Der weiße Lauschangriff

TRIER. Der kleine weiße Knopf im Ohr: Apple macht mit seinem iPod Rekordumsätze. Doch schaden die Ohrenstöpsel der MP3-Player dem Gehör? Hals-Nasen-Ohren-Arzt Detlev Steimers aus Trier warnt vor der akustischen Gefahr.

Ein kleines Wunderwerk der Technik strebt derzeit den Status eines Kultobjekts an: der iPod. Das digitale Musik-Abspielgerät aus dem Hause Apple erspäht man überall oder besser gesagt: in aller Ohren. Musik aus dem Internet herunterladen wird möglich mit dem Nachfolger der Walk- und Discmen. In jüngster Vergangenheit trübte jedoch die Klage eines Verbrauchers aus den USA den unbegrenzten Hörgenuss. Der Amerikaner John Kiel Patterson klagte über mögliche Hörschäden, verursacht durch die Kopfhörer der iPods. Zuvor forderte der demokratische Kongressabgeordnete Edward Markey eine Untersuchung über mögliche Hörschäden, die durch die Verwendung von iPods entstehen könnten. Markey verlangt Warnhinweise, die auf iPods und allen anderen tragbaren MP3-Playern angebracht werden sollen. Führt der weiße Knopf im Ohr tatsächlich zu dauerhaftem Schaden? Generell sind Kopfhörer schädlich, wie Dr. Detlev Steimers weiß. Der niedergelassene Hals-Nasen-Ohrenarzt aus Trier sieht in Kopfhörern im Allgemeinen eine Bedrohung. "Ab einem Schalldruckpegel von 80 Dezibel und mehr kann es zu Gehörschäden kommen", gibt er zu bedenken. Bei voller Lautstärke erreichen iPods eine Lautstärke von 115 Dezibel. "Eindeutig zu viel", erklärt Steimers. Wer auf den portablen Hörgenuss trotzdem nicht verzichten möchte, dem rät der Mediziner, die Lautstärke zu senken und den Hörgenuss auf höchstens eine Stunde täglich zu begrenzen. Für die Besitzer der digitalen Walkmen von heute steht allerdings nur eines im Vordergrund: das trendige Design der iPods. Priska Wolf und Tanja Brichacek sind seit dem Weihnachtsfest stolze Besitzer eines iPod. Die beiden Studentinnen aus Trier überzeugt besonders die Optik des mp3-players. Von der Hörschädigung der Kopfhörer fühlt sich Tanja Brichacek allerdings nicht bedroht. "Ich drehe die Musik sowieso immer leise", erklärt sie. Bei Kommilitonin Priska Wolf hat der digitale Winzling schon einen festen Platz im Alltag gefunden. "Ich benutze ihn, wenn ich allein draußen unterwegs bin. Beim Einkaufen oder auf dem Weg zur Bushaltestelle", erzählt sie. Ob Apple nun tatsächlich seinen Kassenschlager mit Warnhinweisen ausstatten muss, wird sich zeigen.

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