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Der "Apo-Opa" hat noch viel vor

Der "Apo-Opa" hat noch viel vor

TRIER. (kbb) Mit einem Gottesdienst und anschließendem Vortrag in der katholischen St.-Augustinus-Kirche verabschiedete die Evangelische Studentinnen- und Studentengemeinde Trier (ESG) am Samstag ihren Hochschulpfarrer Johannes Metzdorf-Schmithüsen in den Ruhestand. Seit 1985 war er an der Universität Trier und half Studenten mit Rat, Tat und tröstenden Worten.

Als Johannes Metzdorf-Schmithüsen seine Stelle als Studentenpfarrer antrat, war er gerade 44 Jahre alt. "Das war eine ganz neue Stelle, die mit mir zum ersten Mal besetzt wurde", erinnert er sich, "und ich hätte damals nicht gedacht, dass ich das 20 Jahre lang mache." 1941 in Stendal/Altmark geboren, absolvierte er sein Abitur im nordrhein-westfälischen Neuss und studierte von 1962 bis 1968 Theologie in Mainz und Bonn - und ist damit ein echter "68er". Nach seinem Vikariat war er Schulpfarrer in Koblenz und im Anschluss Gemeindepfarrer in Bacharach am Rhein. "Als ich mich um die Stelle des Trierer Studentenpfarrers bewarb, hatte ich ja schon eine schöne Zeit als Schulpfarrer hinter mir. Insofern hat mich das schon sehr gereizt." Allerdings sei es üblich, als Studentenpfarrer nach spätestens zehn Jahren versetzt zu werden. "Bei mir haben sie da irgendwie eine Ausnahme gemacht", sagt Metzdorf-Schmithüsen lachend. Der Unterschied zu einer klar strukturierten Gemeinde sei auch nicht von der Hand zu weisen: "An der Hochschule sind es von Semester zu Semester andere Studenten, man muss das Rad jedes Mal neu erfinden", sagt er. Den vielen Studenten, die bei ihm in den vergangenen 20 Jahren Rat und Hilfe suchten, ist er als offener und lebenslustiger Pfarrer bekannt. Nicht zuletzt, weil er sich gerne selbst als "Apo-Opa" bezeichnete. In der Zeit an der Uni Trier hat er mit Studenten unter anderem während des Jugoslawien-Kriegs über drei Jahre hinweg Hilfsgüter in die Krisenregion bringen lassen, ein Wohnprojekt für allein erziehende Studentinnen initiiert und zahlreichen Studenten zur Seite gestanden. "Ich weiß noch, dass ein Pärchen zu mir kam mit der Bitte, sie zu trauen. Wenige Tage später wollten sie dann nach Australien auswandern", erzählt der 65-Jährige. "Und ich erinnere mich daran, dass sich ein US-amerikanischer Austauschstudent während eines Seminars an der Uni das Leben nahm. Der ganze Kursus kam in den folgenden Tagen zu mir." Neben seiner Arbeit als Pfarrer war und bleibt Metzdorf-Schmithüsen auch weiterhin medial präsent. Im saarländischen Rundfunk kommentiert er mit "Zwischenrufen" die Zeitgeschichte und widmet sich im Fernsehen drei Minuten vor der Tagesschau der "christlichen Sicht". An seine eigene Studienzeit erinnert er sich gern: "Ich wusste damals, dass die Welt auf mich wartet. Heute ist das anders, auf die jungen Leute wartet niemand, sie müssen sich alles erkämpfen, und deshalb tun sie mir auch manchmal leid." Uni-Präsident Peter Schwenkmezger beschreibt den Studentenpfarrer als einen "kämpferischen, aber auch sehr ausgeglichenen Menschen, der immer mit neuen Ideen erfüllt ist. Er hat viel für die ESG und damit viel für die Universität getan." Für eine Kultur der Kontinuität

Auch Pfarrer Ulrich Dann aus Trier würdigt die Arbeit seines Kollegen: "Wir kennen uns schon seit 1979. Mir ist gleich aufgefallen, dass er vor Ideen sprüht. Und sein Alter auf dem Pass ist auch heute noch ein anderes als das Alter im Geiste." In seiner Predigt beim Abschiedsgottesdienst, den Metzdorf-Schmithüsen zusammen mit Pfarrerin Jutta Walber hielt, brachte der Hochschulpfarrer es auf den Punkt. "Es gibt heute ständig etwas Neues, es bleibt keine Zeit zum Durchatmen. Statt ewig neuer Innovationen brauchen wir auch mal wieder eine Kultur der Kontinuität." Mit seiner Arbeit hat Metzdorf-Schmithüsen zu letztgenannter Forderung mehr als nur beigetragen. Für die Zukunft hat er konkrete Pläne: "Ich bin für die Abschaffung von militärischen Ehrenformationen bei Staatsempfängen", sagt er, "in einer modernen Demokratie halte ich das für überflüssig." Wie er das erreichen will? "Zunächst einmal das Phänomen erforschen", sagt er augenzwinkernd, "dann mit Initiativen vorangehen und sehen, wie es weitergeht."