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Den Pfalzeler Bürgern stinkt's gewaltig

Den Pfalzeler Bürgern stinkt's gewaltig

Die Sitzplätze im Amtshaus haben längst nicht gereicht: Mehr als 400 Betroffene sind gekommen, um ihrem Ärger Luft zu machen und die Verantwortlichen wegen der Geruchsbelästigungen in Pfalzel zu befragen. Willi Streit, Geschäftsführer der Firma Eu-Rec, stellt sich der Kritik: "Ich möchte niemandem bewusst schaden." Streit kündigt die Inbetriebnahme einer neuen Anlage an.

Trier-Pfalzel. Der Ärger in Pfalzel wegen der üblen Gerüche, die seit Monaten durch den Ort ziehen, ist gewaltig. Der Gestank löst bei den Bewohnern Übelkeit und Erbrechen aus. Verursacht wird der Geruch laut offizieller Bestätigung der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord durch die Eu-Rec GmbH, eine Recyclingfirma im Trierer Hafen.
Pfalzels Ortsvorsteherin Margret Pfeiffer-Erdel hat wegen des Problems zum Krisengespräch geladen: "Wir wollen klären, wie es zu dieser Geruchsbelästigung kommt und was getan wird." Die Bürger stimmen ihr mit Zwischenrufen und Applaus zu. Rund 400 sind ins Pfalzeler Amtshaus gekommen. Mehr als der Saal fassen kann. Selbst draußen auf der Wendeltreppe sitzen verärgerte Pfalzeler. Die Stimmung ist gereizt.
Alfred Grunenberg, Leiter des Referats für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Bodenschutz bei der zuständigen Aufsichtsbehörde SGD Nord, möchte schlichten: "Diese Konfliktsituation erfordert gegenseitige Rücksichtnahme." Einerseits könne die Firma nicht für sich in Anspruch nehmen, wie in einem reinen Industriegebiet zu handeln. Andererseits können die Bürger nicht erwarten, wie in einem reinen Wohngebiet ohne Industrieeinflüsse zu leben, so Grunenberg. Viele Anwesende erheben lautstark Einspruch. Ursache der Geruchsbelästigung sei die Aufbereitung von Plastik aus Gelben Säcken. Daraufhin sei eine neue Waschanlage angeschafft worden, erklärt Grunenberg.
"Der Verdacht von schädlichen Umwelteinflüssen kann zumindest nicht ausgeschlossen werden. Deswegen haben wir eine Messung angeordnet, um die Gefahr einschätzen zu können. Danach wird eine Ausbreitungsrechnung erstellt, auf deren Basis wir Maßnahmen anordnen können", erklärt er weiter.
Die Bürger sind mit dem Vorgehen der Behörde unzufrieden. "Bekommen wir in der Zwischenzeit Gasmasken von Ihnen angeordnet?", fragt einer. Grunenberg verweist immer wieder auf die rechtlichen Rahmenbedingungen und notwendigen Verfahrensschritte. Die Geduld der Pfalzeler Bürger ist jedoch aufgebraucht. "Ich bin jetzt schon krank. Ich breche mir die Seele aus dem Leib, da gibt es nicht mehr viel zu überprüfen", klagt eine Bürgerin. Andere möchten eine Petition starten und an das Umweltministerium übergeben. Auch der in Pfalzel lebende Stadtrat Thomas Neises (SPD) bemängelt die Arbeit der SGD Nord: "Wenn es wieder so schlimm wie vergangenes Wochenende stinkt, muss es eine Stilllegung geben." Jörg Elsen, Leiter des Trierer Ordnungsamts, ist als Pfalzeler Anwohner und Betroffener ebenfalls vor Ort. Er kritisiert, dass zu viel Zeit vergeht. "Die SGD Nord sollte zeitlich enger vorgehen und kürzere Fristen setzen." Die Situation, so Elsen, sei unerträglich geworden. "Wir können nicht mehr lüften oder unsere Enkelkinder nach draußen lassen", sagt er nach der Veranstaltung im Gespräch mit dem TV.
Der Geschäftsführer der Eu-Rec, Willi Streit, zeigt sich ratlos. Er vermutet, dass die Gerüche durch Biotüten, die zu einem großen Teil aus Kartoffel- und Maisstärke bestehen, verursacht werden. Absolut sicher ist er sich aber nicht. Dennoch hat er eine neue, 750 000 Euro teure Anlage angeschafft, die in den nächsten drei Monaten getestet wird.
"Ich verspreche mir einiges von der neuen Anlage, sonst hätte ich nicht so viel investiert. Ich möchte niemandem bewusst schaden", sagt Streit. Allerdings verfüge er über keinerlei Erfahrungswerte, was die Wirkung der Anlage betrifft, da sie erstmals in diesem Bereich eingesetzt werde. "Was ist, wenn die neue Anlage nach den drei Monaten das Problem nicht gelöst hat?", fragt ein besorgter Bürger. "Damit befasse ich mich erst, wenn das Problem noch da ist", entgegnet Streit.
"Eine direkte Gesundheitsgefahr durch Gerüche ist in der Literatur nicht beschrieben. Wir können erst Aussagen machen, wenn die Stoffe bekannt sind", erklärt Werner Schmidt vom Gesundheitsamt Trier. Die Bürger sind sich einig: Es gebe nicht viel zu messen, schließlich riechen ihre Nasen jeden Tag den Gestank. Derart Ekel und Übelkeit erregende Gerüche seien aus rechtlicher Sicht eine Körperverletzung, sagt ein Pfalzeler und fordert, die Behörden mögen dies in ihrer Beurteilung der Lage berücksichtigen.
Alfred Grunenberg verspricht den aufgebrachten Bürgern, so schnell wie möglich einen Gutachter für die Messung der Gerüche zu beauftragen. Willi Streit verzichtet auf sein Anhörungsrecht und stimmt der Messung freiwillig zu. Außerdem sollen einige Bürger die Kommunikation zwischen der Recyclingfirma und der Behörde direkt verfolgen können. Margret Pfeiffer-Erdel möchte alle Informationen bündeln und entsprechend weitergeben. Wenn sich trotz der neuen Anlage nichts ändern sollte, erwägen einige Bürger eine Klage.
Meinung

Krasse Minderung der Lebensqualität
Ein Geruch, der Übelkeit, Schwindel und schließlich Erbrechen auslöst, ist eine krasse Minderung der Lebensqualität und eine vollkommen unzumutbare Belästigung. Die Anwohner werden in einem Maß gequält, das über jedes Verständnis für einen Industriebetrieb und Arbeitgeber weit hinausgeht. Doch obwohl dieses Problem seit Monaten besteht, hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord als verantwortliche Behörde bis heute keine belastbaren Mess- oder Untersuchungsergebnisse. Stattdessen präsentiert sie Appelle an die Rücksichtnahme der Anwohner - das ist regelrecht grotesk. Die Eu-Rec GmbH zieht sich den Schuh des Verantwortlichen zwar nicht bereitwillig und automatisch an, zeigt aber zumindest Bereitschaft zur Kooperation und Aufklärung. Die Behörde ist gefordert: Es kann und darf keine weiteren Wochen dauern, die Quelle des Gestanks zu finden und auszuschalten. j.pistorius@volksfreund.de