Der Multikulti-Chor
Quotenregelung für die Verwaltung, Angebote für ältere Migranten, Überwindung der Sprachbarriere: Das sind nur einige der Wünsche für das künftige Trierer Integrationskonzept.
Trier. Wo sind sie, die Migrantenkinder, die in Schulen, Verwaltung oder der Polizei tätig sind, fragte sich Anfang 2006 Memet Kilic auf einer Podiumsdiskussion in Trier zum Thema Integration. Denn diese, dozierte damals der Vorsitzende des Bundes-Ausländerbeirats, könne ohne Teilhabe nicht funktionieren. Das gelte auch für Trier. Nötig sei ein städtisches Integrationskonzept. Kilic dürfte sich freuen: Trier will jetzt ein entsprechendes Konzept auf die Beine stellen, um die Integration von Ausländern, Spätaussiedlern und frisch Eingebürgerten zu verbessern. Den Auftakt dazu machte am vergangenen Freitag eine Startkonferenz (der TV berichtete) in den Räumen der Industrie- und Handelskammer. Oberbürgermeister Klaus Jensen sprach nach vierstündiger Diskussion den Wunsch aus, "dass das Gesagte seinen Niederschlag findet und nicht versickert" — nicht der einzige Wunsch an diesem Abend: Kilics Suche aufgreifend, forderten manche Teilnehmer eine größere Vertretung von Migranten in der Stadtverwaltung. "Es tut gut, wenn in der Mitarbeiterliste ausländische Namen auftauchen. Das müssen auch nicht Landsleute sein", merkte etwa Teilnehmer Aziz Yüksek an. Stark unterrepräsentiert seien sie in den Institutionen, merkte ein anderer an — obwohl Menschen mit "Migrationshintergrund" ein Fünftel der Einwohner Triers stellten. Andere Wünsche waren konkreter: Beratung von Migranten, ihren Alterssitz hier in Trier statt in der alten Heimat zu errichten; Nähkurse für russische Frauen; Angebote für die Rentner unter den Migranten; Wegweiser in mehreren Sprachen; Erweiterung des Altstadtfests zum interkulturellen Fest. Und neben der Idee eines "multikulturellen Chors" kam gar eine Art "Familientausch" zur Sprache: Wohnen bei Migranten — und umgekehrt. Zum besseren Kennenlernen. Eines der Probleme scheint die Sprachbarriere zu sein, wie am Ende der Veranstaltung deutlich wurde. "Wenn man die Sprache nicht perfekt beherrscht, wird man nicht wahrgenommen", sagte eine Teilnehmerin. Auch Maria de Jesus Duran Kremer, Chefin des Trierer Ausländerbeirats, forderte Änderungen. "Viele Migranten arbeiten im Schichtdienst. Sie können die Deutschkurse aus Zeitgründen nicht besuchen."´Der nächste Schritt Richtung Konzept wird die kurzfristige Bildung eines Lenkungsausschusses aus Mitgliedern von Rat, Verwaltung und Beiräten sein. Der Prozess solle öffentlich sein. "Jeder kann mitmachen", betonte Jensen.