Der Einsatz für Afrika geht weiter

Der Einsatz für Afrika geht weiter

Johannes Michael Nebe hat 35 Jahre an der Universität Trier gelehrt und zahlreiche Projektstudien für Entwicklungspolitik und Entwicklungsarbeit in den Slums der kenianischen Hauptstadt Nairobi geleitet. Er engagiert sich für einen Austausch zwischen beiden Ländern und fördert bis heute kenianische Schüler und Studenten. Nun setzt sich der 75-Jährige zur Ruhe.

Will sich auch im Uni-Ruhestand für Afrika engagieren: Johannes Michael Nebe (75). TV-Foto: Roland Morgen. Foto: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"

Trier. Johannes Michael Nebe ist verrückt nach kenianischem Tee, den Zucker bewahrt er in einer afrikanischen Zuckerdose auf. Seine Wohnung schmücken bunte Skulpturen, und an der Wand im Flur hängt ein echter afrikanischer Speer - alles Mitbringsel und Erinnerungen seiner zahlreichen Reisen zum Schwarzen Kontinent.
Nach insgesamt 107 Uni-Semestern tritt der 75-jährige Politikwissenschaftler Johannes Michael Nebe seinen Ruhestand an. 70 Semester verbrachte er an der Universität Trier. 2001 begann er dort mit Projekten zur Umwelt-, Sozial-, Gesundheits-, und Bildungspolitik in Kenia, an denen sowohl Studierende der Universität Trier als auch der Kenyatta University in Nairobi teilnahmen. "Bei den Projekten war es mir besonders wichtig, mit den Kenianern vor Ort gemeinsam an Lösungsvorschlägen zu arbeiten", erzählt er. Der Leitsatz "Hilfe zur Selbsthilfe" habe bei allen Projekten immer im Vordergrund gestanden, erklärt Nebe. "Die Menschen in den Slums wollen mit Würde und Respekt behandelt werden. Es ist wichtig, ihre Leistungsfähigkeit zu erkennen und ihre Eigenverantwortlichkeit zu stärken."
Angetrieben hat Johannes Nebe stets die Offenheit und Lebensfreude der Kenianer, die er auf seinen Reisen kennenlernte. "Ich war so beeindruckt von der hohen Kreativität und dem Überlebenswillen der Menschen dort, trotz der großen Armut. Mit der interkulturellen Zusammenarbeit ist in den Projekten etwas herangewachsen: ein neues Verständnis füreinander und für die entwicklungspolitischen Themen. Das wollte ich fortsetzten." An jedes Projekt schloss ein internationaler Ferienkurs im Sommer an, in dem kenianische Studenten für vier Wochen nach Trier kamen, um Deutschland kennenzulernen. "Wenn die Studenten wieder zurück in ihre Heimat geflogen sind, sagten sie oft zu mir: "I am the change" - "Ich bin der Wandel". Genau das brauchen wir auch in Deutschland, denn jeder Einzelne kann viel mehr tun, als er denkt", sagt der Afrika-Experte.
Auch dieses Jahr kommen wieder vier kenianische Studenten nach Deutschland. Es wird der letzte Ferienkurs sein. Die Flüge der Studenten finanziert Nebe seit jeher aus eigener Tasche, auch die Aufenthalte organisiert er selbst. Das Geld für die Ferienkurse möchte er vom kommenden Jahr an lieber in die Förderung weiterer Masterstudiengänge investieren. "Ich habe in diesen Projekten junge Menschen kennengelernt, die nicht wussten, ob sie ihr Studium fortsetzen oder überhaupt eines beginnen können, da die finanziellen Mittel fehlten."
Gemeinsam mit deutschen Studenten gründete er deshalb den Verein "Bildung fördert Entwicklung", der Kenianer in ihrer akademischen Laufbahn unterstützen soll. Momentan fördert Nebe so 20 kenianische Schüler und Studenten.
Einer von ihnen ist Felix Madanga. Er absolviert gerade ein viermonatiges Praktikum beim Umweltamt in Trier und wohnt für diese Zeit in Nebes Wohnzimmer. "Ich kann natürlich nicht die Welt retten. Aber durch Förderung der Ausbildung Einzelner Hoffnung geben, das geht", sagt der 75-jährige.
Für Nebe ist ein klarer Wandel in der Entwicklungspolitik notwendig. "Die Gelder der Entwicklungshilfe erreichen nicht die Menschen in den Slums, sondern werden von afrikanischen Eliten durch Korruption abgegriffen und verstärken nur das Gefälle zwischen Arm und Reich, erklärt er. Wirklich helfen könnte den Menschen nur die Hilfe zur Selbsthilfe, wie Nebe sie in seinen Projekten versuchte umzusetzen.
Mit Nebes Tätigkeit an der Universität endet nun auch die universitäre Unterstützung und Weiterführung der Projekte. Trotzdem will er weitermachen. "Ich habe auf meinen Reisen nie aufgehört zu lernen und will auch jetzt noch nicht aufhören. Ich weiß, dass auch kleine Projekte etwas bewirken können." Dabei sei es wichtig, die Menschen zu begleiten. "Finanzielle Förderung ist nötig, keine Frage, aber ohne die menschliche Zuwendung bleibt die Entwicklung aus." Nebe will deshalb weiterhin nach Afrika reisen. Sein nächstes Projekt plant er für März 2017. Außerdem wird er im September einen Vortrag zur Entwicklungs-, und Bildungspolitik im Bundestag halten.