Posten ab 1. Juni vakant: Der Chefsessel bei der Trierer Berufsfeuerwehr ist noch frei

Posten ab 1. Juni vakant : Der Chefsessel bei der Trierer Berufsfeuerwehr ist noch frei

Trier sucht seit Monaten nach einem neuen Leiter für die Berufsfeuerwehr – bislang erfolglos. Bereits ab 1. Juni ist der Posten frei. Die Stadtverwaltung greift zu ungewöhnlichen Methoden.

Ein Feuerwehrmann zeigt schon früh in seiner Karriere herausragenden Mut und Einsatz, wird mehrmals befördert und dient sich mit Leistung und Kompetenz hoch durch die Ränge bis zum Sessel des Chefs – das funktioniert vielleicht in einem Actionfilm aus Hollywood, doch bei den deutschen Berufsfeuerwehren sieht die Lage anders aus.

Auch wenn es natürlich unter den realen Brandbekämpfern ebenfalls jede Menge Einsatzkräfte gibt, die regelmäßig Mut, Stärke und Kompetenz beweisen, fällt die Entscheidung über die Eignung als Chef nicht erst nach vielen Jahren der Brandbekämpfung an vorderster Feuerfront, sondern direkt zu Beginn der Karriere. Dann muss sich der Kandidat entscheiden, welche Laufbahn er einschlagen will. Hier hat er die Wahl zwischen dem mittleren, gehobenen und höheren Feuerwehrdienst (siehe Info). Der höhere Dienst ist generell die höchste Laufbahngruppe für Beamte in Deutschland.

Wer ein Spitzenamt wie die Leitung einer Berufsfeuerwehr im Visier hat, muss normalerweise zuerst ein Studium und dann die Ausbildung im höheren Dienst absolvieren. Er muss damit schon lange vor seinem ersten Tag im Dienst wissen, dass er einmal Chef werden will.

Genau diese Situation macht es so schwer, in Trier einen Nachfolger für den scheidenden Chef zu finden: Herbert Albers-Hain geht Ende des Monats nach 30 Jahren als Chef der Berufsfeuerwehr Trier in den Ruhestand (der TV berichtete).

Ernst Mettlach, Sprecher der Stadt Trier, erklärt die Lage. „Die Zahl der auf dem Arbeitsmarkt verfügbaren, entsprechend qualifizierten Feuerwehrleute ist derzeit sehr überschaubar.“ Und zwar so überschaubar, dass es der Stadt Trier nicht gelungen ist, in der ersten Ausschreibungsrunde einen Kandidaten zu finden, der die Voraussetzung erfüllt, bereits im höheren feuerwehrtechnischen Dienst zu arbeiten.

Der Grund dafür ist leicht zu erkennen: Es gibt bundesweit zwar Kandidaten, die ein Hochschulstudium absolviert und danach das zweijährige Referendariat im höheren Dienst in Angriff genommen haben, aber sie alle haben schon lukrative Jobs an der Spitze von Berufsfeuerwehren. Denn 2018 war das Jahr des Wechsels. In allen Teilen Deutschlands traten langjährige Leiter von Berufsfeuerwehren in den Ruhestand und wurden durch junge Nachfolger ersetzt. Berlin, Frankfurt/Main, Düsseldorf, Köln, Hamburg  und noch mehrere andere Städte haben deshalb seit 2018 einen neuen obersten Brandbekämpfer. Trier dagegen noch nicht.

Stadt-Sprecher Mettlach bestätigt: „Viele Stellen sind durch den bundesweiten Generationswechsel gerade erst neu besetzt worden, verfügbare Absolventen der Feuerwehrakademien haben oft bereits während des Referendariats Zusagen für eine Stelle erhalten.“

Deshalb will die Stadt den neuen Feuerwehrchef nicht mehr nur unter den Absolventen des höheres Dienstes suchen. Auch die Laufbahngruppe darunter soll eine Chance erhalten: der gehobene Dienst.

„Wegen der Erfahrungen mit der ersten Ausschreibung und basierend auf externen Beratungen haben wir bei der jetzt abgeschlossenen zweiten Bewerbungsrunde das Verfahren auch für Bewerber aus dem gehobenen Dienst geöffnet, die bereit sind, sich den erforderlichen Bildungsqualifizierungen zu stellen und den Aufstieg in den höheren Dienst zu vollziehen“, sagt Ernst Mettlach.

Das heißt: Wer sich für den Job des Trierer Feuerwehrchefs bewirbt, muss die Qualifikation für den höheren Dienst noch nicht nachweisen, sondern kann sie in Angriff nehmen, nachdem er die Zusage der Stadt Trier hat. Mettlach bestätigt:  „Auch das ist ein Weg, um die ursprünglich gewünschte Qualifikation zu erreichen.“

Noch ist keine Entscheidung gefallen. Aber die Zeit drängt. Ab morgen braucht die Berufsfeuerwehr Trier einen neuen Chef.

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