Der Kreativen Kleider

TRIER. Mit einer starken Schau auf durchgängig hohem Niveau begeisterten Studierende und Diplomanden des Fachbereichs Modedesign der Fachhochschule Trier ihre Gäste in der Abtei St. Maximin. Ein starker Akzent lag auf kostüm- und kulturhistorischen Themen.

Schon im ersten Teil der Modenschau konnten die Zuschauer im Anblick ästhetischer und teils opulenter Bilder schwelgen. Studierende vom ersten bis zum siebten Semester machten dem Ruf der Fachhochschule als Talentschmiede alle Ehre. Buchstäblich glänzend war der Auftritt der Erstsemester mit experimentellen Lackleder-Kreationen in Rot, Violett und Gold, die viel Gespür für Struktur und Spannung bewiesen. Es folgten viele andere reizvolle Themen, drei Höhepunkte stachen jedoch besonders hervor: einmal die unter Regie von Professor Jo Meurer entstandenen Arbeiten zum Thema "Renaissance Urbaine" mit innovativer Herrenmode aus Tweed, Cord, Strick und Jeans, die das Bedürfnis des modernen Stadtmenschen nach einer natürlichen Hülle gelungen umsetzte. Dann das prächtige Ethno-Thema "Reise um die Welt", konzipiert und künstlerisch betreut von Professor Uta Kimling-Greno. "Das ist Kunst", raunte es im Publikum angesichts der warmfarbigen, ausgefallenen Strickmode, die Einflüsse aus den Volkstrachten von Andalusien bis Tibet verarbeitete. Brandender Applaus war der Lohn für die herausragende Arbeit des vierten Semesters. Nicht minder gut kamen die prachtvollen Ballroben des dritten Semesters an, die mit frischen Zuckergussfarben glamourösen Glanz verströmten. Nach der Pause folgten neun Abschlusskollektionen, die sich wie "Tibet Project" von Arlen Yuni mit weltpolitischen oder historischen Themen befassten. Für "Arcadia", Drama von Tom Stoppard, setzte Yvonne Stuff Kostümformen aus dem 18. Jahrhundert um. Zur neueren Geschichte der Beziehung zwischen Polen und Deutschland zeigte Judith Krüger untereinander zu verbindende Kleider. Für Furore sorgte Julia Weinstock mit "Allerleilust", einer Kulturgeschichte der Erotik. Sie beschickte den Laufsteg mit giftgrün-transparent gekleideten Undinen und latex-lackledernen Dominas. Einen Bogen vom Mittelalter zur Neuzeit spannte Felix Weber mit "Zwischen Stühlen Vogelfreie", authentischen Kostümen für eine Bardengruppe und modernen Interpretationen der Marketenderin aus Ledermiedern und transparenten Röcken. Zu den ästhetischen Höhepunkten gehörte neben Ina Carla Ciernaks romantischen Kreationen "Flower Faeries" (Blumenschönheiten) Lin Jun-Lis Kollektion zum Thema "Antonio Gaudi". Gekonnt setzte sie die organischen Formen seiner Architektur in sensible Farbgebung (grau, türkis, rosa, grün) und raffinierte Materialkontraste um: Filzflächen, gehalten von filigranen Schnüren aus Muschelplättchen, weicher Chiffon unter Patchwork aus Leder und Filz. Schräge Ideen brachten Ma Yan mit "Unterwegs", Kleidung mobiler Menschen von heute mit intergriertem Mundschutz und Sandra Buch mit Schausteller-Mode aus Fahrchips und Leder. Zum furiosen Finale honorierte das Publikum die hochkarätige Schau mit großem Beifall.