Des Kaisers Füße auf Wanderschaft

Des Kaisers Füße auf Wanderschaft

Die sechs kolossalen Konstantin-Füße bleiben Trier erhalten. Vier von ihnen müssen allerdings den Standort wechseln. Sie zieren künftig das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, das Brüderkrankenhaus, die Stadtwerke-Zentrale und den Innenhof des Kurfürstlichen Palais.

Trier. Zwei Meter lang, 1,50 Meter hoch und samt Betonsockel rund drei Tonnen schwer: Des Kaisers Füße sind wahrhaft kolossal. Acht originalgetreue Kopien des linken Fußes der Konstantin-Sitzstatue aus dem 4. Jahrhundert haben Restauratoren des Rheinischen Landesmuseums im Frühjahr 2007 gefertigt.Sechs von ihnen befinden sich in Trier und sollen auch weiterhin in der Stadt bleiben, in der Konstantin die ersten Jahre seiner Herrscherkarriere (306 bis 337) residierte.

Eckart Köhne (41), Chef der Konstantin-Ausstellungs-Gesellschaft, hatte die Qual der Wahl. Rund 30 Interessenten wollten einen der Werbe- und Sympathieträger der 2007er Landesausstellung, fast die Hälfte davon aus überregionalen Gefilden. In Abstimmung mit der Stadt fiel die Entscheidung nun aber zugunsten von Bewerbern aus Trier sowie Konz. "So hat die Region eine dauerhafte Erinnerung an die erfolgreiche Konstantin-Ausstellung", betont Köhne.

Aber erst einmal begeben sich die meisten der schwergewichtigen Treter auf Wanderschaft. Denn dort, wo sie jetzt stehen, können sie nicht dauerhaft bleiben. Die Exemplare vom Kornmarkt, der Porta Nigra oder dem Hauptbahnhofs-Vorplatz erhalten in den kommenden Wochen neue Standorte. Sie gehen an die Brüderkrankenhaus-Fußklinik, die Stadtwerke (die ihre Zentrale in der Ostallee damit zieren wollen) und an das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (FWG). Dessen Leiter Harald Heim zeigt sich "sehr erfreut" und betrachtet das Geschenk der Ausstellungsgesellschaft auch als Würdigung für die zahlreichen Projekte seiner Schule im Konstantin-Jahr. Der FWG-Fuß soll vor dem Haupteingang an der Olewiger Straße stehen.

Lediglich die Exemplare am Rheinischen Landesmuseum (Weimarer Allee) und am neuen Kaiserthermen-Eingangsgebäude (Palastgarten) können an Ort und Stelle bleiben. Der von den Kaiserthermen ist gewissermaßen ein "zurückgeschenktes Geschenk": Den dortigen Fuß hatten Stadt und Land dem Planer des Entree-Gebäudes, Oswald M. Ungers, zugedacht. Die Familie des im vergangenen Oktober 81-jährig verstorbenen Star-Architekten belässt das schwergewichtige Präsent an seinem bisherigen Standort und dokumentiert damit Ungers' Verbundenheit mit Trier und seinen römischen Monumenten.

Ebenfalls nicht umziehen muss Fuß Nummer sieben: Der ist inzwischen in den Besitz des Mainzer Landtags übergegangen, auf dessen Gelände er dauerhaft bleiben kann. Ganz neu in Konstantin-Fuß-Genuss kommt die Stadt Konz. Sie erhält bereits in Kürze ein Exemplar für ihre Kaiservilla. Künftig in die Röhre schauen müssen hingegen die Monschauer. Sie hatten als Leihgabe den zweimal reparierten Fuß erhalten, der ursprünglich auf dem Konstantin-Basilika-Vorplatz stand und dort von Unbekannten schwer beschädigt worden ist. Der kehrt nun ganz in die Nähe das alten Standorts zurück - in den Innenhof des Kurfürstlichen Palais, Sitz der Aufsichts- und Dienstleistungs-Direktion Trier (ADD). Geld fließe nicht, betont Köhne: "Die Ausstellungsgesellschaft verschenkt die Füße in gute Hände."

Ein Verkauf würde zudem der Kooperation mit den Kapitolinischen Museen zuwiderlaufen, mit deren Segen und auf der Basis von 3D-Laserscanning erstmals detailgetreue Kopien angefertigt wurden.

Verständlich, dass man es sich nicht unnötig mit Rom verscherzen will. Weiteres Resultatat dieser trierisch-römischen Zusammenarbeit ist die originalgetreue Nachbildung des drei Meter hohen Kopfes der Marmorstatue. Dieser imposante Bestandteil der Konstantin-Ausstellung ist voraussichtlich noch bis Ende Juli im Rheinischen Landesmuseum zu bewundern.

Neuer Konstantin-Kopf fürs Landesmuseum?

Anschließend soll sie in Rom das Wind und Wetter ausgesetzte Original ersetzen. Köhne: "Wir hoffen, dass es uns gelingt, die Entscheidung für die Produktion einer weiteren Kopf-Kopie herbeizuführen." Die soll dauerhaft im Landesmuseum gezeigt werden, in dem Köhne ab 1. April den Direktoren-Posten bekleidet.