Der letzte Akt eines 20-Millionen-Projekts

Der letzte Akt eines 20-Millionen-Projekts

Die Umnutzung der alten Reichsbahndirektion steht vor dem Abschluss: Im Herbst zieht die Staatsanwaltschaft in Triers größtes Bürogebäude (10 000 Quadratmeter Nutzfläche). Ihre ursprünglichen Wohnungsbaupläne lässt die Triwo AG, die den Komplex 2006 von der Bahn gekauft hat, fallen.

Trier. Gut Ding will Weile haben. 2003 nahm Triwo-Vorstand Peter Adrian, damals 46, Verhandlungen mit der Bundeseisenbahn-Vermögensgesellschaft über den Kauf der ehemaligen Reichsbahndirektion auf. 2006 ging der Immobiliendeal über die Bühne. Binnen zwei Jahren, so kündigte Adrian damals an, werde er den tristen Verwaltungsklotz auf Vordermann bringen. 8500 Quadratmeter moderne Büroflächen und 15 Luxuswohnungen wollte er schaffen.

Neue Treppenhäuser und Aufzüge sind schon da



Doch da spielte die Denkmalpflege nicht mit. Sie wehrte sich gegen die Dacheinschnitte, die Adrian zwecks Wohnungsbaus in dem historischen Gemäuer plante. Mitte 2009 entschied das Verwaltungsgericht, die Triwo darf bauen. Und die Denkmalpflege verzichtete auf die Revision vor dem Oberverwaltungsgericht.

Im Nachhinein betrachtet hätten sich beide Seiten die anderthalb Jahre dauernde juristische Auseinandersetzung sparen können. Mit der Staatsanwaltschaft Trier hat die Triwo nun einen Mieter, der es ihr leicht macht, die Wohnungsbaupläne zu den Akten zu legen. Die Anklagebehörde wird in den Obergeschossen drei und vier insgesamt rund 3100 Quadratmeter belegen. Hinzu kommen 550 Quadratmeter Kellerräume für Archiv-Zwecke. Nachbarn in der Ex-Bahndirektion sind unter anderem das Mehrgenerationenhaus und die SPD-Regionalgeschäftsstelle.

Acht Jahre nach den ersten Verhandlungen mit der Bahn ist endlich das Ende der Umnutzung der 1922/25 erbauten einstigen Direktion in Sicht. "Jetzt geht es relativ schnell", kündigt Adrian, der am 20. Februar 54 wird, an. Nachdem in den vergangenen Monaten bereits neue Treppenhäuser und Aufzüge eingebaut worden sind und in einem der Innenhöfe ein zweigeschossiges Parkdeck (100 Stellplätze) entstanden ist, stehen nun noch die Herrichtung der Flächen für die Staatsanwaltschaft sowie die Fassadensanierung auf dem Programm.

Meilenstein für Entwicklung des Bahnhofsviertels



Wohnungen zu bauen und die Dacheinschnitte für Terrassen und Balkone vorzunehmen würde weitaus mehr Zeit in Anspruch nehmen. Im Spätsommer sollen die letzten Bauarbeiter und Handwerker abziehen und damit ein alles in allem fast 20 Millionen Euro schweres Projekt abgeschlossen sein. Die Räume sollen ab September bezugsfertig sein.

Triers Leitender Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer (54) zeigt sich "sehr froh, dass unsere fast 100 Mitarbeiter in Zukunft angemessene Diensträume haben und wir über ausreichend Archivflächen verfügen werden. Am Irminenfreihof arbeiten wir in sehr beengten Verhältnissen." Zudem erlaube es der neue Standort, Abteilungen zusammenzufassen, die derzeit noch auf unterschiedlichen Etagen untergebracht sind.

Das Land will sein Justizgebäude am Irminenfreihof nach dem Auszug der Staatsanwaltschaft offenbar behalten. Dort ist auch das Verwaltungsgericht untergebracht. Nach TV-Informationen bekundet zudem die Fachhochschule Raum-Interesse.

Für die Entwicklung des Bahnhofsviertels ist der bevorstehende Abschluss des Bahndirektions-Projekts ein Meilenstein. Auch optisch: Der Komplex erhält einen freundlichen hellbeigen Anstrich. Der nächste Meilenstein kommt eher kleinteilig daher. Die Eröffnung der neuen Kriminaldirektion Trier in der Kürenzer Straße am morgigen Freitag ist quasi ein Vorbote des Polizeipräsidiums, das bis voraussichtlich 2013 auf dem ehemaligen Postgelände entstehen soll.