Der kranke Dickdarm

Divertikel sind Ausstülpungen des Darms, die dort an fast allen Stellen vorkommen können. Sicherlich am häufigsten sind sie im Bereich des Dickdarms. Fünf bis zehn Prozent der über 45-Jährigen und fast 80 Prozent der über 85-Jährigen in der westlichen Welt haben diese Ausstülpungen am Dickdarm.

Hier kommen Divertikel vorwiegend am linksseitigen Dickdarm vor, dem so genannten Sigma. Dieser Darmteil ist im linken Unterbauch lokalisiert und in 90 Prozent der Fälle mit befallen und in 50 Prozent alleine betroffen. In asiatischen Ländern und in Afrika ist mehrheitlich die rechte Dickdarmhälfte befallen. Die Krankheit ist dort aber wesentlich seltener als in der westlichen Welt. In Japan hat die Häufigkeit der Divertikulitis zugenommen, seit man sich den westlichen Ernährungsgewohnheiten angenähert hat. Dies zeigt, dass diese Erkrankung offensichtlich mit faserarmer Ernährung zusammenhängt. Erhöhte Fettzufuhr und rotes Fleisch steigern das Risiko dieser Erkrankung. Vegetarier erkranken wesentlich weniger häufig als Fleischesser. Obwohl weit mehr als die Hälfte der älteren Bevölkerung Divertikel aufweist, erkranken nur etwa zehn bis 20 Prozent davon tatsächlich an den Divertikeln. Divertikel alleine sind keine Erkrankung. Aber Divertikel können sich entzünden, sie können bluten, und sie können platzen (perforieren in der Fachsprache). Typischerweise treten dann plötzlich Schmerzen im linken Unterbauch auf - wie bei einer "Blinddarmentzündung auf der falschen Seite". Dies kommt von der häufigen Lokalisation der Divertikel im Sigma, das ja im linken Unterbauch platziert ist. Manchmal werden die Schmerzen begleitet von Krämpfen, Durchfall oder Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen und auch von Fieber. Die Diagnose wird mit Hilfe von Ultraschalluntersuchung, Computertomographie und eventuell einem Einlauf mit Kontrastmittel im Röntgen gesichert. Falls es sich um eine einfache Entzündung handelt, die einmalig auftritt, kann man diese mit Ruhe, flüssiger Diät, Antibiotika und Kühlung behandeln. Wenn aber die Divertikel durchgebrochen sind oder sich ein Abszess gebildet hat, muss man operieren, um den betroffenen Dickdarmanteil zu entfernen. Hierzu bietet sich in erster Linie die minimal-invasive laparoskopische Operationstechnik - die so genannte "Schlüsselloch-Chirurgie" - an, bei der man mit Hilfe von langen Instrumenten und kleinen Öffnungen der Bauchdecke mit einem Kamerasystem im Bauch operiert. Das ist weniger belastend und kosmetisch vorteilhafter für die Patienten. Ist es jedoch zu einer Bauchfellentzündung gekommen oder sind große Abszesse vorhanden, muss die offene Chirurgie helfen. In seltenen Fällen muss sogar ein künstlicher Ausgang angelegt werden. Um diesen Notfällen vorzubeugen, sollte man sich bei wiederkehrenden Entzündungen zu einer minimal-invasiven Operation entschließen. Privat-Dozent Dr. Detlef Ockert, Trier, Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier