Des Bistums neue alte Vorzeigekirche

Des Bistums neue alte Vorzeigekirche

Pastor Ehlen spricht von einer "Sternstunde für die Pfarrei, für das ganze Bistum": Nach vierjähriger Innenrenovierung wird die Liebfrauenbasilika am Sonntag feierlich wiedereröffnet. Das Großereignis macht selbst den Dom zum Nebenschauplatz: Das Pontifikalamt wird mit Bild und Ton in die Kathedrale übertragen.

Trier. "Ja", gibt Pastor Hans Wilhelm Ehlen (68) zu, manchmal hätten ihn durchaus Zweifel geplagt, ob ihm das Projekt Liebfrauen nicht vielleicht über den Kopf wachsen würde. Die Innenrestaurierung entwickelte mehrfach eine bedrohliche "Fass ohne Boden"-Dynamik: größere Schäden als erwartet, wacklige bis ungesicherte Finanzierung und dergleichen Überraschungen mehr. Als Mutmacher erwies sich die Entstehungsgeschichte des Gotteshauses. Als Triers Erzbischof Theoderich II. von Wied, quasi der Promotor und Hauptsponsor des 1127 begonnenen ehrgeizigen Vorhabens, 1142 starb, kam es vorübergehend zum Baustopp. Erst dank freundlicher Unterstützung des Erzbistums Köln, das eine Kollekte gestattete, ging es weiter auf der Großbaustelle neben dem Trierer Dom.
Neuzeitliche Kollekten bringen bei weitem nicht mehr so viel ein wie im Mittelalter. Als externer Retter in der Finanznot erwies sich diesmal vor allem der Bund. Berlin steuerte aus diversen Programmen insgesamt 1,5 Millionen Euro bei, die eine Komplementärfinanzierung durch Land und Stadt nach sich zogen. Damit war das ansonsten vorwiegend von Bistum und Pfarrgemeinde, aber auch durch private Spenden unterstützte Vorhaben "weitgehend unter Dach und Fach". Die insgesamt sieben Millionen Euro Kosten sind immer noch nicht ganz gedeckt: "Wir sammeln weiter Spenden", sagt Ehlen. Am Sonntag dürfte sich so mancher Geldbeutel öffnen. Aus besonderem Anlass und zur Feier eines besonderen Tages. Nach vier Jahren Baustellen-Pause wird sie wiedereröffnet, die Liebfrauenbasilika, die Hausherr Ehlen als "erlesenes Juwel gotischer Baukunst" und "an Schönheit unübertroffen" bezeichnet.
Ausgerechnet dieses Gotteshaus, das die französischen Baumeister, die zuvor an der Kathedrale in Reims tätig gewesen waren, auf dem kühnen Grundriss einer zwölfblättrigen Rose errichtet haben, wollte Napoleon abreißen lassen. Wie so viele Kirchen und Klöster. Ein Tauschgeschäft rettete die Liebfrauenbasilika. Sie wurde von einer Zentral- in eine Pfarrkirche umfunktioniert. Stattdessen fiel St. Laurentius (angebaut an die Konstantin-basilika) vor 200 Jahren der Spitzhacke zum Opfer.
1944 entkam Liebfrauen nur ganz knapp der Komplett-Zerstörung: Bomben durchschlugen das Dach, Granaten die Wände. Die Ausbesserungsarbeiten der Nachkriegszeit sind strenggenommen erst jetzt abgeschlossen: "Wir haben das Kircheninnere vom Ruß und Staub der Jahrhunderte befreit, aber auch gravierende Schäden repariert, deren Ausmaß sich erst bei der Innenrestaurierung gezeigt hat."
751 Jahre nach Baubeginn und 25 Jahre nach der Ernennung zur Weltkulturerbestätte strahlt die Liebfrauenbasilika in neuem Licht - so hell, wie seit vielen Generationen nicht mehr. Ehlen nennt die Wiedereröffnung eine "Sternstunde" nicht nur für die Pfarrei Liebfrauen, sondern für das ganze Bistum. Ein Ereignis, "wie es vielleicht nur alle 30, 40 Jahre zu erleben ist." Ein bemerkenswerter Vergleich: Die letzte Kirchen-Wiedereröffnung ähnlichen Kalibers war die des restaurierten Doms am 1. Mai 1974.
Info: Programm


Die Wiedereröffnung der Liebfrauenbasilika am Sonntag, 4. September, beginnt um 14.45 Uhr mit einer Prozession von Geistlichen, Messdienern und Fahnenträgern von St. Gangolf über den Hauptmarkt und den Domfreihof. Das Pontifikalamt (15 Uhr, Einlass ab 14 Uhr) können 500 Besucher in Liebfrauen erleben. 1000 weitere Plätze stehen im Dom zur Verfügung; dort ist die Messe auf einer zwölf Quadratmeter großen Leinwand zu sehen. Weitergefeiert wird auf dem Domfreihof in einem 700 Menschen fassenden Festzelt. Der Empfang dort beginnt um 17.30 Uhr. Zum Abschluss der Wiedereröffnungsfeier steht um 21 Uhr das Marienlob in Liebfrauen auf dem Programm. Das SWR Fernsehen zeigt am 11. September, 18.45 Uhr, den Film "Rose aus Stein". Die 30-minütige Sendung dokumentiert die Restaurierung. Der Film wird erstmals öffentlich am 8. September in der Liebfrauenkirche gezeigt (Beginn 20 Uhr, Einlass 19.30 Uhr). Wer bei der Premiere dabei sein will, muss vorab reservieren (Telefon 06131/929 2739).

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