Diagnose: Fortschreitender Ärztemangel

Trier/Hermeskeil · Mit Hilfe einer wissenschaftlichen Studie wollen die Stadt Trier und der Kreis Trier-Saarburg Erkenntnisse über die künftige medizinische Versorgung in der Region gewinnen. Die Daten sollen die Basis für eine Strukturplanung sein.

Die Kosten der medizinischen Versorgung steigen, gleichzeitig wird es immer schwieriger, niedergelassene Ärzte und Krankenhausärzte zu finden. Das gilt insbesondere für ländliche Gebiete wie die Region Trier. Vor diesem Hintergrund wollen die Stadt Trier und der Kreis mit Hilfe einer Studie erkunden, wie sich Angebot und Nachfrage im medizinischen Bereich entwickeln werden. Die Zeit drängt, denn die Menschen werden immer älter und sind demzufolge auch häufiger auf ärztliche Hilfe angewiesen.

Das Forschungsprojekt, das in Zusammenarbeit mit der Uni Trier, dem Gesundheitsamt und der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz auf den Weg gebracht wird, soll in eine Strukturplanung münden.

Die Stiftung "Zukunft in Trier-Saarburg" hat für die Studie 20 000 Euro bereitgestellt, die Stadt Trier steuert 14 000 Euro bei. Die Laufzeit des Projekts ist auf 16 Monate angelegt. Auch eine repräsentative Befragung der Bevölkerung ist geplant. Ferner sollen die Bürgermeister und Ortsbürgermeister im Kreis sowie die Ortsvorsteher in Trier um eine Einschätzung gebeten werden. "Wir brauchen kleinräumig aufgearbeitete Daten", sagt der Soziologe Rüdiger Jacob von der Uni Trier. Nachholbedarf gebe es insbesondere darin, wie die Bevölkerung die Lage einschätze und wie die Verkehrsanbindungen zu den Ärzten seien.

Schwerpunktmäßig geht es bei der Studie um die haus- und fachärztliche Versorgung, um Angebote in den Bereichen Geriatrie (Altersheilkunde), Psychiatrie und Palliativmedizin. Aber auch der ärztliche Bereitschaftsdienst und die Notarztversorgung sollen berücksichtigt werden. Die Studie soll ferner Anregungen enthalten, wie der medizinische Nachwuchs verstärkt dafür gewonnen werden kann, sich im ländlichen Raum niederzulassen.

In Stadt und Kreis sind bereits heute 45 Prozent der niedergelassenen Hausärzte älter als 55 Jahre. Bis 2020, so die Prognose, wird mit einem Rückgang der Hausärzte in der Stadt Trier von fünf bis zehn Prozent gerechnet, im Kreis Trier-Saarburg sind es sogar zehn bis 15 Prozent. Weil die niedergelassenen Ärzte schon heute Probleme haben, den Bereitschaftsdienst aufrechtzuerhalten, gibt es zunehmend Bereitschaftsdienstzentralen (Beispiel Mutterhaus Trier und Kreiskrankenhaus Saarburg).

Meinung : Mehr Geld und Fürsorge
Wenn nichts passiert, schliddern wir bei der medizinischen Versorgung in ein Desaster. Die Schere geht immer weiter auseinander: Auf der einen Seite fehlen Ärzte, werden Praxen dichtgemacht, auf der anderen Seite wird die Bevölkerung immer älter und muss häufiger zum Arzt. Um diese Erkenntnisse bestätigt zu bekommen, braucht man allerdings kein Geld für eine Studie auszugeben. Daten liegen hinreichend vor, etwa im Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigung. Wichtig ist jetzt vor allem, dass diesen Erkenntnissen auch Taten folgen. Ob dem drohenden Ärztemangel wirksam entgegengesteuert werden kann, wird entscheidend davon abhängen, ob man junge Mediziner für ein Arbeiten in der Provinz begeistern kann. Das gilt für Hausärzte und Krankenhausärzte gleichermaßen. Und hier sind es insbesondere zwei Stellschrauben, an denen gedreht werden muss: ein besserer Verdienst und bessere Arbeitsbedingungen. So lange unbezahlte Überstunden, Stress und die Überfrachtung mit administrativen Tätigkeiten an der Tagesordnung sind (die gehen ja letztlich auch zulasten der Patienten), wird man das Abwandern vieler Mediziner ins Ausland nicht aufhalten können. a.follmann@volksfreund.de

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