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Der Mitholer ist kein Selbstläufer: Mitfahrsystem stößt bislang nur auf wenig Resonanz

Der Mitholer ist kein Selbstläufer: Mitfahrsystem stößt bislang nur auf wenig Resonanz

An "Mitholern" mangelt es nicht, doch ein Jahr nach seinem Start verzeichnet das Mitfahrsystem der Gemeinden Longuich, Schweich und Fell kaum Nachfrager. Nun hoffen die Verantwortlichen, das rund 30 000 Euro teure Projekt doch noch zum Laufen zu bringen.

Longuich/Schweich/Fell. Bei Gerd Krewer ist noch niemand zugestiegen. Dabei ist er ein "Mitholer", es prangt auf seinem Auto deutlich sichtbar ein Aufkleber. Der signalisiert potenziellen Mitfahrern, dass Krewer sie mitnimmt - spontan und kostenfrei. "Modernes Trampen" nennt er das. Obwohl er mit seinem Fahrzeug viel unterwegs ist, verzeichnete der 51-Jährige aus Longuich bislang null Mitfahrer.
Wie ihm ergeht es fast allen der rund 40 Autofahrer, die sich bereiterklärt haben, Menschen aus Schweich, Longuich oder Fell mitzunehmen. Der "Mitholer" soll die Mobilität von Menschen erhöhen, die kein Auto besitzen - und die ansonsten ausschließlich auf das eher spärliche Angebot des Nahverkehrs angewiesen wären. Ausgestattet mit grün-orangener Stofftasche oder einem Ausweis, können sie sich an eine von neun Haltestellen postieren und darauf hoffen, dass ein "Mitholer" sie einsammelt und zufällig dasselbe Ziel hat, oder zumindest in dieselbe Richtung unterwegs ist. Um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen, müssen sich Mitfahrer und "Mitholer" registrieren, zudem wurde eine SMS-Funktionalität eingerichtet.
Das System, das vor allem mit Bundesmitteln des MORO-Programms "Regionale Daseinsfürsorge" gefördert wurde und laut den Verantwortlichen rund 30 000 Euro kostete, schien durchdacht, als es an den Start ging. Doch nach 13 Monaten Praxistest räumen Longuichs Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder und Maik Schwarnweber vom Trierer Büro für Mobilitätsberatung und Moderation ein, dass es nicht angenommen wird. Was gute Gründe haben könnte: Wer auf eine Mitfahrgelegenheit angewiesen ist, organisiert sich in den drei Gemeinden noch selbst, kann also auf Familie und Freunde bauen. Dies würde indes bedeuten, dass man von einem Bedarf ausging, der nie vorhanden war.
"Die Idee ist gut, die Umsetzung schwierig", sagt Kathrin Schlöder. Dass der "Mitholer" kein Selbstläufer werden würde, ahnte sie, dass die Resonanz so bescheiden ausfällt, eher nicht. "Vielleicht sind wir unserer Zeit auch voraus", mutmaßt Schlöder. Gerd Krewer hofft, dass sich die Nachfrage noch einstellen wird. Es gebe schließlich immer mehr ältere Menschen, die abseits der wenigen Busverbindungen nach Schweich und Trier darauf angewiesen seien, mobil zu sein.
Allerdings räumen alle unisono ein, dass Teile des Konzepts gar nicht funktionieren. So die Haltestellen-Idee: Auf gut Glück darauf hoffen, dass ein "Mitholer" ihren Weg kreuzt, ist nicht jedermanns Sache. Die Wahrscheinlichkeit, rasch mitgenommen zu werden, ist offenbar zu gering. Gar nicht erreicht wurden junge Menschen, was auch daran liegen dürfte, dass es an einer zeitgemäßen Ansprache fehlt. In sozialen Netzwerken wie Facebook ist der "Mitholer" nicht präsent, und auch die Webseite des Angebots scheint optimierbar.
Mit ein paar Veränderungen wollen Schlöder und Scharnweber das Angebot doch noch zum Laufen bringen. So sollen Pendler über die Internetpräsenz www.mitholer.de ihre regelmäßigen Strecken melden. Vielleicht bilden sich auf diese Weise ein paar Fahrgemeinschaften. Mit der Ursprungsidee des "modernen Trampens" hätte das allerding nur noch wenig gemein.Meinung

Dringend nachbessern!
Ist der "Mitholer" ein gutes Konzept, nur am falschen Ort? Sind die Initiatoren ihrer Zeit gar voraus? Bewohnern ländlicher Gebiete neue Möglichkeiten zu schaffen, auch ohne eigenes Auto mobil zu bleiben, ist richtig und wichtig! Ein vielerorts stark ausgedünnter und obendrein teurer Nahverkehr schreit geradezu nach kreativen Lösungen! Deshalb sollte man die Idee, die dem Mitfahrsystem zugrunde liegt, nicht gleich abschreiben, auch wenn der Erfolg bislang ausgeblieben ist. Offenbar wurde beim "Mitholer" aber an einem (noch?) nicht vorhandenen Bedarf vorbeigeplant, zudem hapert es erkennbar bei Marketing und Kommunikation. Dass etwa die wichtige Zielgruppe junger Menschen völlig verfehlt wurde, dürfte auch damit zu tun haben, dass es an einer direkten Ansprache fehlt. In sozialen Netzwerken wie Facebook ist der "Mitholer" nicht unterwegs, auf der wenig ansprechenden Homepage tut sich wenig. Wenn die Verantwortlichen ihr im Ansatz wegweisendes Vorhaben nicht gegen die Wand fahren wollen, müssen sie nun dringend und umfassend nachbessern! Weitere Zuschüsse, aus welchen Fördertöpfen auch immer, sollten jedoch nicht mehr fließen! Die 30 000 Euro, die bislang ausgegeben wurden, sind eine Menge Geld für ein Projekt dieser Größenordnung. trier@volksfreund.de