Der Wildwuchs ist Geschichte
Das Deutschherrenköpfchen ist klein, sehr steil, schwer zu bewirtschaften. Aber es ist eine der besten Lagen auf dem Gebiet des Trierer Wein-Stadtteils Olewig. Seit Mitte der 80er Jahre wurde sie nicht mehr bebaut und wirkte nicht gerade einladend. Nun hat sich Jung-Winzer Sebastian Oberbillig des Deutschherrenköpfchens angenommen und kultiviert dort wieder Riesling-Reben.
Trier-Olewig. Die besten Trauben des Weingutes Deutschherren-Hof wachsen am Deutschherrenberg. Das bewog die Winzer Albert und Sebastian Oberbillig ihren Betrieb noch einmal zu vergrößern. "1999 haben wir drei Parzellen neben dem Deutschherrenköpfchen dazu genommen, die zehn Jahre brach lagen. Neun Jahre später sind wir uns sicher, dass das unsere besten Lagen sind", sagt Sebastian Oberbillig.
Der Jung-Winzer, der seit zwei Jahren im elterlichen Betrieb arbeitet, bringt genügend Risikobereitschaft, vor allem aber Idealismus mit, um nun ein neues Projekt zu starten. Es heißt Deutschherrenköpfchen. Das nennt er seit Anfang 2007 sein Eigen, und so gibt es am Deutschherrenberg bis auf eine Lage keinen Wildwuchs mehr.
Seit 1868 ist das Deutschherrenköpfchen als erstklassige und teure Lage in der Klassifizierungskarte von Steuerrat Klotten vermerkt, der als königlich-preußischer Kataster-Inspektor in den 1860er Jahren die Mosel-Weinberge in Steuerklassen einteilte.
Damals gehörte der Weinberg der Winzerfamilie Zeimet, deren Villa vis-á-vis am Anfang der Olewiger Straße mit Blick auf die Besitzungen gelegen war, später gab es wechselnde Eigentümer und ab Mitte der 80er Jahre blieb das Deutschherrenköpfchen als Driesche verwaist liegen. Auch Richtung Universität und Richtung Irsch liegen viele Flächen brach. Bäume, alte Reben und Sträucher wuchern wild auf den Parzellen, dazwischen alte Pfähle und Drähte.
Aber seit Mitte 2007 ist am Deutschherrenberg viel passiert. Schweres Gerät rückte trotz der extrem steilen Hangneigung an, sorgte für den nötigen Kahlschlag. 150 Tonnen Kompost brachten Sebastian Oberbillig und seine Helfer ein, um den Boden mit hohem Steinanteil auf die neuen Pflanzen vorzubereiten.
Mittlerweile sind 5000 Reben eingesetzt worden. "Das ist eine Selektion aus 100-jährigen Reben. Die pflanzen wir heute wieder viel dichter hintereinander, da wir sehr kurzes Fruchtholz anschneiden", sagt Sebastian Oberbillig. So gibt es wenige Trauben pro Pflanze und niedrige Erträge, aber gehaltvolle Weine "mit Nervigkeit und Dichte".
Rund 30 000 Euro haben die Oberbilligs investiert. "Es ist eine langfristige betriebliche Entscheidung und man braucht einen langen Atem, bis sich der Erfolg einstellt", sagt der Nachwuchs-Winzer. Das Deutschherrenköpfchen macht zwar nur etwa vier Prozent der Weinbergs-Flächen in Olewig aus. Aber durch die prominente Lage an der Ortseinfahrt macht es in rekultiviertem Zustand in passabler Form Werbung für den ausgewiesenen Weinort der Stadt.