Der "Erstgeborene" entwickelt sich weiterhin prächtig

Der "Erstgeborene" entwickelt sich weiterhin prächtig

In Kasel gehört die Mitgliedschaft im Jugendring seit 35 Jahren zum Erwachsenwerden dazu wie der erste Kuss und das Zurechtfinden in der Welt. Das Geheimnis des Erfolgs: Der Kopf des mehr als 500 Mitglieder zählenden Vereins ist mit Herzblut dabei und Neuem gegenüber immer aufgeschlossen.

Kasel. Aus dem Jugendalter ist er längst raus: Paul Neumann (60), der graubärtige Vorsitzende mit dem unermüdlichen Engagement für die Kaseler Jugend. Seit der Gründung 1974 ist er der Chef des Kaseler Jugendrings. Gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth hat der ehemalige Polizist seit den 70er Jahren Tausende von Stunden in den Verein investiert. "Wir haben drei Kinder und der Jugendring ist unser Erstgeborener", flachst Elisabeth Neumann und schiebt sofort nach, dass das alles nicht ohne die vielen Mitmachenden funktionieren würde.
"Die beiden sind die Eltern vom Jugendring", sagt Alexandra Heintz (41). Sie weiß, wovon sie spricht. Denn als Sechsjährige wurde sie bereits Mitglied und wie viele ihrer Altersgenossen ist sie immer noch dabei. Mittlerweile mit Mann und den Kindern Anna-Lena (7) und Charlotte (9).
"Hier wird man hineingeboren", sagt Heintz. Und man bleibt, auch wenn die Haare langsam grau werden: etwa als Betreuer oder wie Hajo Blum als Organisator einer Schachgruppe oder die ganze Familie fährt mit auf Hausboot-Tour und zur Skifreizeit.
"Der Verein hat rund 500 Mitglieder, aber es sind noch mehr, weil Familienmitgliedschaften nicht einzeln gezählt werden", sagt Paul Neumann. Die beeindruckende Mitgliedsliste ist eben so lang wie die vielen Aktivitäten der vergangenen 35 Jahre. Tausende Erinnerungsfotos erzählen von Segeltouren, Leseabenden, Weihnachtsbäckereien, Kinderkulturtagen, um nur einige zu nennen. Und sie erzählen von sehr viel Spaß und einem beispielhaften Miteinander.
Manche Angebote sprechen eine bestimmte Altersgruppe an, viele sind generationenübergreifend. So etwa wünschten Jugendliche nach dem ersten "Krompernfest" (Kartoffelfest), auch nach den traditionellen Rezepten kochen zu können. "Wir haben dann einen Kochkurs organisiert", berichtet Elisabeth Neumann. Aber es blieb nicht bei den Kartofellleckereien. Eine Mexikanerin, die in Kasel lebt, hatte sich eingebracht, um den jungen Leuten auch die mexikanische Küche näherzubringen.
Überhaupt scheint die Flexibilität ein Geheimnis dieser beispielhaften Jugendarbeit zu sein. "Jeder kann immer neue Ideen einbringen", sagt eine junge Frau. "Und die Mischung von Alt und Jung ist gut", meint Teenager Hannah Britz. Paul und Lisa gäben die Infrastruktur, aber es gebe für alles und jeden einen Platz.
Auch für den Zeitgeist. Einerseits werden Traditionen gepflegt, aber die Mitglieder nutzen auch das Internet. Etwa um Einladungen per E-Mail zu verschicken, per Homepage oder in einer Facebook-Gruppe zu informieren oder um Lan-Parties zu veranstalten. Die Gemeinde hat dem Verein längst einen Platz eingeräumt: einen Jugendtreff im Gemeindehaus, der frei verwaltet werden kann.
Warum engagieren sich so viele Kaseler in diesem Verein? "Der Jugendring gibt Halt auf dem ganzen Lebensweg", meint Alexandra Heintz. Neben ihr sitzt Tochter Anna-Lena und hört aufmerksam zu. Sie ist noch voller Erinnerungen an die Ferienfreizeit 2011 in Holland. Wie einst die Mama. kat
Weiter Informationen: www. jugendring-kasel.de