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Denkmal: Denkmalschutz in Trier: Mal Top, mal Flop

Kostenpflichtiger Inhalt: Denkmal : Denkmalschutz in Trier: Mal Top, mal Flop

Sie sind markant, stadtbildprägend, verwahrlost und in Privatbesitz: Einige historische Gebäude in Triers Toplagen verfallen zusehends. Was können die Stadt Trier, Ortsbeiräte oder Denkmalpflegevereine tun, um den Verfall zu stoppen?

Von außen pfui, von innen ohne Worte. Wer durch die Innenstadt von Trier schlendert, dem begegnen historische und denkmalgeschützte Gebäude, die schon bessere Zeiten gesehen haben. Nicht alle gehören dem Land oder der Stadt Trier, sondern sind in Privatbesitz. Doch während die einen mit viel Liebe zum Detail sanieren und restaurieren, scheint sich bei anderen rein gar nichts zu tun.

Der Ist-Zustand

So ein Beispiel ist das Haus in der Stresemannstraße 3. Das ehemals stolze Giebelhaus mit dem vieleckigen Treppenturm scheint dem Verfall preisgegeben. Seit Jahren bröckelt das Gebäude in der Trierer Innenstadt in unmittelbarer Nähe zum Heuschreckbrunnen. Risse und Schäden im Mauerwerk wurden notdürftig verputzt. Hinter zerbrochenen Fensterscheiben klemmt Spanholz. Graffiti-Sprayer haben mit ihren Tags das Bild der Verwahrlosung vollendet.

Eingangsbereich des Gebäudes in der Stresemannstraße. Foto: TV/Verona Kerl

Seit 1996 steht das Haus unter Denkmalschutz. Es ist eines der wenigen, noch erhaltenen Renaissancegebäude in Trier, lediglich die Fachwerk-Turmstube stammt aus dem 19. Jahrhundert. Zu seiner Blütezeit im 16. Jahrhundert, gehörte es zur ehemaligen Wolff’schen Apotheke, und noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden hier Medikamente verkauft.

Hunderte von Menschen laufen in Coronavirus-freien Zeiten jeden Tag daran vorbei: Touristen, unterwegs zum Karl-Marx-Haus in der Brückenstraße oder Trierer, die von der nahegelegenen Bushaltestelle in Richtung Fleisch- oder Nagelstraße gehen. Viele fragen sich, was, wann und ob überhaupt etwas mit dem Ensemble passiert. Heißt es nicht im Grundgesetz (Artikel 14), Eigentum verpflichtet?

Detailaufnahme über dem Türsturz des Renaissancegebäudes in der Stresemannstraße 3. Foto: TV/Verona Kerl

Kann die Stadt Trier etwas tun?

Doch der Stadt Trier sind die Hände gebunden. Sie kann nur tätig werden, wenn die Verkehrssicherheit des Hauses gefährdet ist. Stadt-Sprecherin Britta Bauchhenß sagt: „Das Gebäude ist nicht akut einsturzgefährdet und bei der letzten Objektbesichtigung wurde festgestellt, dass die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet ist. In den vergangenen Jahren wurden bauliche Maßnahmen zur Sicherung des Gebäudes durchgeführt. In Teilen wird das Gebäude als Lagerfläche genutzt.“

1959, Ecke Fleisch-/Nagel-/Stresemannstraße: Korbhaus Regnery errichtete damals seinen Neubau in der typischen Geschäftshaus-Architektur der späten 50er Jahre. Rechts im Bild das Renaissance-Gebäude. Foto: tv-archiv

Die Meinung des Ortsbeirats Mitte/Gartenfeld

Als Architekt bedauert auch der frühere Ortsvorsteher von Trier-Mitte/Gartenfeld, Dominik Heinrich, den Fall: „Man kann da sehr wenig machen. Das ist Eigentumsrecht. Es ist schwierig so ein Haus zu sanieren, wenn es in diesem Zustand ist. Es kann aber immer viele Gründe geben, warum so ein Gebäude nicht saniert wird.“ Ein Thema für den Ortsbeirat war und ist das Haus in der Stresemannstraße daher nicht.

Vorbildlich: Die Fassade des Haus des Handels in der Kaiserstraße. Foto: h_st <h_st@volksfreund.de>+SEP+h_st <h_st@volksfreund.de>

Warum passiert nichts?

Die tatsächlichen Gründe für die Vernachlässigung des Denkmals kennt nur einer, der Eigentümer. Der ließ jedoch zwei Anfragen des Trierischen Volksfreunds unbeantwortet. Mehrfach Kontakt mit ihm hatte dagegen die Stadt Trier. Die Sprecherin teilt mit: „Der Eigentümer ist nicht gewillt, das Gebäude zu sanieren oder Renovierungsarbeiten an der Fassade durchzuführen. Es wurde noch nicht thematisiert, welche denkmalschutzrechtlichen Auflagen es bei einer umfassenden Gebäudesanierung gäbe. Das Amt für Bauen, Umwelt und Denkmalschutz sieht derzeit keine Möglichkeit, eine Sanierung gegen den Willen des Eigentümers durchzusetzen.“

Denkmalpflegevereine bieten Hilfe

Eine Tatsache, die das Trier Forum, der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz sowie die Trier-Gesellschaft bedauern. Die Vereine haben es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, Trierer Kulturdenkmäler zu bewahren, zu erhalten und zu erneuern. Bertrand Herberich, Interimsvorsitzender des Trier Forums, sagt: „Schon im September 2017 hat das Trier Forum eine öffentliche Besichtigung vor Ort organisiert, um für dieses außergewöhnliche Zeugnis der Trierer Baugeschichte und dessen Zustand zu sensibilisieren. Trotz unserer Bemühungen waren die Besitzer nicht erreichbar. Es bleibt uns nur, an die Verantwortung der Besitzer zu appellieren, damit die dringend nötigen Maßnahmen ergriffen werden, um ein solch schönes und bedeutungsvolles Renaissance-Gebäude zu retten.“

Die Rettung des ehemaligen Bürgerhauses liegt auch Karl-August Heise, Vorsitzender des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) und stellvertretender Vorsitzender des Denkmalpflegebeirates, sehr am Herzen: „Die Instandsetzung würde große Investitionen verursachen. Das ist bei einem solchen Haus nicht so einfach zu lösen“, räumt er ein und weist zugleich auf eine Besonderheit hin: Das Haus sei so in der Renaissance gar nicht zu sehen gewesen.Tatsächlich blickt man heute lediglich auf das Hinterhaus. Grund dafür ist die Brandgasse von 1940 (siehe Info), eine Schneise aus der später die Stresemannstraße entstand. „Durch diesen Durchbruch wurde der Innenbereich eines Häuserblocks nach außen gekehrt. Das ist ein interessanter Blick in die Geschichte.“ Grundsätzlich müsse man sich aber Gedanken darüber machen, wie man mit den noch vorhandenen Trierer Bürgerhäusern umgehen wolle. „Die Frage ist, wie man da vorankommt.“

Dabei gibt es in Trier durchaus finanzielle Hilfe für denkmalgeschützte Immobilien in Privatbesitz. Elisabeth Dühr, stellvertretende Vorsitzende der Trier Gesellschaft, informiert: „Wir sind eine Gesellschaft, die auf Zuruf arbeitet. Uns schreiben oft Leute an, ob wir uns eines Gebäudes annehmen wollen, etwa Balduinbrunnen, Hauptmarktbrunnen oder der Monopteros bei Schloss Monaise.“ Dabei werde jedes Projekt, das an die Gesellschaft herangetragen wird, im Vorstand besprochen. „Allerdings muss man bei Privatleuten sehr genau abwägen. Erst einmal müssen die Besitzer initiativ werden und ein Konzept vorlegen. Ohne eigenes Engagement wird kein Mensch einen Finger rühren.“

Positive Beispiele denkmalgeschützter Privatimmobilien

Die Fassade des Haus des Handels in der Kaiserstraße, die Fassade der Saar-Mosel-Winzersekt GmbH (SMW) in Trier-Süd oder das Tor-Fischhaus und Brunnen der Abtei St. Matthias sind einige Beispiele, die mit Hilfe der Trier Gesellschaft saniert worden sind.