Der Ton macht die Bedeutung

Elisa Limbacher und Andreas Lehrfeld leben und studieren ein Jahr in Triers neuer Partnerstadt Xiamen. Im sechsten Teil unserer Serie "E-Mail aus Xiamen" berichten die beiden über Kommunikationsprobleme und warum man bei der Bestellung von Dampfbrötchen ganz besonders auf seine Aussprache achten sollte.

TV-Serie E-Mail aus Xiamen


Xiamen. Stellen Sie sich vor, Sie kommen zum ersten Mal nach China. Sie haben keinerlei Sprachkenntnisse und versuchen, sich in diesem großen Land mit der uns Deutschen so fremdartig wirkenden Sprache zurechtzufinden. Sie werden sehen, dass man selbst mit Vorkenntnissen, wie wir sie besitzen, gelegentlich an die Grenzen der Kommunikation gelangt und vor Missverständnissen nicht immer sicher ist. Der eine mag im Reiseführer nach gängigen Floskeln suchen, der andere schier verzweifeln. Schon durch den Anblick der Schriftzeichen, geschweige denn ihre Aussprache, fühlen sich die meisten überfordert. Aber was sind eigentlich - kurz gesagt - die Hauptmerkmale der chinesischen Sprache?

Was wir in Deutschland zunächst einmal unter Chinesisch beziehungsweise Mandarin verstehen, heißt in China "Putonghua". Es ist die Standardsprache, eine so genannte tonale Sprache mit vier unterschiedlichen Tönen. Das bedeutet, dass eine Silbe je nach Betonung eine unterschiedliche Bedeutung hat.
In China gibt es außer Putonghua noch sieben andere Dialektgruppen, darunter auch der Min-Dialekt, der vor allem in Xiamen wie in der gesamten Provinz Fujian und auf Taiwan verbreitet ist.
Und natürlich darf man die Hanzi, die chinesischen Schriftzeichen, nicht vergessen, die wohl die größte Hürde beim Erlernen der Sprache sind. Um ohne Probleme einen Zeitungstext verstehen zu können, sollte man in etwa 3000 verschiedene Zeichen beherrschen. Selbst wir - mit zwei Jahren Vorkenntnissen in Chinesisch - sind auf unerwartete Hürden gestoßen.

Fettnäpfchen: China gilt als kulinarisches Paradies. So vielfältig die Gerichte sind, so schnell kann man auch in Fettnäpfchen treten. Zum Beispiel bei "Baozi"; das sind gefüllte Dampfbrötchen, die es an fast jeder Straßenecke und in bestimmten Lokalen zu kaufen gibt. Leider ist die Aussprache mancher Wörter sehr ähnlich, was leicht dazu führen kann, dass bei der Bestellung dieser Spezialität die Bedienung - inklusive der gesamten Küche - in verlegenes Gelächter ausbricht. Aus "Baozi" wird nämlich schnell "Biaozi". Der eher kleine sprachliche Unterschied hat gravierende Folgen: Statt eines Brötchens bestellt man so nämlich eine Prostituierte.

Missverständnisse. Da die Aussprache des Min-Dialekts im Vergleich zu Putonghua große Unterschiede aufweist, fällt es uns zuweilen schwer, uns richtig zu verständigen. So werden im Min-Dialekt die Silben "shi" und "si", für "zehn" und "vier", gleich ausgesprochen. Nur die Töne weisen auf die richtige Bedeutung hin. Warum wir das erwähnen? Nun, wenn man am Straßenstand steht und vier Teigtaschen vom Händler will, kann es vorkommen, dass man statt der gewünschten vier ganze zehn Stück vorgesetzt bekommt. Im chinesischen Straßenlärm sind die unterschiedlichen Töne nämlich nicht immer gut zu hören.

Unerwartete Hürden. Europäer sind in der Regel scharfes asiatisches Essen nicht gewohnt. So geht es auch uns. Daher betonen wir jedes Mal, wenn wir scharfe Gerichte bestellen, dass wir es nicht ganz so scharf mögen. Das Problem dabei: Unserer Meinung nach setzen chinesische Köche "nicht scharf" wohl mit "kein Geschmack" gleich, weswegen sie trotz unseres frommen Wunsches das Essen offenbar besonders würzig halten wollen. Aber vielleicht denken sie auch, dass die Tränen in unseren Augen ein Ausdruck der Rührung und Hochachtung vor ihren Kochkünsten sind und freuen sich insgeheim auf unseren nächsten Besuch, um es noch würziger - sprich schärfer - zu halten.
Was also tun, um Missverständnissen vorzubeugen? Seien Sie unbesorgt: Zum einen lassen sie sich solche wohl nie völlig vermeiden, zum anderen kommt man mittlerweile beim Großteil der jüngeren Chinesen auch mit Englisch problemlos weiter.

Unserer Meinung nach ist es letztlich enorm wichtig, trotz Missverständnissen und anderer Unannehmlichkeiten als Gast in einer fremden Kultur den Menschen mit Respekt und Freundlichkeit zu begegnen. Das hat sich bislang immer bezahlt gemacht, denn selbst wenn man nur wenige Sätze oder Worte spricht, bekommt man nicht selten ein Lächeln geschenkt oder die Floskel zu hören, dass das eigene Chinesisch doch sehr gut sei. China, das Land des Lächelns - wie bei allen Klischees nicht immer wahr, aber manchmal doch zutreffend.

Xiamen ist eine Küstenstadt im Südosten der Volksrepublik China. Das Zentrum der Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt liegt auf einer dem Festland vorgelagerten Insel. Die Stadt gehört zu den Wirtschaftszentren des chinesischen Küstengebiets. Xiamen wurde seit 1541 von Europäern als Handelshafen genutzt und war im 19. Jahrhundert der Hauptexporthafen für Tee. Es gibt mehrere führende Universitäten. So betreibt die Xiamen University das Konfuzius-Institut an der Uni Trier (Quelle: Wikipedia).

Der Vertrag zur Städtepartnerschaft zwischen Trier und Xiamen wurde am 11. November 2010 in Trier formell besiegelt. Die 2008 gegründete Deutsch-Chinesische Gesellschaft Trier pflegt die Partnerschaft ( www.dcg-trier.de). Es gibt aber auch kritische Stimmen, denn in Xiamen gibt es eins der vielen chinesischen Arbeitslager für Strafgefangene unter dem Motto "Umerziehung durch Arbeit". red