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Denkmalschützer warnt: Moselkran verfällt

Denkmalschützer warnt: Moselkran verfällt

Der alte Kran am Moselufer sei ein "überregional bedeutendes kulturtechnisches Denkmal", heißt es in der Denkmaltopographie der Stadt Trier. Er gehört neben dem Danziger Krantor zu den ältesten Tretradkranen. Ein Experte kritisiert, Zustand und Umfeld würden dieser Bedeutung nicht gerecht.

Trier. Wenn Rainer Thelen, ehemals Denkmalpfleger, als Stadtführer Besuchern die geschichtlichen Besonderheiten am Moselufer nahebringen will, hat er ein Problem. Bei Busrundfahrten entlang des Moselufers ist es unmöglich, den Bus für einige Minuten anzuhalten, um Erläuterungen zu geben. "Geschweige denn, dass Touristen aussteigen können, um den Kran von innen zu sehen", moniert Thelen. Es fehle eine Haltebucht am Moselufer, in der Busse parken könnten. Dabei ließe sich eine entsprechende Zone aufgrund des Platzes beim Kran gegenüber der Irminenverwaltung sicher realisieren, glaubt Thelen. So kann er derzeit nur im Schnelldurchgang Touristen berichten, welch geschichtliches Kleinod sich am Moselufer verbirgt (siehe Extra).

Gleiches gilt für die Römerbrücke, an der kein Hinweisschild über ihre Bedeutung Auskunft gibt und von der bei Busführungen wegen der Bäume höchstens nur ein kurzer Blick erhascht werden kann. Dabei hat Trier mit ihr neben Regensburg das einzige römische Bauwerk mit Brückenfunktion inne. Sicher wäre dort am Moselufer ein Leben am Fluss realisierbar und die Geschichte erlebbar, wären Unkraut und Gebüsch beseitigt, sagt Thelen. Das sensible Areal um beide Moselkräne, "Namensgeber eines ganzen Stadtviertels" (Thelen), schläft einen Dornröschenschlaf.

Man "prüfe und hinterfrage sehr kritisch jede Veränderung", heißt es aus dem Presseamt. Die Rahmenstudie von 2008 zum Thema Stadt am Fluss habe ergeben, dass kurzfristige Realisierungen nicht möglich seien und es deshalb keine konkreten Planungen für eine Umgestaltung gebe. "Dies soll im Anschluss an den städtebaulichen Wettbewerb, der im Rahmen des Welterbeprogramms 2011 für das Umfeld der Römerbrücke geplant ist, geschehen", teilt Sprecher Ralf Frühauf auf TV-Anfrage mit. Wenn wieder Schilder aufgestellt werden, soll auch die Römerbrücke welche erhalten - ihr Fehlen hatte der verstorbene Landesmuseumschef Heinz Cüppers bereits vor vielen Jahren angemahnt.

Extra Am Krahnenufer ist die alte Kaianlage mit Bodenpflaster sichtbar, wo einst gestapelt wurde. Gebüsch und Unkraut überwuchern den Bereich. In die Ufermauer mit Befestigungen für anlegende Schiffe sind römische Quader eingearbeitet, Einschusslöcher erzählen vom Krieg. Der alte Moselkran hat eine funktionierende Technik mit zwei Laufrädern. Seine Ausleger sind wegen Schäden gekürzt. Eine benachbarte Treppenanlage mit Brunnen zeigt die seinerzeit gekappte Verbindung zur Stadt. (gsb)