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Der Igeler Heimatverein Agulia gibt das Heft Säulenpost heraus

Geschichte : Ein Magazin über Igel und vieles mehr: Das macht der Verein Agulia

Der Igeler Heimatverein ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Seit 2019 gibt er die „Säulenpost“ heraus – ein Heft, das das Wissen über den Ort bewahren soll.

Wer neugierig durch sein Dorf oder sein Viertel spaziert, wird sich wohl viele Fragen stellen. Woher kommen eigentlich die Namen der Straßen? Wie sah es hier früher aus? Wie hat das Dorf die beiden Weltkriege erlebt?

Die meisten Antworten können heute nur noch wenige Zeitzeugen und Historiker geben. Die Mitglieder des Igeler Heimat- und Kulturvereins Agulia haben es sich zur Aufgabe gemacht, solches Wissen zu sammeln und aufzubereiten.

In ihrem kleinen Archiv im Igeler Gemeindehaus stapeln sich Ordner und Boxen mit alten Dokumenten. Es sind Zeitungsartikel, Fotos, Broschüren. „Die Leute haben auch noch Material, das sie aus dem Keller oder privaten Archiven zur Verfügung stellen und dann auch mit persönlichen Erinnerungen untermalen“, sagt Renate Mertesdorf, die sich seit zehn Jahren im Heimatverein engagiert. „Diese Zeitzeugen, die wird es irgendwann nicht mehr geben. Und dann geht dieses Gut verloren.“

Das möchte der Verein verhindern. Dazu gibt er einmal im Jahr ein kostenloses Magazin heraus, das die Geschichte des rund 2000 Einwohner großen Dorfes beleuchtet.

Nach den Jahren 2019 und 2020 ist im Juni die dritte Ausgabe der „Säulenpost“ erschienen. Auf 48 Hochglanz-Seiten wird darin unter anderem erklärt, was der französische Schriftsteller Victor Hugo mit der Igeler Säule zu tun hat, wie der Igeler Bahnhof die Entwicklung des Ortes beeinflusst hat und welche römischen Grabmäler es eigentlich neben der Igeler Säule noch an der Römerstraße gibt.

Die Texte darin stammen teils von Igeler Bürgern, aber auch Experten etwa vom Rheinischen Landesmuseum und der Stiftung Westwall haben ihr Wissen beigesteuert.  „Diese Mischung ist mir sehr wichtig“, sagt Daniel Karl. Er ist eines von drei Vorstandsmitgliedern des Vereins.

Auch die Igeler scheinen die Mischung zu schätzen. Mittlerweile würden Menschen schon regelmäßig nach der neuen Säulenpost fragen, sagt Renate Mertesdorf. „Als ich die Säulenpost verteilt habe, setzten sich die Leute sofort hing, fingen an zu blättern und waren sofort fasziniert. Insofern können wir, glaube ich, stolz sein“, sagt sie.

Das schlägt sich auch in den Mitgliederzahlen des Vereins Agulia nieder, der in diesem Jahr sein 60-jähriges Jubiläum feiert. In den letzten zehn Jahren hat sie sich fast verdoppelt, mittlerweile sind es 196 engagierte Menschen.

So konnte sich der Heimatverein neuen Aufgaben widmen. Vor einigen Jahren hat er eine Archäologin beauftragt, mehr als tausend Funde rund um das Grutenhäuschen zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen bald veröffentlicht werden. Vor Corona hat er auch regelmäßig Veranstaltungen organisiert – Vorträge, Wanderungen, Führungen. „Was der Verein tatsächlich tut, hängt sehr stark von den Personen ab, die das Vereinsgeschehen prägen“, sagt Daniel Karl.

Als etwa Renate Mertesdorf vor zehn Jahren dazustieß, wollte sie sich gerne um all die zugewucherten Pfade rund um Igel kümmern – die „Arbeitsgruppe Wanderwege“ entstand. Mittlerweile kann sie sich auch für die historische Arbeit des Vereins begeistern: „Ich hätte nie für möglich gehalten, dass mich das mal interessiert. Aber Sie glauben nicht, wie interessant das ist und wie ich das lieben gelernt habe“, sagt sie.

Seit Juni renoviert die Arbeitsgruppe das Tretbecken am Mosel­ufer. Auch das ist nur möglich dank eines Architekten im Verein – und dank Menschen, die ihre Zeit opfern. Mertesdorf schätzt, dass acht bis zehn Männer schon jeweils 60 Stunden an dem Tretbecken gearbeitet haben.

Das schnelle Wachstum von Agulia zeigt das große Bedürfnis der Igeler, ihren Ort zu pflegen und ihre Geschichte zu bewahren. Alles, was es dazu brauchte, war ein Verein, der die Bemühungen koordiniert und Experten aus verschiedenen Bereichen zusammenbringt.

In dem Archivschrank des Vereins ist übrigens ein ganzes Fach gefüllt mit noch leeren Boxen. „Wir haben noch viel vor“, sagt Daniel Karl. Auch die vierte Ausgabe der Säulenpost möchte ja gefüllt werden.