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Der Schulentwicklungsplan hinterlässt Spuren

Der Schulentwicklungsplan hinterlässt Spuren

Die aktuellen Anmeldezahlen für die Trierer Grundschulen werden nach der Diskussion über das Schulentwicklungskonzept in diesem Jahr besonders akribisch betrachtet. Fest steht: Die Debatte ist nicht ohne Folgen geblieben. Derweil versucht man in Kürenz, die bevorstehende Schließung konstruktiv zu gestalten.

Trier. Auch wenn Schuldezernentin Angelika Birk nicht müde wurde, darauf hinzuweisen, dass künftige Schließungen keine Auswirkungen auf die Schüler haben, die diesen Sommer eingeschult werden: Die Eltern haben sich anders entschieden. In Quint und Pallien gingen die Anmeldezahlen nach Angaben der ADD um rund ein Drittel zurück, in Kürenz blieben sie niedrig. Auch an der Martin-Grundschule, die bis zuletzt auf der Kippe stand, halbierte sich die Schülerzahl fast.
Leichte Zuwächse dagegen in Pfalzel, wo frühzeitiger absehbar war, dass es weitergeht. Mehr Schüler auch am Reichertsberg in Trier-West, wo offenbar viele Eltern den starken Partner einer künftigen Fusionsschule mit Pallien sehen - auch wenn über den Standort noch zu entscheiden ist.
Insgesamt ist die Zahl der Grundschüler in Trier zurückgegangen: Waren es im letzten Jahr noch 807, sind diesmal nur 769 angemeldet - eine Reduzierung um fast fünf Prozent. Auch wenn die Zahlen sich noch leicht verändern können, dürfte sich die Situation vor allem in den Höhen-Stadtteilen entspannen. Weniger Schüler in Tarforst, Keune, Irsch: Das erspart der Stadt ein paar erbitterte Debatten. Dafür wächst Olewig - aber immer noch zu wenig, um sich dauerhaft keine Sorgen mehr machen zu müssen.
Fast eine Verdopplung der Schülerzahlen kann Ambrosius verbuchen - was aber auch damit zusammenhängt, dass es im letzten Schuljahr einen renovierungsbedingten Einbruch gab. Aber auch die jetzigen 49 Schüler reichen bei weitem nicht für die anvisierte Vierzügigkeit, die der Umbau möglich macht.
Da sind Überlegungen um so spannender, die man dieser Tage in Kürenz anstellt. Dort hat die Stadt beschlossen, keine Schüler mehr aufzunehmen. Die Verantwortlichen in der Schule, aber auch Ortsvorsteher Bernd Michels denken nun darüber nach, nicht bis zum bitteren Ende am Kürenzer Standort zu bleiben. "Ein Sterben auf Raten, das kann doch niemand wollen", sagt der CDU-Politiker. Ein vorzeitiger Standortwechsel nach Trier-Nord scheint ihm die bessere Alternative. Allerdings dürfte eine Auflösung der Schule und die formelle Eingliederung bei Ambrosius rechtlich nicht möglich sein. Wohl aber scheint denkbar, die komplette Grundschule Kürenz übergangsweise als selbstständige Einheit in der Ambrosius-Schule zu installieren.
Die beiden beteiligten Schulleiterinnen wollen zunächst mit den Eltern reden, könnten sich aber mit einer gemeinsamen Lösung wohl anfreunden. Da müsste allerdings auch die ADD als Schulaufsicht mitspielen. "Wir sind im Gespräch und schließen so etwas nicht aus", sagt ADD-Sprecherin Miriam Lange.
Aber die Schulen wollen erst einmal bei den Eltern um Unterstützung werben - denn ohne deren Zustimmung dürfte die Idee keine Chance haben. Für kommende Woche haben sie zu einer Besichtigung und einem Info-Abend eingeladen.Meinung

Auf die Eltern kommt es an
Wenn es einen Stadtteil und eine Schule gibt, die allen Grund haben, sich über den Stadtratsbeschluss zum Schulentwicklungskonzept zu ärgern, dann Kürenz. Dass dort jetzt Feierabend ist, während andere weitermachen dürfen, ist kein Resultat vernünftiger Sach-Abwägung, sondern Ergebnis politischer Macht- und Einfluss-Konstellationen. Andere hatten einfach die stärkere Lobby. Um so erfreulicher, dass ausgerechnet aus Kürenz Ideen kommen, wie man den ungewollten Wandel für die Kinder so konstruktiv wie möglich gestalten kann. Die Vorstellung, mit einer Schrumpf-Schule die nächsten Jahre vor sich hin zu schwinden, ist wenig reizvoll. Am Standort Ambrosius könnte man von der dortigen Entwicklung nach der Renovierung profitieren. Und mehr: Man könnte unter dem geschützten Rahmen einer eigenständigen Gast-Schule den Übergang proben, Möglichkeiten der Kooperation ausloten, das Angebot einer breit aufgestellten Schule nutzen. Die ADD müsste dabei offensiv mitziehen, die Stadt Trier auch. Zum Beispiel mit einer konstruktiven Lösung für die Schülerbeförderung, die der Ortsvorsteher einfordert. Entscheidend sind aber die Eltern. Niemand kann sie zwingen, niemand unter Druck setzen - es geht nur freiwillig, und das ist gut so. Aber sie hätten die Chance, ein Zeichen zu setzen in der elenden Trierer Schul-Debatte: Dass es Leute gibt, die über den Tellerrand hinaus denken. Auch wenn sie alles Recht der Welt hätten, sich stur zu stellen. d.lintz@volksfreund.de