Der Herr der Welten

Figuren bemalen, Spielfelder entwerfen, Strategien austüfteln: Das ist die Welt von Ulf Stephan, der sich für Tabletop-Spiele begeistert: Strategieabenteuer, die auf dem Brett oder gleich dem ganzen Tisch gespielt werden. Der 29-Jährige hat sein Hobby zum Beruf gemacht und führt den "Games-Workshop"-Laden in Trier.

Trier. Ulf Stephan liebt sein Hobby, Tabletop-Strategiespiele, auch wenn die dazu nötigen Würfel nicht immer auf seiner Seite sind: "Ich würfele total mies. Wenn meine Freunde spielen und jemand eine schlechte Zahl würfelt, dann heißt es: ,Ich hab \'nen Ulf gewürfelt\'", erzählt er lachend.
Zum Glück für Ulf Stephan wird der Spielverlauf bei weitem nicht nur dem Zufall überlassen: Vor allem Kreativität und Taktik sind wichtige Faktoren bei den Rollenspielen. Bei diesen werden Miniaturfiguren über eine große Spielfläche bewegt, die oft direkt auf eine Tischplatte gebaut wird, und die alles darstellen kann von weiten Schneelandschaften bis zu futuristischen Gebäuden.
Anleitungsbücher erläutern dazu die Fähigkeiten der einzelnen Figuren und beschreiben detailliert die Fantasiewelt, in der das Spiel abläuft. Das kann auch das Universum von "Herr der Ringe" sein.
Während also die Spielregeln durch die Autoren festgelegt sind, kann die oft direkt auf eine Tischplatte gebaute Spielfläche und jede Figur darauf von Gandalf bis Gimli selber gestaltet werden - mit aller kreativen Freiheit: "Theoretisch könnte man Gandalf gelb mit lila Herzen bemalen, wenn man das möchte", sagt Stephan.
Wer genug Figuren zusammenhat, kann mit dem Spielen loslegen. Dabei ziehen die Teilnehmer mit ihren Figuren durch die Modellwelt - in der der Ausgang wichtiger Ereignisse wie Kämpfe mit Monstern oft vom Würfelglück abhängt.
Besser als Eisenbahn



Die Miniaturfiguren mit winzigen Pinselstrichen zu bemalen, erfordert Geschick und Geduld und macht Ulf Stephan Spaß: Schmunzelnd erinnert er sich, wie er als Zwölfjähriger seine erste Figur bemalte - und sie anschließend entfärbte und neu gestaltete.
Die Bastelei kennt er von zu Hause. "Mein Vater und mein Opa hatten früher eine Eisenbahn und haben gerne an ihren Platten gebaut." Die ewigen Runden im Kreis gefielen Ulf Stephan jedoch nicht auf Dauer. Als er mit zwölf Jahren bei Bekannten auf Tabletop-Strategiespiele aufmerksam wurde, gefielen sie dem Fantasy- und Science-Fiction-Fan auf Anhieb. "Das Zusammenspiel aus Kreativität, Strategie, Fantasie und Spielspaß ist genau das Richtige für mich."
Ulf Stephan schätzt die Tabletop-Spiele aber auch, weil sie Kontakt zu anderen Menschen bedeuten: "Es handelt sich um ein sehr kommunikatives Hobby, man lernt immer wieder ganz verschiedene Menschen kennen."
2009 ergab sich für ihn die Gelegenheit, auch beruflich auf Tabletop-Strategiespiele zu setzen: In seinem kleinen Laden in der Treviris-Passage betreut er neue Kunden, hilft ihnen bei ihren ersten Bemalungen und begleitet die Spiele, die im Laden an den riesigen Tischplatten ausgetragen werden. So lebt Ulf Stephan seinen Traum - trotz des fehlenden Würfelglücks.