bei uns wohnen, bis sie gestorben sind. Das wichtigste sind soziale Kontakte, egal  auf welcher Ebene. Da will ich gerne den Menschen etwas geben.“
Auch Trier-Nords neuer Ortsvorsteher Dirk Löwe ist in das Projekt eingebunden: „Viele Gemeindemitglieder in Trier-Nord sind schon über 75 Jahre. Die hauptamtlichen Pflegekräfte haben viel zu wenig Zeit, um sich um sie zu kümmern, deshalb sind die Ehrenamtler so wichtig. Das Wichtigste ist es doch, den Menschen Zeit zu schenken.“

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