Die Angst nehmen

TRIER. Welches Mädchen geht schon gerne zum ersten Mal zum Frauenarzt? Damit der Besuch nicht zur Zitterpartie wird, bieten einige Frauenärzte in Trier die so genannte "Mädchensprechstunde" an.

"Es war schrecklich und hat weh getan!" Vor ihrem ersten Besuch beim Frauenarzt bekommen manche Mädchen von ihren Freundinnen Horrorgeschichten zu hören. Die Folge: Der Gang dorthin wird noch schwerer und die schweißfeuchten Hände noch nasser. Solchen Szenarien möchte die Mädchensprechstunde vorbeugen. "Der erste Besuch dient dem gegenseitigen Kennenlernen. Die Mädchen können Fragen stellen und bekommen alles erklärt. Wer dann dazu bereit ist, wird untersucht. Das muss aber nicht sein", erklärt Dr. Vera Jakobs, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Trier. Wie einige ihrer Kollegen bietet sie eine Mädchensprechstunde an, für die sie eine Schulung und ein Zertifikat gemacht hat. "Fingerspitzengefühl und Offenheit sind gefragt, denn viele Mädchen haben große Angst vor der Untersuchung", sagt sie. Die Altersspanne der jungen Patientinnen reicht von 13 bis 20 Jahren, denn ein spezielles Alter für den ersten Besuch beim Frauenarzt gibt es nicht. Der häufigste Grund für den Gang dorthin ist die Verordnung der Pille. Auch die 17-jährige Sarah (Name geändert) hat diese spezielle Sprechstunde wahrgenommen. "Die Sprechstunde war sehr informativ. Die Ärztin hat mir alles gezeigt und war sehr behutsam. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass sie sich um mich kümmert", erzählt die Schülerin. Auch sie hat gruselige Geschichten von ihren Freundinnen gehört, fand die Untersuchung aber gar nicht schlimm. "Ich war sehr zufrieden und hatte keine Angst. Es hört sich vorher schlimmer an als es ist", erzählt sie. Praxisführungen für Schulklassen

Jakobs bietet auch Praxisführungen für Schulklassen an - allerdings nur für die Mädchen. "Leider herrscht ein erschreckender Informationsmangel unter den jungen Frauen. Es gibt immer mehr junge Mütter, da viele nicht einmal wissen, dass beispielsweise ein Kondom alleine zur Verhütung nicht reicht", berichtet sie. Die spezielle Sprechstunde leistet so auch Aufklärungsarbeit. Außerdem soll den jungen Patientinnen Mut gemacht werden, zu sich und ihrem Körper zu stehen. Wer sich alleine nicht traut, kann natürlich die Mutter, den Freund oder die beste Freundin mitnehmen. Sarah findet das gut: "Meine Mutter war bei dem Vorgespräch auch mit dabei. Während der Untersuchung hat sie aber draußen auf mich gewartet."