Deren zehn und ihrer 20

Auf dem Wochenmarkt zeigt eine Käuferin auf die Gurken und sagt zur Marktfrau: "Geben Sie mir bitte deren zehn", und erklärend fügt sie hinzu "es sind ihrer 20, für die ich Salat zubereiten möchte." Die Marktfrau denkt beim Bedienen: "Wie reed dann die?" (Wie spricht denn diese Frau?)Recht hat sie, denn so spricht heute kein Mensch mehr.

Redewendungen wie "deren zehn" oder "ihrer 20" sind längt veraltet, und wir verbinden solche Äußerungen mit dem 18. oder 19. Jahrhundert.
Aber jetzt kommt die Überraschung: In etwas verstümmelter Form tauchen diese Formulierungen noch heute in unserer Mundart auf.
Wäre es nämlich eine Käuferin gewesen, die Trierisch spricht, hätte sich die Marktfrau überhaupt nicht gewundert, Folgendes zu vernehmen: "Gänn se mer-er zien!" und "ett söönn-erer zwanzisch, wu eisch Zalaot fir maache moss."
Das ist ganz normales Trierisch, so wie es jeden Tag gesprochen wird. Durch sprachliches Abschleifen ist lediglich aus dem deren ein er geworden und aus dem ihrer ein erer. Die Satzkonstruktion ist aber die gleiche geblieben wie vor alten Zeiten.
Weitere Beispiele gefällig?
Erst hammer mött drei Toor geführt, dann hammer-er aawer noch siewe rönnkriet. (Erst haben wir mit drei Toren geführt, dann haben wir deren aber noch sieben rein bekommen.) Hei öss jao e Steinpilz. Ao, hei sönn-erer naoch vill mie! (Hier ist ja ein Steinpilz! Oh, hier sind ihrer noch viel mehr.) Kaffie öss-es genooch fir all. (ausreichend Kaffee ist für alle da.) Här Schandarm, lao hönne laafen se, ett waoren-er drei. (Herr Wachtmeister, da hinten laufen sie, es waren deren drei.)
Gehen wir noch mal zurück zum Wochenmarkt. An einem anderen Stand hören wir eine weitere Variation unseres Themas: "Vierisch Woch haonn eisch frösche Knowelaoch bei eisch kaaft. Haott er dääs heit och dao?" (Vergangene Woche habe ich frischen Knoblauch bei Ihnen gekauft. Haben Sie solchen auch heute da?). "De Aajer lao hönnen sönn e bössi klaan. Gött ett däärs och grießeren?" (Die Eier dort hinten sind ein wenig klein. Gibt es deren auch größere?)
Noch Beispiele?? Eisch maanen, ett sönn-erer wei genooch!
Die besten Kolumnen von Horst Schmitt und Josef Marx sind in dem Buch "Milljunen Leit - mindestens drei" nachzulesen, das im Trierer Verlag Michael Weyand erschienen ist. Das Buch ist für 11,95 Euro im Trierer Handel erhältlich und im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund-shop.de" text="www.volksfreund-shop.de" class="more"%>.