Der letzte Mann auf dem Kopf der Maria

Der letzte Mann auf dem Kopf der Maria

Der Trierer Matthias Büchel war vermutlich als Letzter auf dem Kopf der Mariensäule. Im Gespräch mit dem TV erzählt er, wie er in seiner Elektrikerlehre zwischen 1945 und 1948 mehrfach nach oben klettern musste, um die Beleuchtung zu reparieren.

Trier. "Ich bin auch ein Marienverehrer", sagt Matthias Büchel und zeigt auf eine Holzfigur der Mutter Gottes in seinem Wohnzimmer in Mariahof. "Genauso wie mein Lehrmeister Hans Göbel." Deswegen habe sich die Firma Göbel, bei der Büchel unmittelbar nach dem Krieg eine Ausbildung zum Elektriker absolvierte, auch auf eigene Kosten um die Beleuchtung auf der Mariensäule gekümmert. Anders als heute wurde die betende Maria damals auch noch von oben bestrahlt.
"Immer wenn die Säule abends nicht geleuchtet hat, wurden wir Lehrjungen am nächsten Tag da hoch geschickt", erinnert sich Büchel. Und das sei öfter vorgekommen, denn "ständig hat jemand die Kupferdrähte geklaut".
Damit ist der heute 87-Jährige wahrscheinlich der letzte Mensch, der von ganz oben - vom Kopf des 40 Meter hohen Denkmals - auf Trier schauen konnte: "Da oben hätte man Skat spielen können, aber wir waren leider immer nur zu zweit."
Allerdings war das gar nicht so ungefährlich. Den Fuß der eigentlichen Statue konnte man zwar noch über eine Wendeltreppe im Inneren des Sockels erreichen. Doch die restlichen sieben Meter mussten die Mitarbeiter über eine Stahlleiter auf dem Rücken der Maria erklimmen. Alles ohne Sicherung natürlich.
Nach seiner Lehre wechselte Büchel zur Paulinus-Druckerei, wo die Trierische Landeszeitung gedruckt wurde. Dort blieb er 18 Jahre lang. Die letzten 14 Jahre bis zu seinem Ruhestand arbeitete er bei der Saarbrücker Zeitung als Druckformhersteller.
Aber seiner Mariensäule blieb Büchel stets treu. Von seiner Wohnung in Pallien, in der er mit seiner Frau bis zu seinem 80. Lebensjahr lebte, konnte er das Monument jeden Tag bewundern.
"Hat die Maria das Jesuskind eigentlich rechts oder links auf dem Arm?", fragt Büchel am Ende. Die Lösung: Sie hat gar keins im Arm, sondern betet Richtung Stadt. hat

Mehr von Volksfreund