Der Rotstift fährt mit

Manche Unternehmer und Politiker fordern gerne mehr Flexibilität von der werktätigen Bevölkerung. Die Kunden des Stadtwerke-Verkehrsbetriebs können sie nicht meinen. Denn was die sich in den vergangenen Jahren ohne größeres Murren an unpopulären Neuerungen und Einschränkungen haben aufdrücken lassen, gehört mit Tapferkeitsmedaillen belohnt.

Nach 2002 und 2003 steht nun wieder eine kollektive Umgewöhnung an für all diejenigen, die zu den 45 000 "Beförderungsfällen" führen, die der Verkehrsbetrieb an normalen Werktagen verzeichnet.Wenn am Montagmorgen die 64 Wagen umfassende Stadtbus-Armada ausläuft, sind Flüche und Verärgerung programmiert. Gegenüber dem Betrieb vor den Sommerferien ändern sich fast alle Abfahrtszeiten; und die neuen Verbindungen müssen sich erst einmal einpendeln und bewähren. Bemerkenswerteste Neuerung neben dem eingedampften Sternbus-Angebot: Pünktlich zum Schuljahresbeginn erhält die Linie 8 einen neue Taktung à la "Ferienfahrplan". Heute rollen die Gelenkbusse letztmals im 15-Minuten-Takt zwischen Mariahof und Ehrang/Quint, ab Montag nur noch alle 20 Minuten. Vor zehn Jahren fuhren sie noch im Zehn-Minuten-Rhythmus. Von 4,3 auf 4,1 Millionen Kilometer reduziert der Stadtwerke-Verkehrsbetrieb seine Jahresleistung. Erhoffter Einspareffekt: 600 000 Euro. Damit, so schien es noch vor einigen Monaten, könnte das Ende der Rationalisierungs-Orgie erreicht sein. Inzwischen sieht es wieder anders aus. Die nächste ÖPNV-Grausamkeit droht Anfang 2006 in Gestalt der nächsten Fahrpreiserhöhung, die mit der Begründung gestiegener Spritkosten besonders deftig ausfallen dürfte. r.morgen@volksfreund.de