Der Mosel wächst ein neuer Altarm

Der Mosel wächst ein neuer Altarm

Die Stadt Trier und die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes planen, einen 800 Meter langen Streckenabschnitt der Mosel zu renaturieren. Auf einem 11,6 Hektar großen Ufergelände neben dem Sportboothafen Monaise soll eine Auenlandschaft mit Flachwasserzonen und Schilf entstehen.

Trier. Mit dem Bau der zweiten Schleusenkammer in der Trierer Mosel soll 2014 auch der Natur ein Stück von dem zurückgegeben werden, was man ihr durch den Bau der neuen Vorhäfen unter- und oberhalb der Schleuse genommen hat.
Die Stadt Trier plant in Zusammenarbeit mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, die Mosel auf einem 800 Meter langen Streckenabschnitt zu renaturieren. "Wir schaffen der Natur damit einen neuen Rückzugsort", sagt Eleonore Bernarding, Sachbearbeiterin der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Trier.
Auf einem Ufergelände zwischen der Trierer Schleuse und dem Sportboothafen Monaise soll auf einer Fläche von 11,6 Hektar, das entspricht der Größe von 16 Fußballfeldern, eine naturnahe Auenlandschaft entstehen. Darin soll ein Gewässer angelegt werden, das ähnlich wie ein Altarm über eine Strecke von 800 Metern parallel zur Mosel fließt.
Um den neuen Altarm mit Zu- und Abfluss zur Mosel soll eine Auenfläche mit Schilfgürteln und Weidenbäumen gepflanzt werden. Fische könnten das 1,5 Meter tiefe Gewässer, das über ausgedehnte Flachwasserzonen verfügen soll, zum Laichen nutzen. Jungfische fänden dort einen Rückzugsort vor Fressfeinden und der Strömung im kanalisierten Fluss. Aber auch Vögel und andere Tiere sollen in diesem Biotop einen artgerechten Lebensraum, abseits der Schifffahrt, finden. Das Infrastrukturprogramm des Bundesverkehrsministeriums fordert diese ökologische Ausgleichsmaßnahme, um den Eingriff in die Natur durch die Bauarbeiten an der Schleuse (siehe Extra) wieder gutzumachen.
Bevor die Arbeiten am Biotop jedoch beginnen können, werden auf dem Ufergelände noch die Schätze der Vergangenheit geborgen. Bereits seit 2010 gräbt das Rheinische Landesmuseum dort nach Siedlungsresten der Bronze- und Eisenzeit als auch nach Relikten eines römischen Friedhofs aus der Zeit ab 30 vor Christus. Die Stadt und das Bundesverkehrsministerium stellen hierfür jeweils 200 000 Euro zur Verfügung. Diese Projekte enden aller Voraussicht nach noch in diesem Jahr.
2014 rollen dann wieder Bagger auf das Ufergelände, um die Arbeit am Biotop aufzunehmen und das Flussbett für den Altarm auf bis zu 1,5 Meter Tiefe auszubaggern. Pflanzen und Tiere sollen das neue Areal danach möglichst von selbst erobern. Bis auf einige Initial-Bepflanzungen wird der neue Lebensraum der Natur überlassen. Die 11,6 Hektar große Fläche stellt die Stadt Trier zur Verfügung. Die Kosten von zwei Millionen Euro trägt der Bund. Spaziergänger und Naturfreunde haben allerdings nicht viel von dieser Investition. Sie können das Biotop nur von einer Aussichtsplattform am Rand aus betrachten, müssen aber draußen bleiben: Ein Zaun soll die Auenlandschaft schützen.Extra

Baumaßnahmen: Um die Leistungsfähigkeit der Moselschleuse in Trier für die Binnenschifffahrt zu steigern, die immer mehr Gütertonnen über die Mosel befördert, wird ab 2014 eine zweite Schleusenkammer gebaut. Schon jetzt werden nördlich und südlich der Schleuse neue Vorhäfen errichtet, wo Schiffe dann auf ihre Schleusung warten können. Derzeit müssen sie noch an sogenannten Dalben, das sind in den Fluss gerammte Pfähle, anlegen. Für die Vorhäfen werden 500 Meter der Uferböschung begradigt. Bäume und Buschwerk müssen senkrechten Spundwänden aus Stahlbeton weichen, wovon 1500 Kubikmeter entlang des Flusses verarbeitet werden. Schiffe werden dort frühestens aber erst 2017 anlegen, da die Vorhäfen ein Bestandteil der neuen zweiten Schleusenkammer werden. Das Bauprojekt kostet den Bund inklusive der Ausgleichsmaßnahme für das Biotop 50 Millionen Euro. cmo

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