Der lange Weg zu einer Welt für alle

Der lange Weg zu einer Welt für alle

Die Stadt Trier soll barrierefrei werden. Das ist die Vision, die sich hinter dem sperrigen Begriff Inklusion verbirgt: Jeder Mensch hat Zugang zu allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Ein Aktionsplan soll den Weg bereiten.

Trier. Das Busunternehmen hatte eine nette Idee: Auf einer der Linien wurde die unpersönliche Computerstimme, die bislang die Haltestellen ansagte, durch eine Kinderstimme ersetzt. Keine Freude daran hatten die sehbehinderten Kunden. "Die konnten fortan nicht mehr zwischen den Stimmen der Schüler im Bus und der Ansage unterscheiden", sagt Uta Hemmerich-Bukowski, die im Auftrag des Stadtrats gemeinsam mit dem Behindertenbeirat der Stadt Trier das Thema Inklusion voranbringt. Mehr als 300 Akteure aus allen Bereichen der Gesellschaft und des öffentlichen Lebens haben seit Mai 2015 regelmäßig in sieben Arbeitsgruppen darüber diskutiert, wie ein Aktionsplan Inklusion aussehen kann. 134 konkrete Ideen für Maßnahmen sind dabei formuliert worden. Über jede einzelne und die konkreten Vorschläge für deren Umsetzung kann ab sofort diskutiert werden (siehe Extra). "Wir hoffen, dass viele Trierer sich das im Internet ansehen", sagt Hemmerich-Bukowski. Danach werden sich die Arbeitsgruppen erneut treffen und den Entwurf für den Aktionsplan fertigstellen. Schlüssel Kommunikation

Es geht um Barrierefreiheit und Kommunikation, vor allem aber um ein grundsätzliches Umdenken: Wie muss eine Welt aussehen, damit alle teilhaben können? Das bedeutet viel mehr als behindertengerechte Zugänge zu Rathaus, Theater oder Museen. Es geht zum Beispiel auch darum, dass Hörgeschädigte problemlos Vortragsveranstaltungen besuchen oder Formulare der Stadtverwaltung so verfasst sind, dass sie ohne gymnasiale Vorbildung zu verstehen sind. Uta Hemmerich-Bukowski formuliert das anspruchsvolle Ziel: "In einer inklusiven Stadt Trier ist es nicht mehr notwendig, Menschen oder Bevölkerungsgruppen zu integrieren, weil die Voraussetzungen das gar nicht mehr nötig machen." Sie weiß, dass der Weg dorthin noch weit ist. "Aber alleine durch die Teilnahme so vieler Menschen aus allen Bereichen an der bisherigen Diskussion sind wir schon vorangekommen", ist sie überzeugt. So sei sie zum Beispiel überrascht gewesen, wie viele Abteilungen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung sich einbringen wollten. "Das Thema ist angekommen und nicht alle Maßnahmen kosten Geld. Da geht es auch darum, Haltung zu entwickeln."Großveranstaltungen wie die Nero-Austellung (14. Mai bis 16. Oktober) oder die Vorbereitung der Special Olympics, zu der 2017 mehr als 1300 körperlich oder geistig beeinträchtigte Sportler nach Trier kommen werden, seien zudem ideal, um Theorie und Praxis zu verknüpfen. "Es gibt viel guten Willen. Bei allen Vorhaben ist es auch wichtig, mit den Betroffenen zu sprechen", empfiehlt Uta Hemmerich-Bukowski. Auf die gut gemeinte Idee der Kinderstimme als Busansage hätte das Busunternehmen dann vielleicht verzichtet. Dank Aktionsplan Inklusion soll so etwas in Zukunft nicht mehr passieren. Extra

Alle Menschen sollen gemeinsam in der Stadt Trier leben können. Auch Menschen mit Behinderung sollen überall mitmachen können. Die Stadt Trier macht einen Plan. Das schwere Wort heißt: Aktions-Plan Inklusion. Viele Bürger, Verbände und Vereine machen mit. Sie treffen sich in Arbeits-Gruppen. Dabei überlegen sie: Was kann besser gemacht werden für Menschen mit Behinderung? Die Arbeits-Gruppen arbeiten an verschiedenen Bereichen. Ihre Ideen kann sich jetzt jeder im Internet ansehen und bewerten. Danach wird ein Entwurf für den Aktions-Plan gemacht. Über diesen Entwurf soll der Stadtrat abstimmen. Das passiert im nächsten Sommer. red Extra

Bis zum 6. März können sich alle Menschen in Trier an der Diskussion der Vorschläge für das Inklusionskonzept beteiligen. Auf der Internetseite trier-mitgestalten.de werden die Maßnahmen vorgestellt. Es ist möglich, die Vorschläge zu kommentieren und auf einer Skala zwischen 1 und 5 zu bewerten, wie wichtig jeder einzelne ist. Die Ergebnisse werden ab 17. März von den Arbeitsgruppen aufgegriffen und diskutiert. r.n. trier-mitgestalten.de