Der Bauernkönig

IRSCH. "Du bist dafür genau der Richtige." Mit diesen Worten krönte die karnevalistische Bauerngarde in Irsch Alfred Marx vor neun Jahren kurzerhand zu ihrem König. Seinem Titel macht der 39-Jährige alle Ehre, denn er engagiert sich mit Herzblut für den Stadtteil, den er wie seine Westentasche kennt.

Zwei Kapellen, zwei Holzaltäre, drei Kreuze und zwei historische Irscher Kirchenfahnen wurden restauriert und auf Hochglanz gebracht. Das haben die Irscher Alfred Marx zu verdanken, der sich wie kein zweiter mit der Dorfgeschichte auskennt und sein Wissen und seine Freizeit uneigennützig für diesen Zweck einsetzt. Sieben "Irscher Kalender" hat Marx seit 1998 schon entworfen und an den Mann gebracht. Stolze 550 Exemplare verkauft er jedes Jahr. "Manchmal reichen die nicht", schmunzelt der schnauzbärtige Mann und freut sich, dass seine Arbeit so gut ankommt. Dass der gelernte Gärtner seine Heimat liebt und durch und durch Familienmensch ist, merkt man schnell. Im Jahr 1965 ist er im elterlichen Haus in Irsch zur Welt gekommen und dort mit seinen beiden Schwestern aufgewachsen. Heute ist er dreifacher Familienvater und lebt noch immer gerne im mittlerweile renovierten Elternhaus. Seit 30 Jahren ist er dem Kirchenchor und seinem Musikverein treu. Mit 16 Jahren ist er in die Feuerwehr eingetreten und seit elf Jahren stolzes Mitglied der Irscher Bauerngarde. Wenn Marx anfängt, von seiner Familiengeschichte zu erzählen und in den liebevoll angelegten, dicken Fotoalben blättert, leuchten seine Augen. Dann ist er in seinem Element. Alle Fotos, zum Teil noch in schwarz-weiß, sind datiert. In roter Schrift hat er ein paar Zeilen Ahnengeschichte dazu geschrieben. Marx forscht nicht nur gerne in der eigenen Vergangenheit, sondern hat in Pfarrbüchern und im Bistumsarchiv schon viel über die Dorfgeschichte recherchiert. Er kennt beinahe jedes Haus, was sich in Irsch herumgesprochen hat. "Es ist schon vorgekommen, dass jemand aus Düsseldorf vor der Tür stand und etwas wissen wollte. Den haben sie zu mir geschickt", erzählt der "Bauernkönig". Man merkt, dass Marx gerne Auskunft gibt. Auch die Post kennt "Bauer Alfred" und hat ihm schon einmal einen Brief nur mit dieser Adressaufschrift zugestellt. Wenn Alfred Marx dann mal nicht als Musiker, für die Feuerwehr oder mit der Bauerngarde unterwegs ist oder gerade neue Fotos für den nächsten Kalender schießt, macht er selbst das Futter für seine 30 Hasen und Hühner, steckt und erntet Kartoffeln oder pflückt Äpfel für den hauseigenen Viez.