Der Mietspiegel spaltet

TRIER. Ein Spiegel soll die Wirklichkeit so wiedergeben wie sie ist – das gilt auch für den Mietspiegel. So weit herrscht Einigkeit zwischen der Stadt Trier und den Vertretern von Vermietern sowie Mietern. Doch die Interessenverbände halten das, was im Entwurf des neuen Trierer Mietspiegels steht, für ein Zerrbild und haben bei der Stadt Protest eingelegt.

"Hanebüchen." Dieses Wort fällt immer wieder, wenn Michael Keussen, Geschäftsführer des Haus- und Grundbesitzerverbands in Trier, über den Entwurf des neuen Trierer Mietspiegels spricht. "Eine Wohnung am Herrenweiher in Heiligkreuz soll zwölf Prozent weniger Miete kosten als eine vergleichbare Wohnung in der Niederstraße in Ehrang. Und Wohnungen mit Gas-Etagenheizungen sollen weniger wert sein als welche mit Elektro-Nachtspeicherheizungen." Hinzu komme, dass nur ein Drittel der aufgeführten Wohnungen höhere Preise aufweise als im Mietspiegel von 2001, zwei Drittel lägen dagegen niedriger. "Dass das nicht sein kann, weiß jeder Mieter: Niemand hat in den vergangenen Jahren eine Mietsenkung erhalten!"Bernarding: "Das sind Fakten"

Keussen hält die Methode des beauftragten Regensburger Instituts für problematisch und kritisiert die seiner Ansicht nach zu geringe Menge von 800 ausgewerteten Datensätzen. Das Institut hat auf der Grundlage einer repräsentativen Erhebung eine Basistabelle erstellt, in der Wohnungen nach Fläche und Alter differenziert werden. Eine zweite Tabelle führt verschiedene Merkmale auf, die den Preis nach oben oder unten verändern - darunter der Stadtbezirk oder das Heizungssystem. Beim Mieterverein (MV) in Trier teilt man die Kritik von "Haus und Grund" teilweise. Die Bewertung von Wohngegenden und Heizungssystemen hält auch MV-Rechtsberaterin Anita Merten-Traut in einigen Punkten für "nicht nachvollziehbar". Die von Keussen kritisierte Methode begrüßt sie dagegen ausdrücklich. Das System der Zu- und Abschläge sei "weitaus individueller" als die Zahlen in den früheren Mietspiegeln. Auch die laut Entwurf gesunken Mietpreise hält Merten-Traut für plausibel. "Natürlich erhält niemand eine Mietminderung. Aber Wohnungen lassen sich manchmal bei einem Wechsel nicht mehr zum gleichen Preis weitervermieten." Ursachen könnten ein schlechter Zustand oder eine veränderte Nachfrage sein. Auch der zuständige Trierer Dezernent Georg Bernarding verteidigt die Ergebnisse des Instituts: "Es ist ganz einfach so, dass das Fakten sind." Man dürfe die Kriterien nicht isoliert betrachten. So bedeute der Abschlag beim Stadtbezirk nicht zwingend, dass Heiligkreuz schlechter eingestuft sei als Ehrang. Im übrigen sei eine Veröffentlichung von Zu- oder Abschlägen für Stadtbezirke ohnehin nie geplant gewesen und dem Arbeitskreis lediglich "informationshalber" vorgelegt worden. Bernarding weist auch die Kritik Keussens zurück, seine Einwände seien bei der Präsentation des Entwurfs Mitte Januar im "Arbeitskreis Mietspiegel", der sich aus Mitgliedern von Stadtrat und Verwaltung sowie Interessenvertretern zusammensetzt, auf taube Ohren gestoßen. Ein Schreiben von "Haus und Grund" an Bernarding vom 24. Januar war zunächst unbeantwortet geblieben, wenige Tage nach einer TV-Anfrage ging jedoch ein ausführliches Antwortschreiben beim Verband ein. "Unmittelbar nach der Sitzung des Arbeitskreises", heißt es darin, habe man mit dem Institut vereinbart, einen neuen Entwurf vorzulegen. Unter anderem sollen die Zu- und Abschläge für Stadtbezirke gestrichen und die für Heizungssysteme überarbeitet werden. Neuer Entwurf

Der neue Entwurf des Mietspiegels, der ursprünglich Ende Februar erscheinen sollte und rund 60 000 Euro kostet, liegt Bernarding zufolge in Kürze vor und soll im März erneut im Arbeitskreis beraten werden. Dessen Votum geht als Empfehlung an die Stadt. Während Anita Merten-Traut vom Mieterbund signalisiert, dass sie dem Mietspiegel nach der vorgesehenen Überarbeitung zustimmen wird, ist "Haus-und-Grund"-Geschäftsführer Keussen weiter unzufrieden. Er hält an seiner Forderung nach einer grundlegenden Überarbeitung fest. "Ich kann doch nicht eine Schublade aufziehen und sie einfach schnell wieder zu machen, wenn etwas drin ist, was mir nicht gefällt. Das ist einfach hanebüchen!"