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Der Kurfürst muss 2009 vom Sockel

Der Kurfürst muss 2009 vom Sockel

Der Denkmalrettungs-Verein Trier-Gesellschaft und die Stadt erneuern 2009 gemeinsam den maroden Balduin-Brunnen. Ungefähr ein Fünftel der Baukosten von rund 300 000 Euro muss noch über Spenden finanziert werden.

Trier. Das hätte gut gepasst: Im Jubiläums-Jahr 2008 endlich wieder ein intakter Balduin-Brunnen. Doch aus den Plänen der Trier-Gesellschaft, 700 Jahre nach Balduins Amtsantritt als Erzbischof das marode Denkmal zu restaurieren und instand zu setzen, wurde nichts.

Gerüchteweise, weil Kompetenzgerangel zwischen Baudezernat und dem privaten Denkmalrettungs-Verein eine Einigung verhinderte. Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani widerspricht: "Es waren einfach noch zu viele Details zu klären." Und Gert Burscheid, Vorsitzender der Trier-Gesellschaft, die der Stadt mit dem Frankenturm schon einmal einen gewaltigen Sanierungs-Brocken aus dem Weg geschafft hat, äußert sich diplomatisch: "Wir haben jetzt eine Einigung erzielt und ein Konzept, und das ist es doch, was zählt." Auch wenn gut Ding damit noch mehr Weile braucht.

Aber irgendwie passt auch das. Bei Balduin (1285 bis 1354) hat schon so manches etwas länger gedauert. Etwa sein Amtszeit. 46 Jahre lang regierte der gebürtige Luxemburger den Trierer Kirchenstaat klug und mit Weitsicht. Oder eine Dienstreise nach Koblenz, die etwas aus der Zeitplanung geriet, weil Gräfin Loretta von Sponheim sein Schiff überfiel und ihn neun Monate lange auf ihrer Starkenburg festsetzte. Und als die Trierer ihrer bedeutendsten Mittelalter-Persönlichkeit 1897 einen imposanten Brunnen widmeten, gab es bei der Einweihung statt "Hurra"-Rufen erst mal lange Gesichter.

Die lebensgroße Bronze-Figur stand zunächst auf dem Trockenen, weil niemand auf die Idee gekommen war, die Stadtwerke mit einzubeziehen. 111 Jahre können nur noch ältere Trierer von sich behaupten, den Balduin-Brunnen jemals in Wasserspender-Aktion erlebt zu haben. Seit Jahren gammelt die ganze Brunnenanlage am Zusammentreffen von Ost- und Theodor-Heuss-Allee vor sich hin. Ein Missstand an einer exponierten Stelle im Stadtgebiet. Doch der gehört nun offenbar wirklich bald der Vergangenheit an, weil sich Stadt und Trier-Gesellschaft auf eine gemeinsame Linie verständigen konnten.

Der Unterschied zu dem ursprünglichen Rettungsvorhaben des Vereins: Die Planungsverantwortung und Bauherrschaft bleibt, anders als beim Frankenturm-Projekt, bei der Stadt. Im Frühjahr wird der Brunnen komplett auseinander genommen, um zunächst die einzelnen Bestandteile zu reinigen. Erst dann, so Denkmalamts-Chefin Angelika Meyer, lasse sich der Umfang der Schäden ermessen. Fest steht aber bereits, dass die aus Kriegszeiten stammenden Einschüsse in der Bronzestatue "dicht gemacht" werden. Die Komplett-Demontage ist auch vonnöten, um den Unterbau zu stabilisieren: Im Bereich des ehemaligen Feuerlösch-Teichs aus den frühen 40er Jahren hat sich das Brunnen-Fundament gesenkt. Voraussichtlich 300 000 Euro wird es kosten, den historischen Brunnen zu erneuern. Der Trier-Gesellschaft fällt insbesondere die Aufgabe zu, die Finanzierung zu sichern. Rund 240 000 Euro (von Stadt, Bund, Land und aus Vereinsmitteln) sind bereits vorhanden. Der Rest soll aus Spenden zusammen kommen.

Denkmalrettungs-Verein bittet um Spenden



Die Trier-Gesellschaft bittet per Rundschreiben ihre fast 400 Mitglieder um Unterstützung."Aber auch jeder andere kann sich gerne mit einem Beitrag beteiligen", betont Schatzmeister Karlheinz Scheurer. (Steuerlich abzugsfähige) Spenden werden erbeten auf das Trier-Gesellschafts-Konto bei der Sparkasse Trier (Nummer 468033, BLZ 585550130), Verwendungszweck: "Spende Balduin-Brunnen".

"Im Oktober" soll der runderneuerte Brunnen stehen. Zur Feier der Wiedereinweihung wollen Olewiger Winzer statt Wasser Wein fließen lassen.