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Der Zustrom zu den Reisebüros in der Region Trier steigt wieder

Umfrage : Das Meer ruft – Nachfrage bei den Reisebüros in der Region wächst

Zwei Pandemie-Jahre lang war es nicht so einfach zu verreisen. Die Reisebüros haben gelitten. Nun scheint die Krise überwunden zu sein. Eine Umfrage in der Region.

„Die Leute sind sehr daran interessiert, die verlorenen Reisen der letzten Jahre nachzuholen“, sagt Winfried Bungert von Bungert Reisen in Wittlich. „Der Sommer lässt hoffen, dass die Branche in den gewohnten Bereich zurückgeht.“ Spanien und Griechenland seien derzeit beliebte Reiseziele, doch auch Kreuzfahrten würden wieder anziehen. Dort gebe es meistens noch eine Testpflicht vor Reiseantritt und teilweise auch noch eine Maskenpflicht in den Innenräumen. Durch die Pandemie wüssten viele Kunden lokale Reisebüros wieder mehr zu schätzen, sagt Bungert. Das liegt auch daran, dass sie ihren Kunden sehr mit den ganzen Einreiseformularen und QR-Codes in der letzten Zeit helfen konnten.

„Es war echt eine harte Zeit, aber wir haben uns von der Krise erholt. Die Branche ist wieder am Boomen“, sagt Simone Schmitz vom Reisebüro Holiday Land in Bitburg. Schon im letzten Sommer seien die Buchungen wieder angezogen. „Die Reisen werden nachgeholt. Wir verkaufen sehr viele Flugreisen, Bahnreisen, Städtereisen und Kreuzfahrten.“ Auch nach Fernreisen wie Amerika, Thailand oder der Karibik gebe es wieder eine Nachfrage. „In vielen Ländern besteht noch eine 3G-Einreiseregelung“, sagt Schmitz‘ Kollegin Tina Bermes. An Einreisebestimmungen sei aber noch keine Reise bei ihnen gescheitert.

„Nach zwei Jahren Pandemie wollen die Leute wieder reisen und ihren Urlaub genießen“, sagt Marcel Raskopp vom Prümer Reisebüro. „Wir merken die gestiegene Nachfrage. Jetzt geht es wieder bergauf.“ Das Reisen sei wieder leichter, Einschränkungen vielfach aufgehoben. Griechenland, Spanien, die Kanaren und Baleraren seien Top-Ziele. „Die Leute trauen sich auch wieder in die Ferne zu reisen“, so Raskopp. 

„Das Schreckgespenst Corona ist weg“, sagt Sabine Busch vom Gerolsteiner Reisebüro. „Da hat sicher auch die Impfung geholfen.“ Nun gebe es einen großen Nachholbedarf. „Es läuft sehr gut an, wir sind aber noch nicht wieder da, wo wir vor der Pandemie waren.“ Sie ist sich aber sicher, dass noch viele Buchungen kommen werden. Insbesondere Pärchen würden sich jetzt etwas gönnen, Familien hielten sich jedoch aufgrund gestiegener Kosten noch zurück. Das Kerosin sei teurer geworden, aber auch Hotels und Veranstalter würden nach zwei Jahren Flaute mehr Geld verlangen. Im Gerolsteiner Reisebüro sind Reisen auf die Malediven, zum Mittelmeer oder in die Türkei beliebt – aber etwa auch Rundreisen von Schottland über Irland nach Island. Manche Kunden würden mehr als vor der Pandemie darauf schauen, ob das Reiseziel überlaufen ist oder ob man seine Ruhe in der Natur habe, so Busch.

Michael Faber besitzt ein Reisebüro in Kastellaun und hat zum Jahresanfang das Reisebüro Friedrich in Bernkastel-Kues übernommen, nachdem der Inhaber in den Ruhestand gegangen ist. Zudem arbeitet Faber als Tourismusexperte und hilft anderen Reisebüros bei der Digitalisierung und dabei, durch die Krise zu kommen. „2020 bis 2021 hatten viele Reisebüros 70 bis 80 Prozent Umsatzeinbruch“, sagt Faber. Die Corona-Wirtschaftshilfen hätten immerhin viel aufgefangen. „Der Markt hat sich noch nicht wieder normalisiert“, sagt Faber, aber die Buchungen seien dieses Jahr früh angezogen. Nach zwei Jahren in der Pandemie wollten die Menschen wieder fliegen. „Die Frage ist aber, ob es für jeden etwas gibt.“ Nicht jedes Hotel hat schon wieder geöffnet. Und es sei fraglich ob jeder Reiseveranstalter genug Flugplätze eingekauft hat. In der Hochsaison könne es knapp werden, so Faber. Und die Preise seien gestiegen. „Auf Last-Minute-Angebote kann man nicht hoffen.“

Thomas Müller von Kylltal-Reisen in Trier sieht eine Renaissance der Reisebüros. „Durch die  Pandemie und komplizierte Einreiseformulare haben die Menschen wieder die Qualitäten eines regionalen Reisebüros schätzen gelernt.“ Ein Reisebüro unterscheide sich von einem Internetanbieter immer dann, wenn es Probleme gebe. Die Beratung sei im Internet gar nicht gegeben. „Insbesondere, was die Stornierungswelle betraf, wurden viele Menschen von Internetanbietern komplett alleine gelassen“, sagt Müller. „Unsere Kunden konnten uns immer anrufen, auch abends. Das  hat uns viele zurückgebracht, und wir konnten neue gewinnen.“

Die Pandemie erlebte Müller als Wechselbad der Gefühlte. Coronahilfen und gutes Wirtschaften zuvor hätten geholfen. „Wir konnten alle unsere Mitarbeiter halten und sind froh, die gewohnte Arbeit wieder aufnehmen zu können. Die Umsatzzahlen näherten sich nun wieder dem Vor-Pandemie-Jahr 2019 an. „Unsere Region ist schön“, sagt Müller. „Aber irgendwann hat jeder mal jeden Stein gesehen. Jetzt wollen die Menschen wieder fremde Sprachen hören, fremde Kulturen kennenlernen und fremde Speisen essen – oder einfach einen schönen Badeurlaub mit garantierter Sonne haben.“