Der "Idiotentest"

TRIER. Sie soll extrem schwer sein, 80 Prozent der Kandidaten fallen angeblich durch: Über die medizinisch-psychologische Untersuchung, besser bekannt als "Idiotentest", kursieren die wildesten Gerüchte. Was ist dran? TV-Mitarbeiterin Alexandra Kießling hat sich dem Test im Selbstversuch gestellt.

Psychologen fordern die Prüflinge auf, Glaskugeln zu stapeln. Und wer kurz zuckt, ist schon durchgefallen: So lautet eins der vielen Gerüchte über die medizinisch-psychologische Untersuchung, kurz MPU. Glaskugeln könne man schließlich nicht stapeln. Ja, das sehe ich ein. Auch, das angeblich kaum einer den Test direkt besteht, ist mir zu Ohren gekommen. "Alles Quatsch", sagt Ulrich Wetzels, Psychologe des medizinisch-psychologischen Instituts des Tüvs Rheinland-Pfalz. Psychotricks gebe es keine, und auch eine immens hohe Durchfallquote sei ein Gerücht. "45 Prozent der Kandidaten bestehen die MPU direkt, und 15 Prozent müssen zu einer Nachschulung gehen, aber die MPU nicht noch mal machen. Nur 40 Prozent bekommen ein negatives Gutachten", berichtigt Wetzels die Zahlen. Berüchtigter Leistungstest

Wetzels nimmt den Test mitunter in Trier ab. Er führt die psychologischen Gespräche, die, zusammen mit dem berüchtigten Leistungstest, die psychologische Komponente der MPU bilden. Die medizinische Untersuchung findet beim Arzt statt. Mit mir führt Wetzels ein Informationsgespräch, schließlich bin ich nur zu Testzwecken hier. Mein Führerschein ist mir heilig, alkoholisiert setze ich mich nicht ans Steuer. Schon gar nicht 600 Mal. So viele Trunkenheitsfahrten kommen nämlich im Schnitt auf eine erwischte Fahrt. Pro Fahrer! Meistens sind es Alkoholsünder, die den Weg zum MPU-Psychologen finden. "53 Prozent der Kunden sind alkoholisiert am Steuer erwischt worden, bei 17 Prozent waren Drogen im Spiel, und zwölf Prozent sind im Verkehr auffällig geworden - als Drängler beispielsweise. Der eine oder andere ist auch da, weil er bei einer misslungenen Führerscheinprüfung den Prüfer angegriffen hat. Aber das kommt eher selten vor", berichtet der Psychologe. Auf geht's. Meinen Führerschein habe ich vorsichtshalber ein bisschen tiefer in die Tasche gepackt. Ragnar Preut, der den Test mit mir durchführt, kann über meine Ängste nur lachen. "Das ist gar nicht so schwer. Sie schaffen das schon", ermutigt er mich. Preut führt mich in ein kleines Zimmer, in dem sich nichts befindet außer einem alten, dunklen Tisch und einem Computer. Anstatt einer Tastatur bekomme ich einen Kasten vorgesetzt, auf dem sechs Knöpfe sind. Vier blaue und zwei graue. Damit gebe ich an, in welche Richtung die Pfeile zeigen, die nun ohne Unterlass auf dem Bildschirm erscheinen. 128 an der Zahl. Einmal verdrücke ich mich, 100 Prozent mache ich in der ersten Runde nicht. Dafür glänze ich im zweiten Test. Diesmal erscheinen die Pfeile nicht mittig auf dem Schirm, sondern mal hier, mal da. Gegen die Uhr drücke also auch ich mal hier, mal da. Meine Zeit ist gut. Ich schöpfe Mut.Karriere als LKW-Fahrerin bleibt ungefährdet

Test drei muss ich machen, weil es den Führerschein Klasse drei zu verteidigen gilt. Für die B-Klasse, mit der man keine 7,5-Tonner und keine Anhänger fahren darf, reichen die beiden ersten Tests. Um meine Karriere als "Lasterfahrerin" nicht zu gefährden, drücke ich mich also auch durch die dritte Runde. Der Test ist deutlich verzwickter. Nicht schwer, aber ich muss mich mehr konzentrieren als zuvor. Es gilt, zunächst die Pfeilrichtung zu bestimmen, und danach anzuzeigen, auf welcher Seite des Bildschirms ein zusätzlich aufblinkendes Kreuz zu sehen ist. Da verdrückt man sich schon mal, schließlich geht das Ganze auch noch auf Zeit. Aber - olé, olé! - auch diesen Test schaffe ich, und das gar nicht mal schlecht. Yippieh, ich habe die MPU bestanden! Ob ich stolz sein soll, weiß ich nicht. Schwer war es nicht gerade. Keiner ist mir mit Glaskugeln-Stapeln oder ähnlichen Psychotricks gekommen. Wer weiß, ob ich da nicht gezuckt hätte...