Diagnose auf dem Bildschirm

TRIER. Mal eben die Bremsbeläge tauschen? In vielen Fällen muss erst die Bremsanlage deaktiviert werden; später muss eine Grundeinstellung durchgeführt werden: Rein mechanische Lösungen gibt es im KFZ-Gewerbe kaum noch.

Bereits seit zwei Stunden macht sich Werner Ring an dem dunklen BMW zu schaffen. "Er geht ab und zu aus, wenn ich zehn Kilometer fahre", sagte die Kundin. Der KFZ-Servicetechniker vom "Autoland" beginnt mit einer grundsätzlichen Untersuchung des Motors und des Ansaugsystems. Moderne Geräte unterstützen ihn bei seiner Tätigkeit. Fehlersuche beansprucht die meiste Zeit

"Die Elektronik hat einen Fehler-Code ausgelesen, aber der könnte ja auch eine Folge des ursprünglichen Fehlers sein", meint Werner Ring schließlich. Auf dem Bildschirm des Diagnosegerätes ist eine genaue Abbildung des Motorraums zu sehen. Ein kleiner Pfeil blinkt. "Der Diagnosestecker ist rund und 19-polig", informiert das Programm. Jede Marke hat ihren eigenen. Werner Ring bespricht das Problem mit seinem Meister Harald Zirbes. Eines ist klar - ob sie den Fehler finden oder nicht: Die vollen Stunden können sie der Kundin nicht berechnen. "Mittlerweile verbringen wir die überwiegende Zeit mit der Fehlersuche", sagt Zirbes. "Das liegt an der höheren Technik, die heutzutage verbaut ist." Er kennt den Beruf des KFZ-Mecha(tro)nikers seit bald 30 Jahren. Nach der Ausbildung beim Autohaus Haack in Trier leitete er eine Instandsetzungsgruppe bei der Bundeswehr in Hermeskeil, absolvierte eine sechsmonatige Meisterschule in Frankfurt. "Die Arbeit ist heutzutage stressiger und anspruchsvoller als früher", beobachtet Harald Zirbes. "Das ist eine ganz andere Welt, als noch in den 80er-Jahren", bestätigt sein Geselle Werner Ring. Die Werkstatt verfügt über ein Testgerät für die Elektronik, Kostenpunkt 30 000 Euro aufwärts. Es verfügt über einen Drucker und ist direkt ans Internet anschließbar. Nur so kann bei Fahrzeugen verschiedener Art die systematische Fehlersuche betrieben werden. Zahlreiches Spezialwerkzeug kommt hinzu. "Wirtschaftlich lohnt sich das kaum, doch es wird benötigt", sagt Harald Zirbes. "Früher haben wir es nicht in dem Umfang gebraucht." Der Erfolgsdruck nahm in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu: "Das Schnelle und das Günstige - obwohl manchmal der falsche Weg", meint Zirbes. "Reparaturen sind einfach teurer geworden. Oft werden ganze Komponenten ausgetauscht, ob beim Anlasser, der Kraftstoffpumpe oder der Lichtmaschine." Für den Endverbraucher sei dies von Vorteil, meint der Meister im KFZ-Techniker-Handwerk. "Es gibt zwei Jahre Garantie auf Austauschartikel. Vor Jahren habe ich selbst eine Lichtmaschine repariert, der Aufwand war sehr hoch." Verarbeitet werden Original-Markenersatzteile, auch Gebrauchtteile.Weiterbildung zum Service-Techniker

Auszubildender Giovanni Fuschi ist erst seit wenigen Tagen dabei, geht Werner Ring zur Hand. "Ich hab' immer gern an meinem Auto herumgebastelt und technische Sachen eingebaut", lacht er. Ein Praktikum hatte er im "Autoland" bereits absolviert, es gefiel ihm sehr gut. Werner Ring kann auf über 25 Berufsjahre zurückblicken. "Ich habe KFZ-Mechaniker gelernt. Die Weiterbildung zum Servicetechniker habe ich angefangen, um mehr Einblick in die Elektronik zu bekommen", berichtet er. Wie der typische Alltag in einer KFZ-Werkstatt aussieht? "Routinearbeiten, Inspektion, Bremsen. Oder eben ein Problem! Da geht dann Zeit drauf."