Dialog der Kulturen

TRIER. (red) Das Thema "Die Zukunft der Beziehungen zwischen Europa und der islamischen Welt" trug der Islamwissenschaftler Professor Elsayed Elshahed am Auguste-Viktoria-Gymnasium vor.

Der ägyptische Islamwissenschaftlers Professor Elsayed Elshahed hat vor Schülern der 12. und 13. Jahrgangsstufe des Auguste-Viktoria-Gymnasiums einen Vortrag gehalten. Der Leiter der "Islamischen Akademie" in Wien promovierte und habilitierte in Deutschland. Aufgrund einer Vermittlung des Trierer Soziologen Professor Bernd Hamm sprach er in der Aula der Unesco-Projekt-Schule über "die Beziehungen zwischen Europa und der islamischen Welt". "Unverblümt" wollte Elshahed sprechen und appellierte daher an die Zuhörer, die Geschichte anstatt aus eurozentrischer Sicht einmal aus islamischer Perspektive zu betrachten. Anstelle von Gegensätzen sollten sie nach Gemeinsamkeiten der Kulturen suchen. Aus seiner Sicht werde der Islam in Europa als militant missverstanden. Der Wissenschaftler entwarf im Gegensatz zu dem von westlichen Medien geprägten Bild ein Porträt der Toleranz. Mit historischen Exkursen, beginnend beim Propheten Mohammed, beschrieb er eine Kultur, die alle Religionen anerkennt und mit Juden und Christen den monotheistischen Glauben teilt. Eine Kultur, die wie die europäische auf der Kenntnis der griechischen Philosophen basiert. Als Beispiel einer geglückten Koexistenz von Muslimen, Juden und Christen auf hohem kulturellem Niveau schilderte er die im achten Jahrhundert beginnende arabische Herrschaft in Südeuropa. Er konfrontierte die Schüler mit geschichtlichen Ereignissen aus einer für sie neuen Perspektive. So beleuchtete er die Inquisition, die Kreuzzüge und die Kolonialzeit aus islamischer Sicht als dunkle Kapitel europäischer Intoleranz. Die anschließend engagiert und kontrovers geführte Diskussion reichte von der Einschätzung der El-Kaida und Osama bin Ladens über seine eventuelle Verbindung zu Saddam Hussein bis zur Haltung Deutschlands im Nahostkonflikt. Die schwierige Trennung von Juden und Zionisten, Israel und der Regierung Sharons, die Pflicht der Muslime zur Verteidigung gegen Angriffe sowie die Theorie des Korans und der Praxis der Scharia führte er ebenso aus wie die verzerrte Darstellung in westlichen Medien. Dabei wurde einerseits deutlich, wie schwierig es ist, ohne Ressentiments miteinander zu reden, andererseits aber auch, dass es auf dem Weg zur Verständigung "keine Alternative zum Dialog" gibt, wie es Schulleiter Wolfgang Hallet in seinem Dank formulierte.