Den Pistolenlauf im Nacken - Überfall auf Firma in Trier-Kürenz

Den Pistolenlauf im Nacken - Überfall auf Firma in Trier-Kürenz

Vielleicht haben die Fahrer einer Kürenzer Heizölfirma ihren Chef und seine Familie vor Schlimmerem bewahrt: Bei einem Raubüberfall am Mittwochnachmittag kamen die Mitarbeiter den mit Pistolen bewaffneten Tätern in die Quere.

Eigentlich hatte sich die Trierer Unternehmerfamilie auf einen ganz normalen Nachmittag eingestellt. Die 90-jährige Mutter des Chefs ist an diesem Mittwoch auch noch mal ins Geschäft gekommen, ausnahmsweise. Ausgerechnet an diesem Tag. Der 59-jährige Firmeninhaber M., seine Frau und deren Schwester erledigen die übliche Büroarbeit. Fünf LKW-Fahrer der Heizölfirma sind noch auf Kundentour.
Gegen 16 Uhr bricht plötzlich der Schrecken in den Alltag der Familie ein. Zwei maskierte Männer stürmen in das Büro in Kürenz. Beide mit Pistolen bewaffnet. "Die Männer haben nur schlecht Deutsch gesprochen, aber klar war, dass sie Geld wollten", berichtet Firmenchef M. am Donnerstagmittag dem TV. "Die Räuber haben uns die Pistolenläufe in den Nacken gedrückt."
Die Familie ist sofort bereit, den offenbar gewaltbereiten Unbekannten das Bargeld aus der Kasse herauszugeben. "Etwa 8000 bis 10 000 Euro", sagt M., "genau haben wir das noch nicht abgerechnet."
Doch den Tätern reicht das nicht. Erst durchsuchen sie die Küche nach weiterem Geld und einem Tresor. "Wir haben beteuert, dass wir kein weiteres Bargeld im Haus haben, aber das haben sie uns nicht geglaubt", berichtet M. Seine Schwägerin und er müssen sich in der Küche auf den Boden legen. M. fleht die Täter an, dass sie seine 90-jährige Mutter in Ruhe lassen.
Einer der Männer bleibt mit den Gefangenen in der Küche. Der andere zwingt M.s Ehefrau mit vorgehaltener Waffe mit in den ersten Stock zu kommen. "Weil die Männer offenbar nicht so viel Beute vorfanden, wie sie sich das erhofft hatten, wurden sie immer nervöser - was uns auch immer mehr Angst gemacht hat", berichtet M. Im Obergeschoss reißt der Mann sämtliche Schränke und Schubladen auf. Bilder werden von der Wand geschleudert. Auch das Dachgeschoss wird durchwühlt. "Die haben nach einem Safe mit Bargeld oder anderen Wertgegenständen gesucht - dass wir keinen im Haus haben, haben sie uns nicht geglaubt", sagt M.Fahrer schrecken Täter auf


Dann wird der Plan der Räuber durchkreuzt: Beinahe gleichzeitig kommen drei LKW-Fahrer von ihren Kundentouren zurück und rollen auf den Firmenparkplatz. Einer der Fahrer geht ins Büro. Die Unordnung dort und dass niemand da ist, lassen ihn stutzen. Auch die Täter werden aufmerksam auf die unerwartete Störung - und treten die Flucht an. Die Fahrer sind von dem Tumult überrascht. "Als einer gesehen hat, dass die flüchtenden Männer Pistolen dabei haben, war ihnen sofort klar, dass es sich um einen Überfall handelt", berichtet M.
Die Fahrer - zwei davon schon seit mehr als 20 Jahren bei der Firma beschäftigt - rennen den Räubern über den Hof nach. Einer der Täter kann flüchten. "Der Anführer der beiden, der auch die Beute bei sich hatte." Seinen Handlanger schnappen die Fahrer bei dessen Versuch, über einen Zaun zu klettern.15 Minuten wie eine Ewigkeit


Dann ist auch schon die Polizei da. Doch trotz der sofort eingeleiteten Fahndung bleibt der flüchtige Täter samt Beute verschwunden. "Das Ganze hat vielleicht 15 bis 20 Minuten gedauert - die uns vorkamen wie eine Ewigkeit", berichtet Firmenchef M. Der 59-Jährige steht seit Donnerstagmorgen schon wieder in seinem Büro. "Klar hat uns die Sache sehr mitgenommen. Meine Mutter hat es Gott sei Dank ganz gut verkraftet. Aber meine Frau und meine Schwägerin sind nervlich schon sehr angeschlagen."
Seinen Fahrern ist M. dankbar. Auch sie sind gestern schon wieder im Dienst. "Aber wir lassen es heute ruhig angehen. Und alleine ist auch niemand unterwegs, meine Männer fahren ihre Touren zu zweit", sagt M.Extra

Der Flüchtende: Die Polizei bittet um Mithilfe bei der Suche nach dem flüchtigen Täter: Der Mann ist etwa 1,70 bis 1,80 Meter groß und schlank. Er hat kurzes Haar, war dunkel gekleidet und trug Mütze, Cordhose und Rollkragenpullover. Der Mann sprach Russisch und roch nach Zeugenangaben stark nach Parfüm. Der festgenommene Tatverdächtige hatte keine Papiere dabei. Er gibt an, 25 Jahre alt zu sein und aus Lettland zu stammen. Er sitzt in Untersuchungshaft. Die bei ihm sichergestellte Waffe ist ein Schreckschussrevolver. Zeugen melden sich bei der Kriminalpolizei Trier, Telefon 0651/9779-2290.

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