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Dicke Luft beim Recycling im Hafen

Dicke Luft beim Recycling im Hafen

Die Eu-Rec GmbH in Trier ist verantwortlich für die übel riechende Flüssigkeit, die am Samstag in die Mosel geflossen ist. Das bestätigt Geschäftsführer Willi Streit gegenüber dem TV. Noch sieht er es aber nicht als erwiesen an, dass seine Firma auch den strengen Geruch verursacht, unter dem seit Wochen viele Pfalzeler leiden.

Trier. Eine Recyclingfirma im Trie rer Hafen steht in der Kritik. Die 1995 gegründete Eu-Rec GmbH ist auf die Verwertung und Aufbereitung von Altpapier und Kunststoff spezialisiert. Ihre Produktionsprozesse sollen den Übelkeit und Schwindel erregenden Geruch erzeugen, der viele Anwohner des benachbarten Stadtteils Pfalzel immer wieder quält (der TV berichtete). Geschäftsführer Willi Streit sieht diesen Vorwurf noch nicht als bestätigt an, will den Pfalzelern aber entgegenkommen und ein Ingenieurbüro beauftragen, die Lage zu untersuchen.
"Aber natürlich kommt es meistens doppelt", sagt der Chef der Eu-Rec im Gespräch mit dem TV. Während die Debatte über die Geruchsbelästigung in Pfalzel noch in vollem Gang ist, verursacht eine Havarie auf dem Gelände der Recyclingfirma am Samstag eine Verschmutzung der Mosel. "Das stimmt", bestätigt Streit. "Ich stehe dazu und übernehme die Verantwortung."
Laut Mitteilung der Feuerwehr ist eine dunkle, stinkende Flüssigkeit aus einem Rohr in der Nähe eines asphaltierten Feldwegs auf Höhe der Straße Mittelweg in die Mosel geflossen. "Das waren etwa vier Kubikmeter Waschwasser", erläutert der Eu-Rec-Geschäftsführer. "Sie sind durch eine Fehlbedienung in die Mosel geleitet worden. Das war menschliches Versagen." Die Staatsanwaltschaft hat den Fall übernommen, hat aber laut Mitteilung des Leitenden Oberstaatsanwalts Peter Fritzen bisher keine konkreten Ermittlungsergebnisse. Streit: "Es ist nun mal passiert. Wir stellen uns den Konsequenzen." Die Feuerwehr hatte die Brühe mit Ölsperren gestoppt.
Doch der Gestank in Pfalzel ist eine andere Geschichte. Seit Wochen sprechen Anwohner von einem Geruch in ihrem Stadtteil, der Schwindel und Übelkeit auslöse. Der Verursacher sei die Eu-Rec GmbH, das steht für viele Pfalzeler fest. "Der Geruch kommt von der Firma, das kann nicht abgestritten werden", schreibt Pfalzels Ortsvorsteherin Margret Pfeiffer-Erdel auf Facebook. Auch Hans-Jürgen Wirtz, der Vorsitzende des Bürgervereins Pfalzel, hält die Eu-Rec für den Verursacher.
Am Montag trafen sich Willi Streit, Hans-Jürgen Wirtz und Margret Pfeiffer-Erdel zu einem Ortstermin auf dem Firmengelände. Dabei zeigte der Firmenchef laut Mitteilung der Ortsvorsteherin die Bereitschaft zur Kooperation. "Herr Streit wirkte sehr offen und entgegenkommend, das Gespräch war sehr ruhig und sachlich", sagt Pfeiffer-Erdel. "Er hat uns auch schon konkrete Schritte zugesagt, um die Lage zu verbessern."
Diese Aussage relativiert der Geschäftsführer im Gespräch mit dem TV. "Meine Zusagen an Frau Pfeiffer-Erdel und Herrn Wirtz sind keineswegs als Schuldeingeständnis zu verstehen", betont Streit. "Ich bin noch nicht überzeugt davon, dass wir die Verursacher dieses Gestanks sind. Aber ich will es wissen."
Der Eu-Rec-Chef kündigt an, seine Firma werde ein Ingenieurbüro beauftragen, die Lage zu überprüfen. "Schließlich produzieren wir schon seit vielen Jahren in Trier."
Der Geruch trat aber laut übereinstimmender Auskunft der Anwohner erst 2013 zum ersten Mal auf. Aktuell rieche es seit Anfang Juni besonders schlimm. Streits Fazit: "Es ist theoretisch möglich, dass der Geruch von uns kommt, denn der gelbe Sack hat seinen eigenen Geruch. Aber es muss nicht zwangsläufig so sein. Ich möchte das überprüfen." Schließlich trete der Gestank nur punktuell auf. "Dafür könnte auch ein weiter weg liegender Betrieb verantwortlich sein." Namen will Streit nicht nennen.
Sollte das beauftragte Büro die Eu-Rec als Schuldigen benennen, will Streit sofort die Konsequenzen ziehen. "Wenn das wirklich von uns kommt, dann ist das eben so und wird auch sofort in Angriff genommen."Meinung

Mutiger Schritt der Firma
Ein Geruch, der Übelkeit und Schwindel auslöst, ist ein vollkommen unzumutbares Minus an Lebensqualität, auch wenn er nur punktuell auftritt. Mit ihrer völlig berechtigten Forderung, diesen Missstand abzustellen, treffen die Menschen in Pfalzel auf eine Firma, die dem Problem mit einer ebenso seltenen wie erfreulichen Offenheit begegnet. Die Eu-Rec GmbH zeigt ihren Kritikern das Betriebsgelände und die Produktion und will aus eigenem Antrieb - und auf eigene Kosten - die Ursachenforschung unterstützen und ein externes Ingenieurbüro mit einer Untersuchung beauftragen. Ein mutiger Schritt der Recyclingfirma, der die in solchen Fällen immer sehr schwierigen Ursachenforschungen und Ermittlungen der zuständigen Behörden entscheidend beschleunigen kann. Die Frage, warum eine seit Jahren laufende Produktion erst seit Wochen so übel riecht, ist legitim und muss beantwortet werden. j.pistorius@volksfreund.deExtra

Die Wiederverwertung von Altpapier und Kunststoffen ist ein Geschäft, das oft dicke Luft verursacht - im wörtlichen ebenso wie im übertragenen Sinn. Die Ausdünstungen von Recyclinggeländen sorgen bundesweit immer wieder für Proteste von Anwohnern, denen der Wind den Geruch in Haus und Garten bläst. Da hilft auch das Grundsatzargument nicht mehr, die Verarbeitung von Recyclingmaterial als Ausgangsstoff für neue Tüten, Flaschen oder andere Plastikgegenstände spart Rohstoffe und schont die Umwelt. Klare behördliche Eingriffe und Maßregelungen gibt es kaum. In den meisten Fällen können die kritisierten Betriebe nachweisen, dass ihre Produktionsanlagen regelmäßig behördlich überprüft werden und den genehmigungsrechtlichen Anforderungen entsprechen. Geruchsemissionen gibt es trotzdem immer wieder. Oft gründen sich Bürgerinitiativen, und auch die Behörden greifen ein und sammeln Daten. Das allerdings dauert oft Monate, und das Ergebnis ist in vielen Fällen das Zugeständnis: "Stimmt, ihr habt recht. Hier stinkt\\'s." Wie der Gestank verschwinden soll, bleibt oft aber offen. jp