Karl-May-Festspiele in Pluwig: Der Tag, an dem Winnetou stirbt

Karl-May-Festspiele in Pluwig : Der Tag, an dem Winnetou stirbt

Kein Weg ist ihnen zu weit und keine Probe zu viel: Die 90 Akteure bei den Karl-May-Festspielen Pluwig (Premiere: 28. Juni) sind mit Leib und Seele bei Winnetou III. dabei. Die Jüngste ist gerade einmal zwei Jahre alt.

Dieses Mal wird es dramatisch. Bei der Premiere von Winnetou III werden wohl Tränen fließen, wenn der Held drehbuchgemäß stirbt. Die Stimmung bei den Proben der „Karl May Freunde Pluwig“ ist aber gut. Die Darsteller schlüpfen wie immer mit Riesenspaß in ihre Rollen – ob in die eines der Helden oder in die eines der Schurken. Viele sind von Anfang an dabei.

So wie Reinhold Schomer (61) aus Trier. Er spielte schon 1999 bei Aufführungen einer Interessengemeinschaft in Hockweiler (siehe Info): „Seitdem bin ich Winnetou.“ Begeistert von den Büchern Karl Mays und „total fasziniert“ von Pierre Brice, ließ ihn die Rolle nicht mehr los. Dabei waren anfangs nur zwei oder drei Aufführungen zugunsten eines karitativen Zwecks geplant. Jetzt seien sie rund 300 Mitglieder, darunter etwa 90 Darsteller und Statisten. Cirka 30 Personen wirken hinter der Bühne. Von denen reisen einige aus dem Saarland oder dem Stuttgarter Raum zu den Festspielen an.

Frank Lempges aus Kell fährt nur wenige Kilometer – dafür kommt er seit fünf Jahren mit der ganzen Familie. Ihre ältere Tochter habe sie alle „infiziert“. Die Pferde der Familie, die bei den Aufführungen mitwirken, bleiben an den Wochenenden in eigens gebauten Paddocks in Pluwig. Dort wird am Mittwoch die Bühne aufgebaut und am Freitag ist Generalprobe. „Old Shatterhand“ Rainer Otten hält in Waldweiler ebenfalls eigene Pferde. Für ihn ist der Verein „wie eine große Familie“. Auch seine Reitkollegen seien mit Spaß dabei.

„Man muss auch mal neben dem Beruf etwas anderes machen“, begründet Regisseur Conny Faißt aus Bescheid. Dort hat der Karl-May-Fan, der ebenfalls von Anfang an dabei und aktiv in der Westernszene ist, einen Pferdebetrieb. An seinem Hobby schätzt er die Einblicke in Spezialgebiete wie Pyrotechnik, wofür er sich Tricks bei echten Profis abguckte.

Eine Herausforderung sei die „Proben-Disziplin“ von Leuten mit unterschiedlichen Interessen. Der eine gebe sich Mühe, der andere wolle einfach nur dabei sein. Schwierig sei aber auch, dass es allgemein immer weniger männliche Reiter gebe und Gesetze die Nutzung von Deko-Waffen erschwerten. Frauen und Kinder machen die Festspiele komplett. Aus Pluwig spielen sogar mehrere Generationen einer Familie mit. Früher wollten ihre Kinder hier mitmachen, nun seien sie eben weiter dabei, erzählen Marion Roth und Anni Rütz aus Konz.

Das einstige Kind Julia Franzen spielt heute mit seiner zweijährigen Tochter mit, der Jüngsten im Team, gemeinsam mit seiner Mutter Jutta Monshausen. Neu sind die Festspiele für Yvonne Kohley und ihre Tochter Noée. Sie nahm schon 2018 am Pluwiger Sommer teil, der sich mit den Festspielen abwechselt. Ferdinand Reuter hält dem Verein die Treue, obwohl er der Liebe wegen von Igel nach Traben-Trarbach zog.

Winnetou (Reinhold Schomer) ahnt, dass er seinen letzten Kampf kämpfen wird. Foto: Ursula Schmieder
Indianer auf dem Kriegspfad. Die Akteure versprechen eine spannende Aufführung von Winnetou III in Pluwig. Foto: Ursula Schmieder
Soldaten, Indianer und Cowboys – auf der Freilichtbühne in Pluwig ist einiges los. Foto: Ursula Schmieder
Winnetou (Reinhold Schomer) und Old Shatterhand (Rainer Otten) bei den Proben der Karl May Freunde Pluwig. Foto: Ursula Schmieder

Unterstützt von Ehefrau Hannelore Reuter-George, die im Regie-Team mitmischt: „Entweder man will Zeit miteinander verbringen oder man bleibt daheim“, sagt sie. Doch entscheidender sei für sie, dass sie sich wohlfühle im Verein: „Das ist eine tolle Gemeinschaft hier – von den Statisten bis zum Hauptdarsteller ist jeder engagiert dabei.“

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