Der Dauerpatient ist wieder da: Runderneuerter Pranger in der Grabenstraße aufgestellt - Dritte Reparatur seit 2004

Der Dauerpatient ist wieder da: Runderneuerter Pranger in der Grabenstraße aufgestellt - Dritte Reparatur seit 2004

Verklebt, vermalt, versifft und dazu angefault: Alles andere als eine Zierde für die Altstadt war der Pranger in der Grabenstraße, ehe er im Herbst 2013 zwecks Renovierung in die Werkstatt kam. Gestern wurde sein Comeback gefeiert. Nun stellt sich die bange Frage, wann die nächste Runderneuerung fällig wird.

Trier. "Der hält jetzt die nächsten 30 Jahre!", orakelte Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani angesichts des frisch in der Grabenstraße wieder aufgestellten Prangers. Eineinhalb Jahre war die Nachbildung des einstigen Straf- und Schandpfahls weg gewesen, wobei der Werkstattaufenthalt zwecks Generalüberholung nur wenige Wochen dauerte. Mit der Wiedererrichtung wartete die städtische Denkmalpflege aber so lange, bis die benachbarte Brommenschenkel-Baustelle abgeschlossen war.
Nun strahlt die Grabenstraße in frischem Glanz. Ein schmucker Neubau an der Stelle zweier kleiner Nachkriegs-Wohn- und Geschäftshäuser und dazu als Attraktion für Touristen wie Einheimische der runderneuerte Pranger. Aber dass der nun tatsächlich 30 Jahre keiner Reparatur mehr bedürfen soll, darf bezweifelt werden.
Zumal das jetzige Modell auch schon nicht mehr das ist, das 1979 zur Erinnerung an die finsteren Bräuche früherer Jahrhunderte in der Grabenstraße errichtet wurde. Anno 2004 war das Holz der Nachbildung so morsch geworden, dass ein Komplett-Ersatz beschafft wurde. "Der hält mehr als 25 Jahre", zeigte sich der damalige Denkmalamts-Vizechef Rainer Thelen überzeugt. Eine allzu optimistische Einschätzung. Nicht, weil bereits 2009 ein Handwerker-Team anrücken musste, um Aufkleber, Schmierereien und natürliche Verschmutzung zu beseitigen. 2013 war der Dauerpatient Pranger schon wieder verklebt, vermalt, versifft und litt dazu unter Fäule am Fuß des Eichenstamms.
Der steht nun, "untenrum verjüngt" in einem ebenfalls auf Vordermann gebrachten Sandsteinquader-Sockel und ist mit einem dicken Schutzanstrich versehen. Herbert Tschickardt, in dessen Zimmerei der Stamm erneuert wurde, hofft, dass für mindestens zehn Jahre "Ruhe herrscht". So lange währt die Garantie des Farbherstellers. Tschickardt kündigte jährliche Kontrollen an, um weitere Maläsen frühzeitig beheben zu können.Öffentliche Demütigung


Der Pranger ist beliebtes Fotomotiv, muss aber auch als Objekt für mutwillige Angriffe herhalten. Wer sich heute am ihm vergreift oder ihn mit Flaschen bewirft, wäre früher selbst am Pranger gelandet. Das Anketten mit Eisenhalsband und Handschellen an den Schandpfahl war über Jahrhunderte eine Strafe für Randalierer, Schläger, Verleumder und Diebe. Und auch eine Form der Volksbelustigung: Delinquenten waren Übergriffen schutzlos ausgeliefert.
In der mittelalterlichen Stadt gab es mehrere Pranger, auch am Marktkreuz auf dem Hauptmarkt wurden verurteilte Übeltäter der öffentlichen Demütigung preisgegeben. Der 1979 gewählte Aufstellungsort der Kopie, die auf einer Zeichnung von Gerhard Nauens von 1571 basiert, ist authentisch. In der Grabenstraße befand sich auch ein Gerichtshaus.
Rund 8000 Euro hat sich die Denkmalpflege die Renovierung des Prangers kosten lassen. Neben der Zimmerei Tschickardt waren die Schlosserei Alwin Herz (Konz), die Malerfirma Hött sowie die Steinwerkstatt Raquet und Partner daran beteiligt. Für die Projektsteuerung zeichnete Lothar Gräsing vom Amt für Gebäudewirtschaft verantwortlich.