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Der Mann mit den roten Bäckchen

Der Mann mit den roten Bäckchen

TRIER. Für 25 Jahre im Öffentlichen Dienst hat Oberbürgermeister Helmut Schröer Ulrich Holkenbrink geehrt. "Ich habe immer Genugtuung und Freude bei meiner Arbeit empfunden", sagt Triers Kultur- und Schuldezernent.

Wie kommt es, dass ein musikfanatischer junger Wehrpflichtiger trotz bestandener Aufnahmeprüfung für das Bundeswehr-Musikcorps bei den Pionieren landet? "Das Landesjugendorchester sollte zur ersten Auslandstournee nach Israel. Als Gründungsmitglied wollte ich natürlich unbedingt mit, aber vom Musikcorps hätte ich keinen Sonderurlaub bekommen, vom Heer schon." Also ging Ulrich Holkenbrink zum Heer und schleppte schwere Minenattrappen, statt im Bund-Orchester die Saiten von Geige und Bratsche zu streichen."Ein Musterknabe war ich nicht"

Holkenbrink hat halt seinen eigenen Kopf. "Und ein Musterknabe war ich auch nicht", sagt der Kultur- und Schuldezernent. In der elften Klasse am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium sei er sogar einmal sitzen geblieben. "Aber all das hat mir immer geholfen, mich in meine Schüler hineinzudenken und ihre Sorgen und ihren Willen zu verstehen und zu respektieren", sagt er. Seine Schützlinge haben es ihm gedankt. Bei seinem Abschied vom Hindenburg-Gymnasium - wo er immerhin 18 Jahre lang Musik, Französisch und Erdkunde unterrichtete - versammelten sie sich vom Sextaner bis zum Oberprimaner heimlich in der Aula. "Und als eine Schülerin dann ,My Way' für mich sang, habe ich Rotz und Wasser geheult", erzählt Holkenbrink. "Und heute freue ich mich sehr darüber, dass meine ehemaligen Schüler nicht die Straßenseite wechseln, wenn wir uns in der Stadt begegnen." Nach Bundeswehr, Studium in Mainz, Referendarzeit am Max-Planck-Gymnasium und besagter 18 Jahre als Lehrer am HGT wechselte der Mann mit den roten Bäckchen 2002 in den Stadtvorstand. In den Stadtrat war er bereits 1994 "katapultiert" worden - im wahrsten Sinne des Wortes: CDU-Landeschef Christoph Böhr hatte ihn damals überredet, auf Platz 40 der Parteiliste zu kandidieren - weit hinten und ohne Gefahr, tatsächlich im Rat zu landen. Doch das panaschierende und kumulierende Wählervolk entschied anders. "Und dann saß ich plötzlich im Rat", sagt Holkenbrink.Politik in den Genen

Doch irgendwie scheint das Politikmachen auch eine genetische Angelegenheit zu sein, Vater Heinrich war lange rheinland-pfälzischer Verkehrsminister. Nach dem Aufstieg zum CDU-Kreisparteichef setzte sich der Lehrer Holkenbrink im November 2001 gegen den Kultur-Manager Peter Schneider durch und zog als Kulturdezernent in den Stadtvorstand ein. "Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß", sagt Holkenbrink überzeugend, grinst, wiegt gemütlich ein bisschen mit dem Oberkörper und fährt fort: "Man bräuchte natürlich viel mehr Geld, aber die Fraktionen haben mich immer gut unterstützt." Oft müsse man Menschen enttäuschen; zu vermitteln, dass die finanziellen Mittel fehlen, "ist manchmal schwer, aber ermüden kann mich das nicht." Überhaupt, der Höhepunkt seiner Amtszeit stehe noch bevor: "Dass Luxemburg Kulturhauptstadt 2007 ist, ist eine Riesenchance für die Kultur in Trier", begeistert sich Holkenbrink. Die Arbeit über Ländergrenzen hinweg - das habe ihn schon als Lehrer gepackt, "und das ist auch einer der reizvollsten Aspekte als Kulturdezernent in der Grenzstadt Trier." Und auch, wenn Holkenbrink gerne Anekdoten aus seiner Laufbahn zum Besten gibt und sich nicht scheut, Persönliches zu erzählen: Auf die Frage, ob er bei so viel Leidenschaft für schwierige Aufgaben Lust auf den großen Chefsessel in der Trierer Verwaltung hat, klappt er zu wie eine Auster: "Wer Oberbürgermeister-Kandidat wird, wird an anderer Stelle entschieden."