Der Weinbergsfön ist Geschichte

Der Weinbergsfön ist Geschichte

TRIER-OLEWIG. Privat bevorzugt Karl-Heinz Faas einen leichten Riesling Kabinett, ausgewogen in Säure und Süße. "Ein leichtes Möselchen, was es heute so fast nicht mehr gibt", sagt er. "Aber es gibt keinen Wein auf der Welt, den ich noch nicht verkostet habe." Dass er sich mit Wein, Anbau, Herstellung und Weinkultur auskennt, wird spätestens beim Blick auf seine Vita deutlich. Denn damit beschäftigte sich der studierte Landwirt während seiner gesamten Berufstätigkeit.

Die Leidenschaft für und die Freude am Wein habe er sich über all die Jahre bewahrt. Seine Schüler an der Landeslehr- und Versuchsanstalt (LLVA) Trier, die er zwischen 1968 und 1990 als Direktor leitete, hat er über die Basis der Weinerzeugung, gesetzliche Veränderungen und europäische Entwicklungen unterrichtet und auch einmal unerfreuliche Themen bearbeiten müssen. "Ich war natürlich bestürzt, als man mit einem solch wertvollen Kulturgut wie den Wein nicht gut umgegangen ist, und es zu den Weinprozessen kam", sagt Faas. "Aber gerade darum ist die Lehre so wichtig, um den sauberen Umgang mit Wein zu vermitteln." Als Karl-Heinz Faas in Frankreich Landwirtschaft und Weinbau studierte und schließlich promovierte, ließ er sich nicht träumen, welchen beruflichen Weg er einschlagen sollte. Einen Traum hatte er allerdings immer schon: er wollte mit dem Weinbau zu tun haben. Das lag in der Familie, ohne dass es einen Winzerbetrieb gegeben hätte, in den Faas hätte einsteigen können. Sein Vater war als Weineinkäufer für den Görlitzer Wareneinkaufsverein tätig und sein Großvater hatte ein paar kleine Weinberge in der Gegend von Ockfen. Er wurde während seiner Referendariatszeit zunächst 1955 Kommissar zur Bekämpfung der Reblaus. Ihm oblag im Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer innerhalb der Grenzen des ehemaligen Regierungsbezirks Trier die Überwachung und Koordination der Bekämpfungsstrategie, der Eindämmung der Seuche und des Wiederaufbaus der Weinberge. Aufklärungsveranstaltungen in den betroffenen Gemeinden und Versuchsreihen für effektive Mittel gegen den Schädling gehörten ebenfalls zu seinem Aufgabengebiet. "So habe ich jedes Dorf an der Mosel kennen gelernt", sagt Faas. 1960 übernahm er die Leitung der staatlichen Weinbaudomänen Avelsbach, Ockfen und Serrig. "Das waren 80 Hektar Rebfläche, da konnte ich mich austoben. Das war eine gute, schöne und große Aufgabe für mich." Besucher aus der ganzen Welt informierten sich bei Faas über Weinbau, Ausbau, Sektherstellung, Rebenerziehung und die Versuchsanlagen. Viele Kontakte ins Ausland baute Faas damals bereits auf. Unter seiner Regie wurden Maschinen gegen Frostgefahr entwickelt, wie der Weinbergsfön, der mittels eines Ventilators über einem Ofen erwärmte Luft in den Hang blies. Mut bewies er, indem er auch ungewöhnlichen Ideen eine Chance gab. "Den Weinbergsfön gibt es hier nicht mehr. Nur in der Champagne ist er noch zu finden." Durch seine sprachlichen Kompetenzen und den guten Namen, den er sich bis dahin erworben hatte, erhielt er - ohne sich um die Stelle zu bewerben - vom Ministerium den Ruf zum Direktor der LLVA Trier. Viele ehrenamtliche Tätigkeiten schlossen sich an. Bis 1996 leitete Faas den Verein landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen. Er ist Mitbegründer der Weinbruderschaft Mosel-Saar-Ruwer und engagiert sich im Beirat der Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte des Weins. Faas kommentiert Weinproben, die Mosel hinauf und hinunter, organisiert Fahrten, hält Seminare. "Alles im Interesse der Weinwerbung", sagt der 79-Jährige. Auch Ehrungen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz und das silberne Rieslingblatt Triers wurden ihm zuteil. "Es schmerzt schon sehr, dass unsere LLVA aufgehoben wurde. Ich hoffe, dass der Nachfolger, das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum - wenn auch nicht in dem Maße wie wir - gute Arbeit leisten kann." Auch die Aufgabe der Obstplantagen in Heiligkreuz bedauert er. "Aber es ist eine bemerkenswerte Initiative, die sich dort gegründet hat", sagt Faas.