Der tausendfache Zenturio

Als römischer Zenturio entführt Schauspieler Thom Nowotny seit 2005 Touristen und Einheimische in einer Erlebnisführung in die Zeit des römischen Kaiserreichs. Am Samstag werden die Mauern der Porta Nigra zum 1000. Mal zu seiner Bühne.

Trier. "Ich bin nicht der, für den ihr mich haltet": Tausend Mal schon hat Thom Nowotny diesen Satz den Zuschauern mit rauer Stimme verkündet, als er sich in der Erlebnisführung "Das Geheimnis der Porta Nigra" zum ersten Mal als mysteriöser römischer Offizier vorstellt.
Mit wehendem roten Umhang schreitet der Zenturio auf seinen Sandalen langsam die Wendeltreppe im Westflügel der Porta Nigra hinab und blickt herrisch auf seine Untertanen, eine Schülergruppe aus der Nähe von Dortmund.
Unmissverständlich macht der Zenturio seine zwei Grundregeln klar: "Wenn der Zenturio spricht, dann schweigt ihr" und "Wenn der Zenturio eine Frage stellt, dann antwortet ihr mit Ja oder Ja." Vor der Schulklasse aus Dortmund muss der Zenturio schließlich Autorität beweisen: Wer keine Disziplin hat und dazwischen- quatscht, muss die Legion verlassen. "Ich kann mit diesem Befehlston sehr gut umgehen", sagt Schauspieler Thom Nowotny über seine Rolle als römischer Offizier. Seit 2005 spielt der gebürtige Berliner in der Erlebnisführung "Das Geheimnis der Porta Nigra" der Tourist-Information. Für den 46-jährigen Schauspieler ist die Vorstellung mit bis zu fünf Führungen am Tag gerade in der kalten Jahreszeit ein Knochenjob: "Im Winter quäle ich mich bei der Kälte in Tunika und Sandalen richtig. Aber es macht so viel Spaß, dass die Kraft reicht, und andere Leute kriegen in ihrem Job keinen Applaus am Ende", sagt Thom Nowotny.
Mischung aus Spiel und Lektion


Die Besucher erleben in den alten Mauern der Porta viel mehr als nur eine Touristenführung: Thom Nowotny entführt sie in einer Inszenierung von Alexander Etzel-Ragusa in die Zeit des Römischen Kaiserreichs, eine Zeit, in der die Porta das Bollwerk der Siedlung Augusta Treverorum gegen Angriffe barbarischer Germanenstämme bildete.
Nowotnys Aufführung ist eine Mischung aus Theaterspiel und unterhaltsamen Geschichtslektionen, in der die Zuschauer über die Geschichte der Porta und der Stadt Trier lernen können.
Thom Nowotny schlüpft im Laufe des Einmannspiels in mehrere Rollen. Als Zenturio fordert er der Besuchergruppe Gehorsam ab, als femininer Architekt oder als Hausmeister der Porta in Trierer Mundart bringt er die Schüler zum Lachen.
Auch nach tausend Auftritten ist er der Rolle nicht müde: "Wenn das Publikum mitzieht und am Ende begeistert ist, gibt mir das viel Kraft für die nächste Vorstellung."
Am Ende der Führung mit den Dortmunder Schülern gibt es Applaus für Thom Nowotny. Sein 1000. Auftritt wird nicht sein letzter sein.