Dickes Ding rasch im Griff

Gesprächsthema und Neugierde, aber weder Panik noch Angst: Der Fund und die Entschärfung einer Fünf-Zentner-Fliegerbombe am Ortsrand von Walsdorf gestern Nachmittag verliefen ebenso reibungslos wie die Evakuierung von 150 Dorfbewohnern. Nach 20 Minuten war der Spuk vorbei, die Sperrung der B 421 aufgehoben.

Josef Schmimmels (Bild links) begutachtet die entschärfte Fünf-Zentner-Bombe, über deren Fundort er die Leute vom Räumkommando wie Willi Wehrhausen (Bild rechts) informiert hatte. Während der Entschärfung wurde die Ortsdurchfahrt Walsdorf der B 421 für eine gute halbe Stunde gesperrt. TV-Fotos: Gabi Vogelsberg (2), Mario Hübner (1)
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Walsdorf-Zilsdorf. "Ich hab' dem Mann, der das Buch über die V1 geschrieben hat, von der Bombe hier in der Wiese erzählt und der hat es dann gemeldet", erklärt Josef Schimmels aus Zilsdorf. Der 72-jährige Zeitzeuge kann sich noch ganz genau an den Angriff der amerikanischen Streitkräfte vor 64 Jahren erinnern. Auf den Quadratmeter genau zeigt Schimmels den Leuten vom Kampfmittelräumdienst (KMRD) die Stelle. Willi Wehrhausen vom KMRD erklärt: "Wir konnten die Bombe sehr rasch mit dem Metalldetektor orten." Die Fünf-Zentner-Fliegerbombe steckt 2,50 Meter tief im Erdreich fest. Nachdem die Bombe gesichtet ist, stellen Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt einen Ablaufplan auf. Da sich aus Sicherheitsgründen in einem Umkreis von 500 Metern rund um die Fundstelle keine Menschen während der Entschärfung aufhalten dürfen, werden die B 421 sowie alle Zufahrtsstraßen und Feldwege für eine halbe Stunde gesperrt. Dadurch kommt es zwar zu kurzen Staus, die Polizisten und Feuerwehrleute erklären den Verkehrsteilnehmern jedoch den Grund für die Sperrung und bitten um Geduld — mit Erfolg.Reibungslos verläuft auch die Evakuierung von rund 150 Bürgern, die am Ortsrand von Walsdorf in Richtung Zilsdorf wohnen. Herbert Mastiaux von der Hillesheimer Verwaltung berichtet: "Das lief alles ganz gelassen ab. Die Leute sind einfach so lange zu Bekannten oder Verwandten gegangen." Im Gemeindehaus musste keine Evakuierungs-Zentrale eingerichtet werden. So meinte denn auch Walsdorfs Ortsbürgermeister Horst Kolitisch: "Das regeln wir hier alles ohne großes Aufhebens. Und wenn das Spektakel vorüber ist, gehen alle wieder nach Hause." So war es denn auch. In der Dorfmitte haben viele gar nichts von der Entschärfung mitbekommen: Maler streichen weiter ein Haus an, Frauen hängen Wäsche im Garten auf, und in einem Geschäft für russische Spezialitäten schütteln die Inhaber angesichts der Bomben-Meldung den Kopf: "Wir wissen nichts davon."Gerda Weber, die an der Bushaltestelle steht, meint: "Ich habe keine Angst." Die 75-Jährige kann sich nicht an exakt diesen einen Fliegerangriff erinnern. Sie sagt aber: "Damals hat es doch dauernd rund ums Dorf eingeschlagen." Anton Emmerichs kommt nach der Entwarnung zur Fundstelle. Der 85-Jährige war 1944 in amerikanischer Gefangenschaft. Er sagt: "Die eine Bombe, ha. Hier liegen noch viele rum." Horst Lenz, Chef des KMRD, bilanziert: "Die Entschärfung verlief normal. Allerdings hatte die Bombe einen Einschlag von einem Splitter einer Nachbarbombe."