Der barrierefreie Ausbau des Schweicher Bahnhofs läuft. Bürger sehen auch die Gehsteige als Problem – der Stadtbürgermeister macht Hoffnung.

Infrastruktur : Endlich auch mit Rollstuhl in den Zug

Der barrierefreie Ausbau des Schweicher Bahnhofs läuft. Bürger sehen auch die Gehsteige als Problem – der Stadtbürgermeister macht Hoffnung.

Petra Bonenberg aus Schweich hat einen Wunsch. Zu gerne würde sie mit ihrem Mann Ausflüge machen. Koblenz. Köln. Ihr Mann liebt die Stadt Luxemburg. Doch momentan kommen derartige Urlaube für die 61-Jährige und ihren Ehegatten nicht infrage: Bernhard erlitt 2015 einen Hirnschlag und ist seitdem schwerbehindert. Er nutzt nun einen Rollstuhl, um von A nach B zu kommen. „Bei längeren Autofahrten wird ihm schwindelig“, berichtet Boneberg. Mit dem Zug vom Schweicher Bahnhof aus das Land erkunden ist  aufgrund der fehlenden Barrierefreiheit keine Option. Bis jetzt.

Denn es kündigt sich Besserung an: Am Schweicher Bahnhof laufen Ausbauarbeiten, die die Station endgültig auch für Menschen mit Einschränkungen zugänglich machen sollen (der TV berichtete). Zunächst wird  der neben dem Bahnhofsgebäude liegende „Hausbahnsteig” ausgebaut. Dieser wird um circa 40 Zentimeter erhöht. Der Mittelbahnsteig selbst, an dem die Züge in Richtung Wittlich und Trier fahren, ist bereits barrierefrei ausgebaut. Eigentlich. Denn bislang ist er nur über Treppen erreichbar, was sich nun ändern wird.  Künftig sollen Reisende den Bahnsteig bequem über Aufzüge erreichen.

„Wir kommen gut voran“, kommentiert Stadtbürgermeister Lars Rieger den Stand der Arbeiten. Trotz der momentan hohen Temperaturen sei man im Zeitplan und er gehe nicht davon aus, dass „es große Verzögerungen geben wird“. Laut Plan sollen die Arbeiten bis Ende August andauern. Im Frühjahr 2019 soll der letzte Baustein am Bahnhof realisiert werden: der Bau einer Straße, die die Ortsentlastungsstraße mit dem Bahnhof verbindet. Durch den dann möglichen Ringverkehr können (Schul-)Busse den Bahnhof unmittelbar anfahren. Das geht aus Platzgründen bisher nicht.

Nach Ansicht des Stadtbürgermeisters war es „dringend von Nöten, den Bahnhof barrierefrei zu gestalten“. Besonders auch die Schulen und Institutionen in Schweich würden davon profitieren. Selbst  wenn sich der Neubau der Treverer-Förderschule und der Grundschule verzögert (der TV berichtete), wird der Ausbau des Bahnhofs auch den neuen Schülern das Leben erleichtern. Außerdem wurde Anfang des Jahres in direkter Nähe zum Bahnhof die neue Lebenshilfe-Kita eröffnet, die ebenfalls profitieren dürfte.

Auch Petra Boneberg sieht in dem Ausbau einen wichtigen Schritt der Stadt. Sie war bis zum Hirnschlag ihres Mannes 2015 langjährige Pflegedienstleiterin im Wohn- und Pflegeheim für Multiple-Sklerose-Kranke, Echternacher Hof in Trier und kennt die Situation fehlender Barrierefreiheit. Auch wenn der Bahnhof nun ein Schritt nach vorne sei, prangert sie Teile des Stadtgebiets an: „Schweich ist in Sachen Barrierefreiheit eine Katastrophe.“ Besonders die zu hohen Bordsteine in der Altstadt sind für sie und ihren Mann ein großes Hindernis: „Ich muss den Rollstuhl immer drehen und rückwärts herunterfahren, um einen Sturz zu verhindern.“

Im Baugebiet Ermesgraben seien die Bordsteine in Ordnung, doch in den Nebenstraßen nicht. In einer solchen wohnt Familie Boneberg. Lars Rieger sieht darin eine wichtige Thematik. Zwar habe die  Stadt auf den Hauptverkehrsachsen bereits eine Abflachung der Steige vorgenommen, dennoch fehle es an vielen Stellen. „Das ist eine Herkulesaufgabe. Wir haben noch einiges vor uns.“ Er kündigt an, dass vorgesehen sei, auch die Bordsteine in den Nebenstraßen abzusenken, um diese problemlos passierbar zu machen. Gleichzeitig betont er aber auch, dass das „nicht von heute auf morgen“ gehe.

Aber man sei als Stadt Schweich in der Pflicht, „eine flächendeckende Barrierefreiheit herzustellen“. In Bezug darauf sei der Bahnhof ein weiterer wichtiger Schritt. Dieser Schritt erfüllt womöglich Petra Boneberg schon bald ihren Wunsch. „Wenn der Ausbau fertig ist, werden mein Mann und ich  auf jeden Fall Ausflüge machen. Vielleicht sogar nach Luxemburg. Das wäre der Hammer.“

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