Der Planungsdruck nimmt zu

Nach den weiterführenden Schulen haben nun auch die Trierer Grundschulen ihre Anmeldezahlen veröffentlicht. Insgesamt geht die Zahl der Schüler leicht zurück. An mehreren Schulen gibt es überraschende Einbrüche, an anderen erstaunliche Zuwächse.

Trier. Mit einer Botschaft dürfte Schuldezernentin Angelika Birk besonders froh sein: In Tarforst, wo die neu gebaute Schule aus allen Nähten platzt, sind die Anmeldezahlen deutlich gesunken. Profitiert hat allerdings nicht die von der Stadt als Alternative favorisierte Grundschule Olewig, die mit 16 Anmeldungen einen neuen Niedrigststand erreicht hat, sondern die ohnehin gut frequentierte Keune-Schule. Sie ist nun wieder die mit Abstand gefragteste Grundschule in der Stadt.
Was die Zukunft von Olewig angeht, äußert sich die Schulverwaltung sehr zurückhaltend: Zwar gebe es dort "räumliche Kapazitäten, um Schülerströme umzulenken", aber ob man dies wolle, müsse der Stadtrat "zu gegebener Zeit entscheiden". In Tarforst soll es trotz des Rückgangs für das kommende Schuljahr bei drei Klassen bleiben - aber nur als Ausnahme. Künftig, sagt das Rathaus definitiv, könnten "nur jeweils zwei erste Klassen eingeschult werden".
Für zwei Grundschulen dürften die aktuellen Zahlen ein Schlag ins Kontor gewesen sein: Bei der Martin-Schule in Trier-Nord ist ebenso ein eklatanter Schülerschwund zu verzeichnen wie bei der Ausonius-Schule in der Innenstadt. Beide haben weniger als 20 Anmeldungen - was auf Dauer die Existenz gefährden dürfte. Parallel meldet die ebenfalls zentral gelegene katholische Privat-Grundschule St. Paulin deutliche Zuwächse. Womöglich eine Abstimmung mit den Füßen.
Neben den genannten liegen auch Kürenz und Pfalzel im kritischen Bereich. Schuldezernentin Birk warnt einerseits davor, aus zurückgehenden Anmeldezahlen automatisch Prognosen für die kommenden Jahre abzuleiten. Andererseits lässt sie keinen Zweifel daran, dass "die derzeit laufende Schulentwicklungsplanung die Schülerzahlenentwicklung der nächsten Jahre in Bezug auf die Standorte berücksichtigen wird".
Schon die gedrechselte Ausdrucksweise macht deutlich, wie nervös die Politik angesichts der Brisanz des Themas ist. Oberbürgermeister Klaus Jensen hat mehrfach gemahnt, dass es ohne Grundschul-Schließungen nicht gehen wird. Doch konkretisieren müsste das seine Dezernentin - und deren grüne Parteifreunde wollen von Schließungen bislang so wenig wissen wie die CDU.
Zumindest einzelne Problemzonen scheinen sich aber zu entspannen: In Feyen, wo wenig Platz ist, kommt man auch ohne "Schülerlenkung" erst mal mit zwei Klassen hin. Dafür boomt die engagierte Matthias-Grundschule in Trier-Süd - so wie die meisten Ganztagsschulen.
Im Stadtteil Ruwer, wo die Schülerzahlen zuletzt dramatisch gesunken waren, könnte es diesmal sogar für zwei Klassen reichen, ebenso wie in Quint. Beide waren auch schon mal in Zusammenhang mit Schließungsplänen genannt worden - falls sie ihre Zahlen halten, dürfte das kaum zur Debatte stehen.
Etwas rätselhaft sind die Zahlen in Pallien. Dort sind deutlich mehr Kinder angemeldet worden als im Stadtteil wohnen. Das war freilich im letzten Jahr ähnlich, aber am Ende blieb von den Angemeldeten am ersten Schultag nur die Hälfte übrig. Woran das liegen könnte? "Wir haben es mit der Schule noch nicht geklärt", sagt die Verwaltung.
Bei den anderen der 23 städtischen Grundschulen sind wenig dramatische Veränderungen zu verzeichnen. Aber wo die Zahlen sinken, werden die Diskussionen lauter werden. Denn das ist auch der Schuldezernentin klar: "Die Zahlen machen deutlich, dass eine Planung zur Weiterentwicklung der Grundschulen dringend notwendig ist."Meinung

Unterricht unterm Damoklesschwert
Die aktuellen Anmeldezahlen machen eines klar: Bevölkerungsprognosen für einzelne Stadtteile sind nur eine vage Grundlage für die Schulplanung. Für die Eltern spielen andere Dinge eine Rolle: Das inhaltliche Konzept der Schule, ihr Ruf, ganztags oder nicht, der Standort des eigenen Arbeitsplatzes oder der betreuenden Großeltern. Das gibt Chancen der Gestaltung und der Lenkung - wenn der Träger und die Aufsicht nicht stur auf dem Wohnsitzprinzip beharren. Wichtig für die Anmeldungs-Entscheidung ist auch, wie Eltern die Zukunftsperspektive der Schule einschätzen. Deshalb wäre es nur fair, wenn die Stadt möglichst bald klar macht, wohin der Weg für jede einzelne der 23 Schulen gehen soll. Das kann die Renovierung sein, die konzeptionelle Weiterentwicklung, der Ausbau, aber auch die Schließung. Hauptsache Klarheit, auch wenn sie wehtut. Denn unter dem Damoklesschwert lässt sich schlecht unterrichten. d.lintz@volksfreund.de