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Der Ferne Osten im Biewerbachtal: Japaner besuchen Grundschule

Der Ferne Osten im Biewerbachtal: Japaner besuchen Grundschule

Trotz der Ergebnisse der letzten Pisa-Studien ist gerade das deutsche Bildungssystem für Japaner ein großes Vorbild. Deshalb bereist zurzeit eine Abordnung von Mitgliedern einer Non-Profit-Organisation aus Japan die Region und besucht verschiedene Schulformen.

Trier. Der Klassenrat der 3a ist mitten in einer hitzigen Debatte: Was tun, wenn man von anderen geärgert wird? Alle Schüler haben zum Thema etwas zu sagen. Beobachtet werden sie dabei von dem vermutlich exotischstem Besuch ihrer Schulkarriere. Vier Mitglieder der Non-Profit-Organisation The Association of International Education Studies (AIES) sind zu Gast in der Grundschule am Biewerbach Trier.
Rektorin Anja Orth führt die Delegation durch ihre Schule und erläutert das vielfältige Bildungsangebot. "Wir haben gerade diese Schule ausgewählt, weil sie sehr viele Elemente des Bildungssystems repräsentiert", sagt Julia Koch, Schulrätin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier und verantwortlich für die Grundschulen der Stadt. Die Grundschule am Biewerbach ist nicht nur Ganztagsschule, sondern auch Schwerpunktschule und Modellschule für das Lernen über und mit Demokratie.
Nach dem Besuch in den Klassen geht es für den Besuch aus Fernost in die Turnhalle der Schule. Dort halten die Schüler ihre monatliche Kinderkonferenz ab, ein Forum, in dem die Kinder alle Probleme des Schulalltags besprechen können. Gebannt schauen die Delegierten zu und machen eifrig Notizen. Denn diese Möglichkeit der Mitbestimmung durch die Schüler kennen sie so aus ihren heimischen Schulen nicht. "Die Asiaten kommen von dem Drill, der das Schulsystem bislang prägte, so langsam ein bisschen ab und suchen im Ausland nach Alternativen", erläutert Richard Deiss, Abgeordneter der EU-Kommission für Bildung und Kultur, der den Besuch ermöglichte. Deshalb seien die Japaner an ihn herangetreten, um deutsche Schulen und ihr Angebot vor Ort inspizieren zu können.
Zuvor besuchte die Delegation bereits die Universität Trier, um sich über die Ausbildung von Lehrern zu informieren. Weitere Stationen des Besuchs in der Region sind die Realschule plus in Schweich, das Auguste-Victoria-Gymnasium Trier und die Berufsbildende Schule in Trier. "Indem wir verschiedene Schulformen präsentieren, hoffen wir, den Japanern ein möglichst umfassendes Bild vom deutschen Schulsystem geben zu können", sagt Deiss. Ein Gegenbesuch mit gleicher Zielsetzung sei allerdings nicht geplant: "Dazu sind die kulturellen Unterschiede für uns doch zu groß." Man verlasse sich für die Beurteilung des japanischen Schulsystems lieber auf wissenschaftliche Studien zum Thema. lbe