Der TV unterwegs mit dem Trierer Blitzerteam - Testphase offenbart großen Bedarf

Trier · Trier kontrolliert als einzige Stadt der Region ab Neujahr innerorts das Tempo der Auto- und Motorradfahrer. Der Trierische Volksfreund hat das mobile Blitzerteam bei einer Testmessung in Olewig begleitet und dokumentiert, wie Kontrollen und Auswertung ablaufen.

Foto: Friedemann vetter (Ve._), Friedemann Vetter ("TV-Upload vetter"

Trier. 6.30 Uhr, Treffpunkt St.-Anna-Straße in Trier-Olewig. Drei Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts parken ihren Einsatzwagen auf dem Seitenstreifen. Der Ort dieser Testmessung ist gezielt gewählt: Dort gilt Tempo 30, weil Grundschule und Kita St. Anna in der Nähe liegen.
Seit Monaten probt die neue Verkehrsüberwachung der Stadt den Ernstfall. Denn wie vom Stadtrat beschlossen, ist künftig ab den Ortseingangsschildern Triers nicht mehr die Polizei, sondern die Stadtverwaltung für Radarkontrollen des gesamten motorisierten Verkehrs vom Mofa bis zum LKW zuständig (der TV berichtete mehrfach).

Die Ausrüstung: Ein Mitarbeiter baut direkt neben der Fahrbahn ein Stativ mit der Messeinrichtung und separatem Blitz auf. Wahlweise kann das Radargerät auch im Kofferraum des Einsatzwagens aufgestellt werden. Die nötige Energie kommt von zwei großen Akkus. Sämtliche Parameter sind einzugeben beziehungsweise zu checken: Standort, Fahrspur, Fahrtrichtung, Tempolimit und Grenzwert, ab dem gemessen wird. Die Höhe der Kamera, der Abstand zur Fahrbahn, der Schwenkwinkel (bis 1,50 Meter zur Fahrbahn: 14 Grad) und das Objektiv. Mit entscheidend ist der Bildausschnitt: "Kennzeichen und Fahrerkabine müssen innerhalb des Auswerte-Rahmens liegen", sagt der Mitarbeiter.
Die Erfassung: Die Kamera erfasst das jeweilige Fahrzeug schon 30 bis 50 Meter vor dem Blitzerstandort und verfolgt es quasi. Dabei wird die Geschwindigkeit fortlaufend gemessen. Liegt sie über dem eingestellten Grenzwert, wird schließlich das digitale Foto geschossen. Das Fahren in Kolonne rettet Temposünder nicht: "Wir können etliche Fahrzeuge gleichzeitig erfassen, auch auf mehreren Spuren nebeneinander", erklärt Elmar Geimer vom Ordnungsamt. Das erste Foto an diesem Morgen zeigt eine Fahrerin mittleren Alters: Ihr Gesicht und das Nummernschild sind auf dem Bildschirm klar zu erkennen.

Die Auswertung: Die Verwaltung verschickt den Bescheid über die Ordnungswidrigkeit und das damit verbundene Verwarnungsgeld möglichst innerhalb einer Woche an den Halter des Fahrzeugs - direkt angehalten vor Ort wird niemand. "Laut Statistik wird das Verwarnungsgeld in 95 Prozent der Fälle gezahlt", sagt Geimer. Kommt jedoch keine Reaktion, schickt die Verwaltung einen Bußgeldbescheid hinterher. Zur Geldbuße in Höhe des Verwarnungsgelds kommen dann 28,50 Euro Gebühren/Auslagen dazu. Kompliziert wird es, wenn der Halter angibt, nicht selbst gefahren zu sein. Geimer: "Dann versuchen wir, den Fahrer zu ermitteln, denn der ist zahlungspflichtig."

Die Standorte: Priorität haben Unfallhäufungs- und Gefahrenstellen, hinzu kommen Lärmschutzgründe. Die Polizei schickte der Stadt eine Übersicht der bisherigen Radarkontrollen. Weitere sinnvolle Standorte ermittelt die Stadt mit Hilfe zweier mobiler Zählgeräte ohne Blitzer: Sie messen eine Woche lang, wie hoch die Quote an Geschwindigkeitsüberschreitungen in dieser Straße ist. Beispiel Gottbillstraße (Tempo 50): Dort war mehr als die Hälfte der Fahrer zu schnell. Innerhalb einer Woche fuhren mehr als 100 Fahrer sogar über 100 km/h. Geimer: "Akute Gefahr besteht zum Beispiel für Linksabbieger, die vom real-Markt in Richtung Zewen fahren."

Das Personal: Es gibt sieben sogenannte Messbeschäftigte (umgerechnet sechs Vollzeitstellen), die meist in Zweierteams agieren - grundsätzlich auch nachts. Die Sachbearbeitung im Rathaus übernehmen weitere Mitarbeiter (4,5 Stellen). Die Stadt hat zwei Messgeräte, die pro Tag und Gerät an drei bis vier Standorten eingesetzt werden.

Ergebnisse und Reaktionen: In eineinhalb Stunden blitzt es in der St.-Anna-Straße 33-mal. Autofahrer sind teilweise mit Tempo 50 unterwegs, auch Busfahrer sind zu schnell. Ein Vater, der sein Kind zu Fuß zur Schule bringt, lobt die Kontrollen: "Die sind hier auf jeden Fall angebracht." Die Olewiger Grundschulleiterin Bernadette Wendling bekräftigt: "Die Kinder müssen sich darauf verlassen können, dass Tempo 30 eingehalten wird. Zusätzlich zu den Kontrollen wären auffällige Warnhinweise in der St.-Anna-Straße und Auf der Ayl sinnvoll."
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Einfach das Limit einhalten
Ob sich die Geschwindigkeitskontrollen für die Stadt Trier finanziell jemals selbst tragen, ist angesichts des hohen technischen und personellen Aufwands fraglich. Die Antwort kann nur die Praxis bringen. Um das Risiko zu vermeiden, hätte sich die hoch verschuldete Stadt diese zusätzlich Aufgabe besser nicht ans Bein gebunden, sondern bei der Polizei belassen. Doch die Übernahme ist politisch gewollt und seit Oktober 2014 beschlossen. Jetzt gilt es, das Beste daraus zu machen. Die Verwaltung hat die lange Vorlaufzeit genutzt, um sich intensiv vorzubereiten. Auf Mitarbeiter und Bürger kommen nun aufregende Tage und Wochen zu, bis die höhere Kontrollfrequenz zur Gewohnheit wird und sich Routine einstellt. Im Idealfall wird der Straßenverkehr in Trier sicherer und leiser - davon profitieren letztlich alle. Lamentieren nutzt jedenfalls gar nichts: Wer seinen Geldbeutel schonen und den Führerschein behalten will, muss einfach nur das Tempolimit einhalten. Und zwar überall. m.hormes@volksfreund.deExtra

Die Tempolimits: Drei Stundenkilometer gelten bei der Messung als technische Toleranz und werden abgezogen. Eine Überschreitung des Limits um bis zu fünf Stundenkilometer wird in Rheinland-Pfalz als geringfügige Ordnungswidrigkeit eingestuft und nicht verfolgt - da setzt die Stadt die Praxis der Polizei fort. Macht zusammen 8 km/h. Geblitzt wird also erst ab Tempo 39 (Tempo-30-Zone), 59 (normaler Stadtbereich) oder 79 (bei Tempolimit 70 wie auf Teilen der Luxemburger Straße in Euren). Die Kosten: Wer bis 10 km/h zu schnell fährt, zahlt nach dem Bußgeldkatalog des Bundes 15 Euro. 11 km/h drüber bedeuten 25 Euro, 16 km/h zu schnell kosten 35 Euro. Ab 21 km/h Überschreitung kostet es schon 80 Euro, und es gibt einen Punkt im Flensburger Verkehrszentralregister. Bei 31 km/h Überschreitung drohen vier Wochen Fahrverbot. Beispiel: Ein Fahrer wird in einer Tempo-30-Zone mit 45 km/h geblitzt. Abzüglich der Messtoleranz ist er 12 km/h zu schnell und muss 25 Euro zahlen. cusExtra

Für folgende Standorte hat die Stadt Trier Kontrollen angekündigt: Montag, 4. Januar: Franz-Georg-Straße und Kohlenstraße. Dienstag, 5. Januar: Zewener Straße und Luxemburger Straße. Mittwoch, 6. Januar: Mäusheckerweg und Quinter Straße. Donnerstag, 7. Januar: Metternichstraße und Weimarer Allee/Ostallee. Freitag, 8. Januar: Zurmaiener Straße und Südallee. Samstag, 9. Januar: Konrad-Adenauer-Brücke. Hinzu kommen unangekündigte Kontrollen. cusExtra

Polizei-Pressesprecher Uwe Konz: "Es hat enge Abstimmungen zwischen Polizei und Stadt Trier bis hin zu Ausbildung und Hospitationen städtischer Mitarbeiter bei der Polizei gegeben." Auf Straßen im Trierer Stadtgebiet, die außerhalb der geschlossenen Ortschaft liegen (zum Beispiel B 53 bei Ehrang oder B 51/Bitburger Straße), kontrolliert weiterhin die Polizei das Tempo. Zudem will die Polizei frei werdende Ressourcen für vermehrte Kontrollen in der Region nutzen. cus