Der Weg zu den Sternen ist weit

Der Weg zu den Sternen ist weit

TRIER. Rein statt raus: Mit zehn Förderkindern und 21 "alten Häschen" ist der ursprüngliche Regelkindergarten Wichernhaus mit einer integrativen Ausrichtung ins neue Jahr gestartet.

Nach dem Rückzug der evangelischen Kirche hatte zum Sommer die Schließung des Kindergartens Wichernhaus gedroht. Nun gehen die Eltern, die damals protestierten, wieder für ihre Kinder und den neuen Träger, die Lebenshilfe e.V. auf die Straße, diesmal mit Waffeln bewaffnet. "Gestern bin ich in die Bohnen gerutscht", erzählt der fünfjährige Cedric und strahlt. In der neu gestalteten Turnhalle stehen die kleinen glatten Fühlspielzeuge in einer Kiste, und die Rutsche, die er meint, hat ihn auf Rollen runtersausen lassen. Zwei Wände sind mit Vorsprüngen wie für Mini-Freeclimber versehen. Vieles ist anders geworden, seit vor einem Jahr der Weihnachtswunsch der kleinen Bewohner vom Wichernhaus wahr wurde und ihre Tagesstätte nicht sterben musste.Kindergarten braucht spezielle Ausstattung

Seit August besuchen neben 21 alten Wichernhauskindern auch zehn neue die Tagesstätte. Von der schwer mehrfach behinderten Silvana bis zu Kindern wie Jason, "denen man", wie der neue Leiter der Einrichtung Robert Nohn sagt, "ihre Behinderung nicht ansieht, die aber soziale Förderung brauchen". "Für die Förderfunktion wird natürlich eine andere Ausstattung nötig", erklärt der Pädagoge und verweist auf Therapieraum, Schaukel und die neue Sprudelwanne, "die, mit Lebensmittelfarbe ausgestattet, der Renner für die Kinder" sei. Ebenfalls wie der bessere Betreuungsschlüssel soll fast alles auch den Regel-Kita-Kindern zugute kommen. Dennoch: "Einiges haben wir aus der parallel laufenden Kürenzer Einrichtung mitnehmen können, einiges haben die vorherigen Träger da gelassen, aber sehr vieles fehlt noch", gesteht Nohn. "Das fängt schon bei den Vorhängen an.” Die Elternausschussvorsitzende Sandra Paul zeigt auf die stofflosen Riesenfenster. Auf den offenen Regalen der Gruppenräume stehen Krippe, Spielzeug und Bastel-Material. Geschlossene Schränke gibt es nicht. Die Jungen und Mädchen scharen sich um einen Berg Plätzchenteig. "Wie gefällt es Euch denn nun im Kindergarten?" "Schön", tönt ein vielstimmiger Kanon aus den Kehlen. Ihre selbstgebastelten Sterne hängen groß und greifbar nah von der Decke im "Rasselbanden"-Raum. Doch der "Sterntaler-Traum" vom Goldregen ist erst einmal ausgeträumt, denn die Aktion "Herzenssache" des Südwestrundfunks (SWR) brachte keinen Cent ein. "Wir sind mehr als enttäuscht", sagt Stefan Klockmann, Vorsitzender des Fördervereins der Eltern. Noch bei der Jahresversammlung rauchten den Eltern die Köpfe auf der Suche nach Finanzquellen: Kleiderflohmarkt, Sommerfest oder Liederabend kamen auf die Agenda. Nun soll ein Waffelstand in der Brotstraße am heutigen Samstag von 10 bis 17 Uhr aus der Finanzmisere helfen. Doch der Investitionsberg ist hoch. Knapp 50 000 Euro muss die Lebenshilfe in ihren neuen Kindergarten stecken. Trotz Spenden etwa von der Nikolaus-Koch-Stiftung fehlen noch immer mehr als 20 000 Euro. "Auch für Weihnachtswünsche wie Musikinstrumente und Holzspielzeuge ist kein Geld da", erklärt Gedeon Kohl, Vorsitzender der Lebenshilfe. Erst durch die Artikel im Trierischen Volksfreund war er selbst auf das Wichernhaus aufmerksam geworden. Nun hofft er , dass auch andere Leser hellhörig werden. Spenden können unter dem Stichwort "KiTa im Wichernhaus" direkt an die Lebenshilfe Trier e. V., unter Kontonummer 919241, Bankleitzahl 58550130 gesandt werden. Informationen finden Interessierte auf der Homepage unter www.ffk-wichernhaus.de.

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