Diätplan für das Osburg-Projekt
Ein von der Verbandsgemeinde (VG) Ruwer eingereichter Entwurf für eine Multifunktions-Halle wurde von der Landesregierung als zu umfangreich verworfen. Nun soll eine abgespeckte Version ins Rennen um die staatlichen Fördergelder geschickt werden.
Waldrach/Osburg. Mit der Mehrheit von CDU und FWG hatte der Verbandsgemeinderat Ruwer Ende Juni beschlossen, in Mainz einen Förderantrag zu stellen. Als Grundlage diente der Vorentwurf eines groß dimensionierten und auf rund sechs Millionen Euro veranschlagten Komplexes. Der Entwurf des Kaseler Architektenbüros Stein + Hemmes sowie vier Entwürfe anderer Architekten waren dem VG-Rat ohne Vorentscheidung des Bauausschusses vorgestellt worden. Auch eine Überprüfung der Alternativentwürfe durch ein unabhängiges Expertengremium hatte eine Ratsmehrheit als nicht notwendig erachtet - der Hauptgrund, weshalb die Fraktionen von SPD und Grünen die Entscheidung letztlich nicht mittragen wollten. Um das Projekt realisieren zu können, sei mindestens eine 60-prozentige Landes-Förderung erforderlich, hieß es in der Sitzung im Juni. Bürgermeister Bernhard Busch schloss damals sogar eine Förderung von bis zu 80 Prozent nicht aus. Eine erhebliche Fehleinschätzung, wie inzwischen feststeht. Mainz lehnt eine Förderung des Projekts in den skizzierten Ausmaßen ab. "Ein Projekt dieser Größenordnung ist an diesem Standort nicht förderfähig", heißt es auf Anfrage aus dem Mainzer Innenministerium.Um eine Grundlage für einen neuen Vorstoß in Mainz zu erhalten, hat das Büro Stein + Hemmes den Vorentwurf nun in drei Punkten deutlich abgespeckt. Die Fotovoltaikanlage auf dem Hallendach soll entfallen oder von einem privaten Investor finanziert werden. Das Foyer und die Ausstellungsflächen zwischen den beiden Hauptgebäuden sollen deutlich verkleinert werden.Verzicht auf eine Reihe von Nebenräumen: Standorte für Jugendraum und Mehrzweckraum finden sich auch anderswo im Ort. Gastronomieangebote sind in Osburg ohnehin schon vorhanden. Nach Auffassung von Architekt Thomas Hemmes lassen sich so 800 000 bis 900 000 Euro einsparen. Dadurch könnte das Projekt wieder in den förderfähigen Bereich gelangen. Diese Überarbeitung weckt allerdings auch Kritik in politischen Kreisen, denn dies sei ohne Auftrag und Abstimmung des Verbandsgemeinderates geschehen. Bürgermeister Busch und Osburgs Ortsbürgermeister Werner Mergens (FWG) geben sich weiter zuversichtlich, das Projekt noch vor Jahresende ans Laufen zu bringen. Mergens: "Wir stehen weiter in engem Kontakt mit Mainz und hoffen, das Ding bald hinzukriegen." Die einst anvisierte 80-prozentige Förderung scheint indessen begraben zu sein. "Wenn es 70 Prozent würden, wären wir auch zufrieden", sagt Mergens. Den Rest bekäme man dann schon geschultert. Meinung Dann mal auf ein Neues Sehr, sehr eilig entschied der Verbandsgemeinderat im Juni, einen Förderantrag für ein Sechs-Millionen-Projekt in Osburg zu stellen. Daraufhin war an dieser Stelle vor der Stolpergefahr ob des rasenden Galopps gewarnt worden. Nun liegen die Gäule tatsächlich schon im Graben, und es wird versucht, Schadensbegrenzung zu betreiben. Ob sich die Mainzer wohl von den Einsparbemühungen beeindrucken lassen und ihre Schatulle öffnen? Man wird ja sehen, ob wirklich eine 70-Prozent-Förderung dabei herausspringt. Auch wird man sehen, ob die Sache am Ende auf Biegen und Brechen "geschultert" wird für den Fall, dass es nur 30 Prozent oder noch weniger Förderung geben sollte. An der bedenklichen Vorgehensweise in der Sache hat sich indessen nichts geändert: Es fehlt eine detaillierte Nutzungsanalyse für so ein Projekt, eine neutrale Überprüfung der Alternativentwürfe scheint immer noch verzichtbar, und die Frage der späteren Folgekosten gilt wohl als Tabuthema. f.knopp@volksfreund.de